Laika!

Gerade habe ich die Lektüre der tragischen Comic-Geschichte der Weltraum-Hündin Laika beendet, deren Schicksal stellvertretend für die sinnlosen Folgen des irrsinnigen Weltraumwettlaufs zwischen den beiden Fronten des kalten Krieges steht, da muss ich erfahren, dass die Beendigung des kalten Krieges der riskanten Eile der amerikanischen Weltraumforschung kaum Abbruch getan hat. Was, wenn nicht mehr die Russen, treibt die NASA heute zur Eile?

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9 Kommentare zu “Laika!”

  1. Florian
    7.01.2008 | 15:59

    Übertriebene Eile ???

    Ich habe eher den Eindruck, dass die Weltraumfahrt in den letzten 20 Jahren kaum vorangekommen ist.
    (Was man je nach Präferenzen gut oder schlecht finden kann – aber zumindest zur Kenntnis nehmen sollte).

    Nur zur Erinnerung:
    Anfang der 60er wurde das amerikanische Mondprogramm gestartet.
    Ende der 60er war man auf dem Mond.
    Das ist jetzt bald 40 Jahre (!) her.
    Wäre die Weltraumfahrt mit ähnlichem Tempo weitergegangen, dann hätte man allerspätestens in den 90ern einen Astronauten auf dem Mars haben müssen.
    Stattdessen: Stillstand.

  2. 7.01.2008 | 16:24

    Vielleicht hab ich mich etwas unklar ausgedrückt, aber ich meinte mit Eile das zeitliche Durchpeitschen der Shuttle-Starts mit den damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Abgesehen halte ich die gesamten Raumfahrtprogramme, wenn man mal von der Installation der Kommunikationsinfrastruktur absieht, allein wegen der öffentlichen Finanzierung und der damit verbundenen Anreizdefizite und dem Hang zur Verschwendung für eher zweifelhaft. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema…

  3. 7.01.2008 | 17:34

    Lieber SteffenH,

    daß die NASA das Mondprogramm wieder aufgenommen hat und den Mars für eine bemannte Mission ins Auge faßt, liegt schlicht daran, daß es ein neues Wettrennen gibt – nur jetzt mit den Chinesen.

    Diese wollen ihren Status als zweite Supermacht durch eine bemannte Mondlandung unter Beweis stellen. Und die USA wollen sich begreiflicherweise nicht die Show stehlen lassen.

    Was das Shuttle angeht: Ich habe die Diskussionen um die mehrfachen Verschiebungen des Starts der Atlantis im Forum der NASA verfolgt. Man hat gerade nicht um der Eile willen ein Risiko in Kauf genommen, obwohl die Störung bei dem Tanksensor nur unter sehr unwahrscheinlichen Bedingungen hätte kritisch sein können.

    Generell steht allerdings das Shuttle-Programm schon unter großem Zeitdruck, und zwar weil die Shuttles in einigen Jahren ausgemustert werden müssen; die Reparatur- und Wartungskosten und das trotzdem steigende Risiko dieser alten Geräte machen es erforderlich.

    Ein Nachfolgegerät gibt es aber nicht, bis das jetzt angelaufene Programm (Orion usw.) zu einsatzfähigen Raketen geführt hat. Also werden die USA für vier, fünf Jahr überhaupt keine großen Lasten in den erdnahen Raum heben können. Bis dahin muß die ISS fertig sein, denn die Russen haben kein System zum Transport großer Lasten.

    Herzlich, Zettel

  4. 7.01.2008 | 19:01

    Hallo Stefan H. .
    Ich verfolge die Vorbereitungen für der Flug “ATLANTIS” STS 122 – “COLUMBUS” aufmerksam mit (u. A. hier: http://www.raumfahrer.net ) und ich muss sagen: die NASA ist schon sehr vorsichtig. Vor einigen Jahren wäre man vielleicht noch mit einigen gestörten Tanksensoren gestartet (Wie Zettel richtig schrieb, wäre das nur unter sehr unwahrscheinlichen Bedingungen gefährlich, aber es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass ein Stück Isolierschaum die Trägflächenvorderkante so unglücklich trifft, dass der Hitzeschild ernsthaft beschädigt wird – und es ist leider passiert.)

    Bei den Raumfahrtprogrammen würde ich differenzieren. Satellitenstarts sind mittlerweile lukrativ und auch für private Anbieter attraktiv (wobei es leider schon die ersten Pleiten gab – für teure High-Tech bracht man einen langen Atem), selbst die viel gescholtene Arianespace würde längst Gewinne abwerfen, wenn es nicht einige hirnrissige (und wohl politisch motivierte) Managementfehler gegeben hätte.
    Über den Bereich “Raumsonden und Forschungssatelliten” brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dass ist reine Grundlagenforschung. Wobei die Ergebnisse durchaus den (überschauberen) Aufwand rechtfertigen. Wenn man diesen Bereich in Frage stellt, könnte man auch Großteleskope, Teilchenbeschleuniger, Tiefsee-Biologie, nicht-prospektive Polarforschung usw. in Frage stellen.
    Bleibt die bemannte Raumfahrt. Zwar gibt es viele Bereiche, in denen der Einsatz von Astronauten sinnvoll ist (und sei es für Reparaturen), aber der Aufwand für bemannte Systeme ist so hoch, dass sich die Frage nach der Finanzierung ganz anders stellt, als bei den unbemannten Systemen. (Abgesehen davon, dass es auch um Menschenleben geht.)

    Einen “Wettlauf” nach dem Schema des “kalten Krieges” droht meines Erachtens nicht, China ist etwa da, wo die USA vor über 40 Jahren waren – und das auch nur mit russischer Hilfe. Aber China hat den festen Willen, sich als “High Tech”-Nation zu verkaufen – durchaus im Sinne der Wirtschaftswerbung. Auch die BRD ist seinerzeit unvorteilhafte Verträge mit der NASA eingegangen, um das “Spacelab” bauen zu können. Aber indem das Spacelab gebaut wurde, konnte die deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie beweisen: Wir können das auch! Mit indirektem Nutzen für mehrere involvierte Industriezweige.
    Sogar die DDR hätte von der von Zeiss/Jena für das “Saljut”-Programm entwickelten Multispektralkamera profitiert – wenn die UdSSR dem “kleinen Bruder” nicht kurzerhand eine Exportsperre verordnet hätte. Interesse an der Kamera gab es sogar aus den USA.

    Ich meine: den USA bleibt buchstäblich nicht anderes übrig, als weiterhin bemannte Raumfahrt zu betreiben, damit sie auch weiterhin als führenden High-Tech-Nation wahrgenommen werden.

  5. 7.01.2008 | 20:54

    Ich in meiner Eigenschaft als Captain Janeway finde das auch nicht eilig, mein Gesprächspartner Ijon Tichy konnte allerdings noch ein dringlicheres Projekt ausmachen als die Raumfahrt:

    http://events.ccc.de/congress/2007/Fahrplan/events/2276.en.html

  6. 7.01.2008 | 21:35

    Classless, es gibt Probleme, die lässt man besser ungelöst.

  7. 7.01.2008 | 22:11

    Lieber MartinM,

    ich stimme Ihnen in allem zu, bis auf die Einschätzung des chinesischen Programms.

    Wieviele Jahre es “zurück” ist, kann man kaum sagen – es wird ja nicht einfach die bisherige Entwicklung zeitversetzt wiederholt.

    Sondern zum einen sind unter den chinesischen Ingenieuren und Verantwortlichen viele, die in den USA studiert, teils sogar für die NASA gearbeitet haben und die den state of the art bestens beherrschen.

    Zum anderen kooperieren die Chinesen eng mit den Russen. Und zwar einmal, indem sie dort seit langem Technik einkaufen. Ihr Shuguang-Programm ist ja weitgehend eine Kopie des Soyuz-Raumschiffs, mit dem die Russen noch immer zur ISS fliegen. Und was den Mond angeht – zu dem wollen die Chinesen offenbar sogar mit den Russen gemeinsam fliegen.

    Herzlich, Zettel

  8. 7.01.2008 | 23:32

    Hm, Lösung? Habe ich was verpaßt?

  9. 8.01.2008 | 13:50

    Danke für das Feedback und für die Informationsquellen.

    @MartinM:

    Über den Bereich “Raumsonden und Forschungssatelliten” brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dass ist reine Grundlagenforschung.

    Das sehe ich nicht so: Stellen wir uns hier wirklich die Frage, was mit den in den Weltraum geschossenen Forschungsressourcen auf der Erde hätte gemacht werden können? Wer sagt, dass diese Forschungsfelder den Präferenzen aller Erdenbürger gerecht eingesetzt werden? Immerhin liegt die Budgetverwendung allein in den Händen von Bürokraten und Wissenschaftlern. Oder waren Weltraumprogramme schon einmal Wahlkampfthema? Ich kann in diesem Zusammenhang nur die Lektüre des Buches “The Economic Laws of Scientific Research” von Terence Kealey empfehlen. Hier auch ein interessanter Artikel des Autors, indem er auch das typische Ökonomenargument der positiven Externalitäten und des daraus resultierenden Marktversagens recht plausibel in Zweifel zieht:

    It’s a myth that science is a public good. Science is constructed in “invisible colleges”–small groups of people who understand each individual discipline. So the number of people who can really understand the scientific papers is few. To become a member of this club, you have to pay a very high entrance fee. [The late] Ed Mansfield, an economist at the University of Pennsylvania, showed empirically that the average cost to one company of copying the science of another company is 70 percent. But it’s worse than that because you’ve also got to pay for the costs of information. The company has got to have enough scientists out there to read the papers, to read the patents, to go to the conferences, so that you actually know what people are discovering, so you know how to copy it. Add that to the 70 percent, and add the premium you pay in the scientist’s salary for all the training he’s gone into, and the costs of copying and the costs of doing things originally come out exactly equal. That’s in Mansfield, and others have shown this as well.

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