16. Januar 2008
“Subventionsheuschrecke”
Die armen Orthoptera – wenn unsere Politik so weitermacht, dann werden sie bald die Ratten und Schweine als beliebteste Schimpfworte für unliebsame Mitmenschen ablösen. Jetzt hat Jürgen Rüttgers, der Robin-Hood-Darsteller aus Brauweiler (wie der Autor dieser Zeilen ein Karnevalist, noch dazu in einem befreundeten Verein) ein neues Wort erfunden: Die “Subventionsheuschrecke“. Im Gegensatz zur gemeinen Heuschrecke (im wirtschaftspolitischen Sinne) ernährt diese Gattung sich nicht etwa von anderen Unternehmen, zeigt also kein kannibalisches Verhalten, sondern vielmehr von vom Staat ausgesäten Subventionsfeldern. Was einerseits den Zorn der Politik eint, andererseits aber auch legitime staatliche Eingriffsmöglichkeiten eröffnet.
Ganz ehrlich, Herr Rüttgers: Dass ein Unternehmen, das sich nur an einem bestimmten Standort ansiedelt, weil es dort vom Staat Subventionen erhält, sich bei erster Gelegenheit aus dem Staub macht, wenn die Einnahmequelle versiegt und andere mit den Scheinen winken, hätten Sie sich doch denken können, oder? Gut, ich gebe ja zu, es war nicht ihre Entscheidung, die Futterquelle für die Heuschrecken in Bochum zu eröffnen, sondern die von Wolfgang Clement (der sich damit einmal mehr weniger als engagierter Kämpfer für die Marktwirtschaft denn als Lobbyist großer Konzerne beweist). Aber die große Empörung, die Sie jetzt demonstrieren, die ist ein wenig fehl am Platze. Ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist.
Zwei Dinge würden mich nur interessieren. Erstens: Zahlt der deutsche (oder nordrhein-westfälische) Steuerzahler jetzt eigentlich wieder Subventionen, um die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Osteuropa zu subventionieren? Und zweitens: Wann werden Politiker endlich einsehen, dass derartige Subventionen lediglich eine Verschwendung von Steuergeldern sind, die auf Dauer keine Arbeitsplätze schaffen? Sozialhilfe für Konzerne ist volkswirtschaftlich auch nicht sinnvoller als die für Mitbürger – kann sich aber im Gegensatz zu dieser nicht einmal auf eine moralische Verpflichtung berufen.
Verfasst von Karsten um 12:09 Uhr in der Kategorie Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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