20. Februar 2008
Neo-Imperialismus
Am deutschen Wesen sollte vor Zeiten mal die Welt genesen.
Und um dies durchzusetzen schreckte man auch vor dem einen oder anderen Weltkrieg nicht zurück.
So martialisch ist die Bundesregierung bisher noch nicht – aber die Denkweise ähnelt verblüffend dem Großmachtanspruch früherer Zeiten.
Das fing schon an, als Schröder dem renitenten Polen klar machen wollte, daß sie als minderwertige Vasallen zu schlucken hätten, was die Großen beschließen.
Und wenn es um noch kleinere Staaten geht, legt die regierungsdeutsche Großdeutschland-Allüre erst richtig los.
Wie kann es nur ein kleines Land wie Liechtenstein wagen, eine eigenständige Rechtsprechung zu haben?
Seine Gesetze nicht von Berlin diktieren zu lassen?
Seine Behörden und Banken nicht dazu zu zwingen, an deutsche Finanzämter Berichte zu schreiben?
Als wären die speziell deutschen Vorstellungen von Steuern- und Bankenrecht in der UN-Charta verankerte Pflicht aller Staaten, die kleiner als die Bundesrepublik sind, fordert ein Beck oder eine Merkel von den Kleinen Gehorsam.
Interessanterweise sind es zumeist Sozialdemokraten, die hier auf Kaisers Spuren wandeln.
Und interessanterweise sind es sehr oft die gleichen Leute, die die USA recht lautstark kritisieren, wenn diese von anderen Staaten per militärischer Überlegenheit fordern, die minimalen Menschenrechte einzuhalten.
Das ist das Erschreckendste am neuen deutschen Imperialismus.
Es geht nicht nur um die Durchsetzung eigener Interessen wie bei anderen Staaten.
Dies wird verknüpft mit einer Weltsicht, die die Befindlichkeit des eigenen Bauchnabels für eine moralische Position hält und die Beschränktheit des eigenen Kirchturmdenkens für allgemein verbindlich.
Verfasst von R.A. um 16:31 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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