Orden und Ehrenzeichen

Es wird im Umfeld der Bundeswehr darüber diskutiert, ob Tapferkeitsmedaillen verliehen werden und welche Form sie annehmen sollten. Drüben beim A’Team hat jo@chim eine sehr deutliche Stellungnahme dazu verfasst. Nach einigen Kommentaren sah ich mich veranlasst, meinen eigenen Senf dazuzugeben, und den würde ich gerne zur Diskussion stellen. Bevorzugt drüben, aber wenn jemand meint, die eigene Meinung komme in einem anderen Kontext besser zur Geltung, dann auch hier.

Rayson beim A’Team:

Mal ne Frage an die Experten: Gibt es in der israelischen Armee eigentlich Tapferkeitsorden?

Ich habe irgendwie generell eine Abneigung gegen solche Bleche, was sicher auch mit der Tradition zu tun hat, in der sie verliehen wurden.

Ich glaube auch nicht, dass eine rational-historische Betrachtung der Sache gerecht wird. Orden sind nun einmal eine nicht-materielle, also ideelle Angelegenheit, und die unter dem Oberbefehl des GRÖFAZ kämpfende Armee hat eben tatsächlich nur ein paar Jahre gebraucht, um ein traditionelles “normales” militaristisches Symbol in den Kontext der Vernichtungsmaschinerie zu stellen.

Die Alarmglocken sollten aber vor allem aus einem anderen Grund angehen: Vor zwanzig Jahren wären solche Ideen absurd erschienen, weil es als Aufgabe der deutschen Armee galt, durch Kampfbereitschaft zur Verhinderung des Krieges beizutragen. Sobald süß und ehrenvoll für das Vaterland gestorben worden wäre, hätte die Bundeswehr ihr primäres Ziel bereits verfehlt.

Heute sollen wir uns anscheinend daran gewöhnen, dass deutsche Soldaten in Kriegen eingesetzt werden. Und um die daraus folgenden einfliegenden Särge irgendwie zu kompensieren, soll dann eben auch das leuchtende kriegerische Vorbild möglichst haushaltsneutral herausgestellt werden.

Könnten wir vielleicht mal einen Augenblick innehalten, um darüber nachzudenken, was da scheinbar unumgänglich auf uns zukommt? Wer schenkt dem angeblichen Souverän endlich reinen Wein ein? Oder ist es wieder mal legitim, im Dienste der richtigen Sache zu lügen und zu verschleiern?

Die Welt hat genug unter Deutschen gelitten, die den Krieg wollten. Die Logik daraus kann nicht sein, den Deutschen klammheimlich Kriege aufzudrücken, die sie nicht wollen.

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18 Kommentare zu “Orden und Ehrenzeichen”

  1. 10.03.2008 | 19:14

    Anmerkungen wie Deine sind “drüben” in der Tat nicht am falschen Platz, gerade weil dort offensichtlich leider nicht “Commentors’ Mainstream” lieber Rayson…
    :-)

  2. 10.03.2008 | 19:23

    Ist schade, jo@chim, hat aber natürlich nichts mit eurer Meinung, sondern vor allem mit eurer Bedeutung zu tun.

    Bei solchen Beiträgen wie diesem stellt sich immer die Frage, ob wir die Diskussion hier zulassen oder auf den Ursprung verweisen sollen. Diesmal war ich der Meinung, dass mein Kommentar auch zum eigenen Beitrag getaugt hätte, und deswegen gab ich das Feuer frei.

    Ich würde mich aber auch über (fast) jeden Kommentar freuen, der statt hier bei euch abgegeben wird. Nur, um das klarzustellen. Im Gegenteil: Eigentlich gehört die Diskussion zu euch. Aber wegen meiner ziemlich eindeutigen und intern nicht unumstrittenen Position sollte ich die auch hier öffnen.

  3. Fuchur
    10.03.2008 | 20:19

    Gibt es in der israelischen Armee eigentlich Tapferkeitsorden?

    Wikipedia:
    Israeli Military decorations

  4. Lina
    10.03.2008 | 20:29

    @ jo@chim

    “Commentors’ Mainstream” ist auch andernorts ein anderer. Eine Umfrage bei SpOn ermittelt 43 % Zustimmung auf die Frage: “Sollen deutsche Soldaten wieder mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet werden?”

    “Ja”, sagen sie, “weil Helden geehrt werden müssen”. Bleiben noch 47 Prozent Zustimmung – weit abgeschlagen verteilt auf drei weitere Fragen:
    Ja, denn alle anderen Armeen haben vergleichbare Orden
    Nein, Heldentum braucht grundsätzlich keine Orden
    Nein, weil das Eiserne Kreuz historisch belastet ist

    Ich schlage meine Meinung Deiner und Raysons zu, will aber eine Tapferkeitsmedaille dafür ;-)

  5. Lina
    10.03.2008 | 20:41

    “Bleiben noch 47 Prozent” – nein, 57 %, aber die verzählten 10 % machen es auch nicht besser…

  6. 10.03.2008 | 21:18

    So als dumme Frage meinerseits: Warum wird der Tapferkeitsorden eigentlich immer mit dem ehrenvollen Tod für das Vaterland in Verbindung gebracht? Eine Tapferkeitsmedaille würde doch eher besondere Leistungen und besonderen Einsatz, z.B. bei der Rettung von Kameraden oder Zivilisten auszeichnen. Eine derartige Auszeichnung fände ich für jede Armee richtig, weil ich durchaus finde, dass eine solche Leistung belohnt werden sollte.

  7. 10.03.2008 | 21:27

    Auch, wenn ich mit Orden nichts anfangen kann (wobei die ja auch nicht für mich gedacht wären), finde ich Maigreys Frage berechtigt.

  8. AM
    11.03.2008 | 9:03

    Tapferkeitsmedaillen sind billig und deshalb bestens geeignet, um von Schlauen an Trottel verliehen zu werden.

  9. R.A.
    11.03.2008 | 10:17

    Persönlich bin ich nur mäßig begeistert von allen möglichen Auszeichnungen. Wie man sehr schön beim Bundesverdienstkreuz sieht, kriegen das zu oft die Falschen.

    Die hanseatische Tradition ist mir da lieber.

    Aber das ist eine persönliche Einstellung, die ist hier nur sehr begrenzt wichtig, weil ich sowieso keine solche Tapferkeitsmedaille kriegen würde.
    Da fällt es ja leicht, großzügig zu verzichten.

    Aus meinen Gesprächen mit Bundeswehrangehörigen dagegen weiß ich, daß dort die Zustimmung sehr groß ist.
    Und da das nun die Leute sind, die für uns den Kopf hinhalten, würde ich denen dann auch solche Wünsche erfüllen.

    Weil es eigentlich kein Gegenargument gibt.
    Denn die angebliche “historische Belastung” halte ich für Unsinn.
    Das EK ist nicht mehr und nicht weniger belastet als viele andere Symbole, Institutionen und Bezeichnungen, die es schon vor der Nazi-Zeit gab, in dieser von den Nazis weiterverwendet wurden, und zur Recht danach wieder von den anständigen Deutschen zurückgeholt wurden.

  10. Gomez Davila
    11.03.2008 | 10:50

    @R.A.:

    “andere Symbole, Institutionen und Bezeichnungen, die es schon vor der Nazi-Zeit gab”

    Daß es die schon vor der Nazi-Zeit gab, spricht m.E. auch nicht gerade für sie. Die BRD, da erster halbwegs funktionierender deutscher Rechtsstaat, täte gut daran, gerade deshalb auf solche ehrwürdige Traditionen zu verzichten.

    Wenn eine Vielzahl der Bundeswehrangehörigen dafür sind, zeigt das allerdings, daß es bei Berufen, wo es um Leben und Tod geht, scheinbar schon besondere Auszeichnungen braucht. Sein Leben riskieren zu können ist tatsächlich eine besondere moralische Qualität. Bei der Feuerwehr gibt es m.W. schließlich auch Auszeichnungen. Aber selbst wenn die bisherigen Tapferkeitsorden nicht ausreichen sollten, doch bitte nicht das EK!

  11. R.A.
    11.03.2008 | 11:33

    @Gomez:
    > Daß es die schon
    > vor der Nazi-Zeit
    > gab, spricht m.E.
    > auch nicht gerade
    > für sie.
    Es bedeutet in erster Linie, daß es eben kein Nazi-Symbol ist.
    Und es bedeutet weiter daß es einen historischen Hintergrund hat, so etwas gilt gerade beim traditionsbewußten Militär eben mehr als irgend etwas neu Erfundenes.
    (Mal abgesehen davon daß es mich schon schüttelt bei der Vorstellung, die große Koalition würde eine politisch korrekte Symbolik für eine militärische Auszeichung neu erfinden …).

    Das EK gehört wie das Deutschlandlied, der Adler, das Amt des Kanzlers, die speziellen deutschen Militärränge usw. zum allgemeinen historischen Erbe – und das sollte man sich nicht von den Nazis streitig machen lassen.

  12. 11.03.2008 | 13:35

    Das Eiserne Kreuz als Symbol wird doch in der Bundeswehr eh schon seit eh und je benutzt. Wenn die Symbolik so furchtbar ist, dann hätte man sie komplett abschaffen müssen.

  13. Forentourist
    11.03.2008 | 16:03

    @Gomez Davila
    >Die BRD, da erster halbwegs funktionierender deutscher Rechtsstaat…

    Wo funktioniert denn der BRD-Rechtsstaat besser als z.B. das Kaiserreich der Wilhelminen?
    Das Dt. Reich kannte noch eine echte BGB-Privatautonomie, die Bundesrepublik hat stattdessen Artenschutzgesetze für starkpigmentierte scheinschwangere Transgenderasylanten.
    Kokain und Heroin waren früher noch frei verkäufliche Medikamente, heute wandert man dank BtMG für den bloßen Besitz schon in den Bau.
    Die “Protokolle der Weisen von Zion” kann man sich heute auch nicht mehr so problemlos ins Bücherregal stellen, von Hakenkreuzen als Ornamentschmuck ganz zu schweigen. Rasterfahndung und automatische Kennzeichenkontrolle gab’s unter Willi Zwo auch noch nicht, dafür aber ein Bankgeheimnis und Gewerbefreiheit.
    Und schwule Kommunisten haben sowohl die einen wie die anderen eingesperrt (weil’s “die sittlichen Anschauungen des Volkes” verletzt).

  14. 11.03.2008 | 16:32

    Das Dt. Reich kannte noch eine echte BGB-Privatautonomie, die Bundesrepublik hat stattdessen Artenschutzgesetze für starkpigmentierte scheinschwangere Transgenderasylanten.

    Troll er sich zurück in seine PI-Gefilde!

  15. Gomez Davila (schwuler, kommunistischer Transgenderasylant)
    11.03.2008 | 20:00

    Und sag denen, die sollen ihre Gehege besser verschließen.

  16. Gomez Davila
    11.03.2008 | 20:28

    @R.A.:

    Wenn man sich schon der Tradition besinnt, wieso immer der schlimmen? Wieso nie der preussischen Tugenden Zivilcourage und Toleranz? Wieso muß immer nur dieser preussische Lamettafetisch bedient werden? Aber das ist von einer Armee sicher zuviel verlangt, zumal der Deutschen, welche die zwölf Jahre ohnehin nie penibel aus ihrem Traditionsfundus aussortiert hat.

  17. R.A.
    12.03.2008 | 10:49

    @Gomez:
    > Wenn man sich
    > schon der
    > Tradition
    > besinnt, wieso
    > immer der
    > schlimmen?
    Ich halte die preußische Militärtradition nicht für schlimm.
    Solange es nötig für einen Staat ist, eine Armee zu haben – dann doch lieber eine, die auch gut kämpfen kann.

    Die militärische Qualität der preußischen Armee hat nicht dazu geführt, daß Preußen als Land kriegslüsterner gewesen wäre als damals üblich – eher im Gegenteil.

    Und auch beim Lamettafetisch waren die Preußen vergleichsweise zurückhaltend.

    Ich habe natürlich nichts dagegen, noch stärker auch an friedliche Traditionen anzuknüpfen – aber das wäre ein völlig getrenntes Thema und taugt hier nicht zum Gegenargument.

  18. Gomez Davila
    12.03.2008 | 12:08

    @R.A.:

    Da muß man differenzieren:

    Preussisches Militär unter FW I.: Militär ist viel zu kostbar, um es in Kriegen zu verwenden: Unbedenklich.

    Unter dem späten F Zwo und ff.: Preussen kann sich aggressiven Militarismus schlicht nicht leisten: Unbedenklich.

    Unter W Zwo: Militarisierung des ganzen Landes mit blühendem Lamettafetisch und aggressiver Aussenpolitik: Hier kann doch nicht bestritten werden, daß dies ganz erheblich zu Adolf beigetragen hat. Und daß damit innerhalb der Bundeswehr ein bisschen zu unverhohlen geliebäugelt wird (selbst in der NVA hat man auf DIESE Traditionspflege nicht gerade verzichtet), vor allem im Hinblick auf die Neuausrichtung der Aufgaben der Bundeswehr, das macht, daß ich in der Äusserung, das EK wieder einzuführen zu wollen, eine Absicht spüre und verstimmt bin.

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