15. Februar 2008
Eine Frage der Strategie
Solche Ausfälle sprechen meiner Ansicht nach ganz sicher nicht dafür, dass das komplette Personal der Linkspartei aus Kommunisten, die die DDR zurück haben wollen, bestünde. Dass dem nicht so ist, das dürften auch jene wissen, die jetzt polemisch äußern, die Linkspartei habe gezeigt, wes Geistes Kind sie sei. Solches Wahlkampfgetöse kann aber eigentlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Großteil der Funktionäre und Abgeordneten der Linken eher aus Reformsozialisten und enttäuschten Sozialdemokraten besteht. Sicherlich sind das Leute, die politisch etwas anderes wollen als etwa diejenigen, die hier bloggen – man kann aber dennoch davon ausgehen, dass sie keinen radikalen Systemwechsel wollen, sondern mit uns auf dem Boden der gleichen Verfassung stehen.
Tatsächlich äußert sich hier wohl eher das typische Problem der “Netzwerk”-Strategie, die bei der politischen Linken nun überall zu finden ist. Ob Globalisierungskritiker, Umweltaktivisten oder WASG (und nun die Linkspartei), man organisiert sich längst nicht mehr entlang einer gemeinsamen Grundüberzeugung, sondern bildet wilde Haufen, die nur dadurch geeint sind, dass man etwas ablehnt. Das kann dann der (offenbar allgegenwärtige) Neoliberalismus sein, die Gentechnologie oder die Atomkraft; gemeinsame Vorstellungen entwickelt man nicht, will das auch gar nicht, man stellt sich nur auf einen Haufen, proklamiert “So nicht!” – und nennt das dann eine politische Bewegung.
Im Prinzip sind bei dem Verhältnis zwischen Frau Wegners Aussagen und der Linkspartei die gleichen Probleme zu erkennen, die auch schon in den Diskussionen zum G8-Gipfel erkennbar waren: Der Großteil der Anti-G8-Demonstranten sind friedliche Leute, die einfach nur durch Anwesenheit ihrer politischen Meinung Ausdruck geben wollen. Durch die “Netzwerk”-Idee angetrieben, laden sie aber auch die Radikalen und Gewalttäter ein, mit dabei zu sein – verwehren sich aber anschließend dagegen, mit diesen in einen Topf geworfen zu werden. Ebenso war es bei der WASG, die zwar die DKP und die SAV einlud, mit ihnen zusammenzuarbeiten und etwas gegen den “herrschenden Neoliberalismus” zu unternehmen, dann aber beleidigt war, als man sie mit diesen beiden Organisationen identifizierte. Und so ist es heute wieder bei der Linkspartei, die alle möglichen politischen Strömungen bündeln will (und dabei an beiden Rändern der Politik herumgräbt), aber nichts davon wissen will, wenn mal auffällt, wen sie da so zur Mitarbeit eingeladen und in die Parlamente geschleppt hat.
Also, liebe Linke in Linkspartei und Gesellschaftskritik: Vielleicht solltet ihr mal Eure Strategie überdenken und Euch fragen, ob gemeinsame Ablehnung gegen etwas wirklich ausreicht, um gemeinsam Politik zu machen, oder ob dafür nicht doch ein paar gemeinsame Ideen nötig sind.
Verfasst von Karsten um 12:24 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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