24. Februar 2008
Drauf geschissen
Heute soll mal Zeit für ein paar Zeilen Ossi-Sprech sein. Kann grad nicht anders:
Einen Kollegen meines Vaters haben die Linken weggeholt. Machte einen Ulbricht-Witz. War dumm genug nicht aufzupassen, wer zuhörte. Die Frau heulte sich die Augen aus dem Leib. Hat ihren Mann nie wieder gesehen.
Einen Kumpel haben die Linken nach Bautzen verfrachtet. Haben ihn gefoltert. Haben seinen Zellennachbarn verrecken lassen, als dieser die ganze Nacht mit Herzinfarkt liegen blieb und der Wärter nur mal kurz reinschaute und dann, vom Schreien meines Kumpels ungerührt, seine Schicht ohne Unterbrechung fortführte.
Mir und meinen Mitschülern haben sie in der Schule von Anfang an das Gehorchen beigebracht. Den Kopf mit Parolen und sozialistischem Dummsprech verkleistert. Freizeit mit militaristischen Wehrsportübungen geklaut. Die kleinste politische Betätigung mit Drohungen und Stasi-Besuch bei den Eltern beantwortet.
Dieses linke Pack.
Als ich gerade im Westen angekommen war, es war ein Jahr nach der Wende, arbeitete ich in einem Altenheim.
Irgendwann war Kegeln mit den Kollegen. Einer der Kollegen trank genug, um mir endlich seine Meinung sagen zu können: Wir im Osten hätten doch nie zu arbeiten gelernt. Wir im Osten würden doch gewohnt sein, dass man alles in den A… geschoben bekäme. Wir im Osten sollten doch bitteschön im Osten bleiben.
Später, bei den lieben Franzosen, ähnelte das Unverständnis weniger einer BILD-Schlagzeile. Im Gegenteil: Man versuchte aufrichtig zu verstehen, was die Geschichte dieses netten boche da ausgemacht hat. Was die RDA tatsächlich gewesen sein mag, was der pote einem davon verständlich machen konnte. Es war nicht viel, meinem Gefühl nach. Aber das Bemühen ums Verstehen war ein Geschenk.
Heute wählt der Protestwähler “Linkspartei”. Und der verbitterte oder gelangweilte oder auch nur dämliche “Linke” findet nichts dabei. Findet die Linkspartei normal. Koalitionsfähig. Unverständnis wird zu Ignoranz.
So lange die Grenzen offen sind und Biermann noch da ist: Drauf geschissen, auf dieses Pack.
Auf diese SED, die doch cleverer ist, als man angesichts der senilen Führungsgarde von ‘89 hätte vermuten können. Und auf diese Wessis, die in ihrer ideologisch-dekadenten Verblödung nicht merken, welchen Rattenfängern sie hinterherlaufen.
Verfasst von Boche um 23:10 Uhr in der Kategorie In eigener Sache, Politik (Trackback)
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