11. Januar 2008
Eine faszinierende Zahl: knapp 44 Millionen neue Blogger
In manchen Blogs (beispielsweise an der Blogbar) wird seit einigen Tagen das Editorial zur neuen c’t diskutiert. In der c’t heißt es:
Einer Schätzung zufolge eröffnen derzeit täglich 120 000 Weblogs ihr Tor zur Welt. Demnach machen sich pro Jahr knapp 44 Millionen neue Greenhorns auf, um in der Blogosphäre ihr Glück zu machen. Klar, dass nur ein verschwindend kleiner Bruchteil das Zeug dazu hat, vom Hyperlinkputzer zum Pageview-Millionär aufzusteigen. Die meisten stehen umsonst auf ihrem kleinen Podest im Web. Viele haben schon Glück, wenn sie auch nur einen Leser finden.
Auch wenn man in einem c’t-Editorial nicht unbedingt alles für bare Münze nehmen muss, frage ich mich:
- Hat das wirklich jemand geschätzt oder hochgerechnet?
- Werden Blogs wirklich nur zum Bloggen eröffnet?
- Darf jede Person wirklich nur ein Blog pro Jahr eröffnen?
Viele Nutzer eröffnen mehrere Blogs. Spammer eröffnen massenweise Blogs zum Zweck der »Suchmaschinenergebnisoptimierung«. Nicht wenige Blogs werden schon nach ein paar Tagen wieder vergessen. Es ist also horrender Blödsinn, aus bekannten Fakten und einer nicht belegten Schätzung die Zahl von knapp 44 Millionen Bloggern abzuleiten. Aber es kommt noch besser:
Brillenträger reden beim Thema Web 2.0 gern von Chancengleichheit und Basisdemokratie. Schöne Worte – schöner wäre nur noch, wenn sie irgendeinen Realitätsbezug hätten. Wie in der echten Welt können auch im Internet nur die Wenigsten vom Schreiben leben.
Hallo? Ist in der c’t-Redaktion noch jemand wach? Was hat es bitte mit Basisdemokratie und Chancengleichheit zu tun, ob jemand vom Schreiben leben kann? Der Autor schließt mit dem denkwürdigen Satz:
Web 2.0 wäre ja auch keine richtige Revolution, wenn sie ihre Kinder nicht fräße.
Vielleicht hätte er besser sein Editorial fressen sollen …
Verfasst von stefanolix um 14:33 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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