28. Februar 2008
Jetzt geht’s lo-hos
Nach kurzer Schreckstarre kommt in der SPD die massive Kritik am Kurswechsel des Vorsitzenden.
Und da geht es nicht nur um die fällige Klärung, wie sich die SPD künftig positionieren soll.
Und auch nicht nur darum, wer sich nun wie in Stellung bringt für die Kanzlerkandidatur 2009.
Beck hat in den letzten Wochen wohl ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann:
Zuerst einen ganz rigiden Abgrenzungskurs nach links predigen, mit eindeutiger Wortwahl, mit starker emotionaler Unterfütterung.
Und tausende von SPD-Mitgliedern haben sich in die Kälte gestellt und an den Wahlkampfständen von Hessen, Niedersachsen und Hamburg diese Parolen wiederholt, in vielen Fällen mit ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit verknüpft.
Dann bringt Beck den plötzlichen Schwenk. Und zwar nicht nur für künftige Festlegungen – das wäre schon schwierig genug zu erklären. Sondern auch rückwirkend mit völliger Entwertung der heiligen Schwüre der sozialdemokratischen Wahlkämpfer.
Wie müssen die sich nun vorkommen, wenn sie von den Nachbarn, Kollegen, Vereinskameraden jetzt angepflaumt werden, den hämischen Bemerkungen von links (“habt Ihr es endlich kapiert”) und rechts (“Sozis sind halt Lügner”) nichts entgegen setzen können.
Da hat ein Spitzenkandidat Naumann – dessen persönliche Reputation den moralisch völlig verkommenen LV Hamburg wieder saniert hat – beim “Leben seiner Kinder” geschworen (für Hanseaten eine fast unglaubliche Emotionalität). Um jetzt festzustellen, daß sein Boß hinter seinem Rücken schon die Intrigen vorbereitete, ihn Lügen zu strafen.
Auch der SPD-Parteivorstand muß sich ziemlich komplett düpiert fühlen, da keiner der sich für wichtig haltenden Führungspersönlichkeiten in diese entscheidende strategische Entscheidung eingebunden wurde. Sie haben es in der Zeitung lesen müssen.
Mit einer vernünftigen inhaltlichen Begründung kann Beck nicht dienen, da er auch nicht den kompletten Wechsel wagen kann, sondern immer noch am dürren Konstrukt festhält, man würde sich ja nur notfalls mitwählen lassen.
Genau diese Ausrede läßt ihm die Linke natürlich nicht. Mit Süffisanz und exaktem Timing meldet der hessische Spitzenkandidat der Kommunisten nun plötzlich an, daß es natürlich keine bedingungslose Mitwahl gäbe, sondern man vorher mit der SPD auch über Inhalte reden wolle.
Verschärft hat Beck die Krise noch durch seine taktische Grippe am Montag.
Für einen Moment konnte er sich so der Kritik entziehen.
Aber kein persönlicher Austausch mit Naumann hätte schlimmer wirken können als jetzt die nachgereichte schriftliche Fassung der Vorwürfe.
Es wird wohl so sein, daß Beck die aktuelle Diskussion übersteht. Alleine schon, weil kein Nachfolger bereit steht.
Aber spätestens wenn die erhoffte Machtübernahme in Hessen scheitern sollte, fällt die letzte Verteidigungsbastion – dann hätte der Kurswechsel auch seine machtpolitische Begründung verloren.
Die Kanzlerschaft dagegen, die sich Beck durch seine Taktik sichern wollte, die ist wohl endgültig außer Reichweite.
Verfasst von R.A. um 15:19 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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