20. Januar 2008
Tun Sie doch was!
Angesichts der drohenden Rezession und des Konjunkturprogramms der US-Regierung wird in amerikanischen Blogs die Frage diskutiert, wie sinnvoll eine “fiskalpolitische Stimulierung” der Wirtschaft, also das Verwenden von Steuerzahlergeld, um Steuerzahlern Geld zum Ausgeben in die Hand zu drücken, überhaupt ist. Man lese dazu z.B. einige der letzten Beiträge bei Greg Mankiw.
Ich gehöre zu denen, die davon überzeugt sind, dass es sich für jede demokratische Regierung um ein Ding der Unmöglichkeit handelt, das richtige Programm zur richtigen Zeit richtig umzusetzen. Einen von drei Parametern versauen sie dabei mindestens, und das reicht, um schon in der Theorie das Idealgebilde zum Stürzen zu bringen, bevor man überhaupt die Frage nach der Wirksamkeit an sich gestellt hat.
Man muss es sich wahrscheinlich so vorstellen wie in einer Szene, die zum Inventar so gut wie jeder Fernsehkrimiserie gehört. Wer kennt sie nicht, die Situation, wo jemand, der einer vermissten Person sehr, sehr nahe steht, den vor ihm sitzenden verantwortlichen Polizeibeamten anschreit: “Warum tun Sie nichts? Sie müssen doch etwas tun!” Als ob es etwas helfen würde, wenn der Angesprochene und seine Mitarbeiter hektisch durch die Gegend liefen und vielleicht noch ein paar der üblichen Verdächtigen verhafteten.
So entsteht auch der Bedarf an Fiskalpolitik. Man sieht ein Unglück kommen, will sich als Politiker aber nicht dem Vorwurf aussetzen, nichts getan zu haben. Für negative Folgen lässt sich notfalls immer jemand anderes verantwortlich machen, aber das Nichtstun muss man immer selbst verantworten. Noch dazu ohne jede Aussicht, dafür Lorbeeren einzuheimsen, denn der allgemeine Tenor wird natürlich unweigerlich darauf hinauslaufen, die Sache sei glimpflich ausgegangen, obwohl der betreffende Politiker nichts getan habe. Warum dabei niemandem in den Sinn zu kommen scheint, dass das “obwohl” ein “weil” sein könnte, wird mir demnächst mal einen weiteren Eintrag wert sein.
Verfasst von Rayson um 16:58 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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