18. Januar 2008
Nokia oder: Der Karawanen-Kapitalismus
Da sind Entscheidungen offenbar in Finnland getroffen worden. Aber ich kann die Empörung verstehen. Das ist ein Ausdruck eines Karawanen-Kapitalismus, von dem viele wissen müssen, dass er die Zustimmung zu diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell systematisch unterminiert. Die Menschen verlieren Vertrauen und das ist eminent gefährlich und von politischer Bedeutung.
(Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, heute morgen im DLF-Interview)
Zunächst das Positive: Die SPD rückt offenbar von Tier-Vergleichen und Anspielungen auf die Bibel ab. Stattdessen also: Karawane. Das klingt irgendwie nach Orient, nach etwas, dem nicht so recht zu trauen ist. Andererseits: Karawanen bewegen sich von Handelsknotenpunkt zu Handelsknotenpunkt; zwischendurch müssen mal Durststrecken überwunden werden, bis man zur nächsten Oase kommt. Das erfordert strategische Planung und taktisches Geschick. Wenn Steinbrück das mit diesem Bild ausdrücken wollte, dann würde ich das anstelle von Nokia einfach mal als Kompliment annehmen.
Was mir Kopfzerbrechen macht, ist die behauptete Unterminierung der Zustimmung zu “diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell”. Da weiß ich nämlich mindestens bei der SPD (aber auch bei weiten Teilen der CDU, vertreten durch Nordrhein-Westfalens obersten Arbeiterführer Robin Rüttgers) nicht mehr, was das eigentlich sein soll.
Und in wen oder was verlieren die Menschen Vertrauen? Für wen ist das gefährlich?
Verfasst von Marian Wirth um 10:41 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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