17. Januar 2008
Berliner
Mit den Berlinern ist das so eine Sache. Eigentlich liebt sie keiner. Außer denen, die Berliner kennen und lieben. Ich gehöre zu dieser Spezies, denn ich habe nicht nur einen Berliner Geburtsort aufzuweisen (ja – deswegen Hertha!), sondern auch eine Mutter, die man mit Fug und Recht als Urberlinerin bezeichnen kann. Und obwohl meine Eltern “rechtzeitig” in den Landkreis von Hannover zogen und mich dadurch im Grunde zum Niedersachsen dieser Gegend machten, was ich auch heute noch täglich durch meine Aussprache (also der Abwesenheit jedweden Dialekts) dokumentiere, scheint es da doch eine gewisse Bindung zu geben.
Bastian Sick berichtet von folgender Begegnung:
An einem Abend war ich spät dran, und so sprang ich in ein Taxi und erklärte dem Fahrer, dass ich so schnell wie möglich ins Schiller-Theater müsse. “Wohin wollense?”, fragte er mich. “Bitte fahren Sie mich ins Schiller-Theater!”, wiederholte ich. Da wandte er sich zu mir um und sagte: “Det jeht nich, juter Mann. Ick kann Ihnen höchstens nachm Schiller-Theater fahren. Ins Theater müssen Se denn schon selba loof’n.”
Voll Berlin. Wer da kein Kontra auf der Zunge hat, hat schlechte Karten. Ich erinnere mich an folgende Begebenheit:
Ich hatte einen geschäftlichen Termin in Berlin und wollte am selben Tag wieder zurückfliegen. Dazu nahm ich den Bus, der mir versprach, mich am Flughafen Tegel abzuliefern. Noch in der Innenstadt fragte allerdings jemand, der sich als potenzieller Fahrgast zu erkennen gab: “Fahren Sie zum Flughafen?” Wer, der Berlin kennt, würde auf eine andere Antwort wetten als auf diese: “Watt jloobn se denn? Zur Dampferanlejestelle?”
Sollte also irgendjemand sich über meine Reaktionen manchmal wundern – irgendwo bin ich Berliner geblieben.
Verfasst von Rayson um 20:42 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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