Expertenurteil

Deutschland ist das Land der Klimaexperten. Immerhin scheut sich inzwischen keine wissenschaftliche Disziplin mehr davor, ihren Senf zum Thema Klimawandel abzugeben. So auch die verantwortliche Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache für das Wort des Jahres, die “Klimakatastrophe”:

Klimakatastrophe wurde als Wort des Jahres gewählt. Dieser Ausdruck kennzeichnet prägnant die bedrohliche Entwicklung, die der Klimawandel nimmt.

Zwar soll mit der Wahl dieser “verbalen Leitfossilie” keine Wertung bzw. Empfehlung verbunden sein, doch lese ich diese Entscheidung etwas anders. Immerhin wird mit dieser Wortwahl das Ergebnis eines globalen Klimawandels vorweggenommen, über dessen Folgen sich nicht einmal die Klimaexperten einig sind, geschweige denn sicher voraussagen lassen. Ähnlich geartet erscheint auch die Wahl der Nummer 2 des “Unwort des Jahres”, der Begriff “klimaneutral”, der nach Expertenansicht ein Versuch der Verschleierung einer Steigerung des Kohlendioxidausstoßes sei. Selten hat man eine so “wertungsfreie” Wortwahl eines so wenig mit dem notwendigen theoretischen Rüstzeugs zur Beurteilung dieser Fragen  ausgestatteten Gremiums vernommen. Sehen so die Ergebnisse des langjährigen Kampfes um eine breitere Gemein(ein)bildung aus?

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6 Kommentare zu “Expertenurteil”

  1. jopa
    15.01.2008 | 14:57

    Das ist doch jedes Jahr das gleiche: Da sitzen einige Geisteswissenschaftler zusammen und wählen auf der Basis dessen, was sie wahlweise in der FR oder der TAZ gelesen haben, ein “Wort des Jahres” aus, dessen Auswahl dann mit einer dämlichen Begründung versehen wird. Das gleiche gilt auch analog für das “Unwort des Jahres”. Ich glaube, die beste Haltung dazu ist es, den ganzen Mist einfach zu ignorieren. Nennenswerte Folgen hat diese ganze Geschichte nämlich ohnehin nicht…

  2. 15.01.2008 | 15:24

    Richtig, doch sagt es doch einiges über das geistige Niveau eines Teils der deutschen Wissenschaft aus.

  3. quer
    15.01.2008 | 17:15

    Klar, daß auch diese guten Leutchen nicht an der neuen (Natur-)Religion der Klimatheisten vorbeikommen. Immerhin ein Beitrag zur liturgischen Sprachregelung. Fehlt eigentlich nur noch die Beurteilung der Ketzerei.

  4. jopa
    15.01.2008 | 18:13

    @ SteffenH:

    Das geistige Niveau eines Teils der deutschen Wissenschaft korrespondiert mit dem geistigen Niveau eines Teils der Gesamtbevölkerung. Wer würde davon ausgehen, daß Wissenschaftler automatisch intelligent und gebildet seien? Spätestens wenn man mal bedenkt, daß sich an deutschen Universitäten noch einige Marxisten halten, sollten einem da Zweifel kommen…

  5. 15.01.2008 | 23:54

    Wieso ignorieren? Ich finde es herrlich, den geistigen Dünnschiss diverser Geisteswissenschaftler und anderer (aus sicherer Entfernung, sonst kann es einem schon stinken) zu betrachten. Jedesmal wenn ich Probleme mit meinem Selbstbewusstsein habe, schaue ich mir an, was diese anderen so machen und schon sind die Selbstzweifel angesichts des Ausmaßes an Klugheit, Weisheit und Schönheit, das ich diesen Leuten voraushabe, verflogen. (-:

  6. Florian
    15.01.2008 | 23:58

    Die Auswahl der Jury ist ja oft etwas seltsam.

    Nehmen wir nur mal die beiden letzen “Unworte des Jahres”, die aus meinem Fachgebiet, den Wirtschaftswissenschaften, stammen:

    2005: “Entlassungsproduktivität”
    Häh? Nie gehört. Habe mal bei Google nachgeschaut. Es gibt dort lächerlich geringe 5.300 Treffer. Also ein echtes Exotenwort. Die ersten 10 Google-Links behandeln übrigens ALLE dessen Eigenschaft als “Unwort des Jahres”. In freier Wildbahn gibt es den Begriff also gar nicht. Da hat also die GfdS sich selbst den Gegner aufgebaut, auf den sie dann eindrischt.

    2004: “Humankapital”
    Die Begründung: “degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen”.
    Dabei ist die Bedeutung des Wortes eigentlich gerade umgekehrt. Nämlich dass Menschen für ein Unternehmen wichtig sind – und nicht nur nackte Fianzkennziffern.
    Also eigentlich ein menschlich-positiver Begriff, dessen Bedeutung die GfdS einfach nicht verstanden hatte.

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