Sechs fiese Fragen

Steven Landsburg, an dessem jüngsten wunderbarem Buch “More Sex is Safer Sex” Rayson offenbar schon seit Monaten knabbert, hat Al Gore und natürlich alle anderen Klimaschützer mit sechs Fragen gebeten einmal die Hosen runter zu lassen. Wie? Ganz einfach, er fragt einfach nach den Annahmen hinter ihren Horrorszenarien und Therapievorschlägen.

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16 Kommentare zu “Sechs fiese Fragen”

  1. 5.01.2008 | 9:45

    Safer. “Saver sex” wäre vielleicht Sex für besonders sparsame Menschen?

  2. 5.01.2008 | 10:13

    Es war spät gestern abend. ;-)

  3. Karl Moritz Tellerrand
    5.01.2008 | 10:51

    Sag mal, hast Du den Artikel überhaupt gelesen? Landsberg beendet ihn damit, dass er den Stern Review der Britischen Regierung als “most thoughtful assessment of climate change” bezeichnet und einräumt, das dieses Werk “generally compatible” mit Gores Ansichten ist. Er scheint Gore vor allem deshalb nicht zu mögen, weil er ihm nicht detailliert genug argumentiert (was allerdings auch weder sein Anspruch noch seine Aufgabe ist), nicht deshalb, weil er Unrecht hätte.

    Nebenbei bemerkt sind die Fragen auch ziemlicher Bullshit. Nummer eins ist nichts neues, Nummer zwei ist zugegebenermaßen bedenkenswert, aber wohl erst hinterher zu beantworten, und drei bis sechs variieren lediglich das Thema, dass es uns heute doch piepegal sein könne, wie zukünftige Generationen leben können, und das mit teilweise recht hanebüchenen Argumenten. Ich darf zitieren:

    If you expect economic growth to continue at the average annual rate of 2.3 percent, to which we’ve grown accustomed, then in 400 years, the average American will have an income of more than $1 million per day… Does it really make sense for you and me to sacrifice for the benefit of those future gazillionaires?

    Was für ein Quark.

  4. 5.01.2008 | 11:07

    Sicherlich hab ich den Artikel gelesen. Ich würde nicht so hart sein, weil er die Fragen ja nicht dir, sondern Leuten wie Al Gore stellt, denen derartige Überlegungen in der Regel fremd sind.

    Wieso ist das Zitat Quark? Es ist nichts anderes als eine Hochrechnung des gegenwärtigen Wirtschaftswachstums und eine berechtigte Frage. Im übrigen lese ich aus seinen Ausführungen zum Stern-Report nicht heraus, dass er mit dessen Ergebnissen übereinstimmt, sondern er es honoriert, sich endlich mal an den Annahmen abarbeiten zu können. Das ist nämlich sonst nicht üblich und schon gar nicht bei Al Gore und Konsorten. Was er und auch andere Ökonomen ja hinlänglich gemacht haben…

  5. Karl Moritz Tellerrand
    5.01.2008 | 12:20

    Ich möchte bezweifeln, dass diese Überlegungen Al Gore völlig fremd sind. Der gute Mann dürfte sich in seinem Leben auch schon viel Mist angehört haben. Er wird lediglich nicht mit der zentralen Anname Landsburgs übereinstimmen, dass man das Wohlergehen zukünftiger Generationen diskontieren darf. Und Landsburg räumt ja offen ein, dass das auch unter Ökonomen nicht gerade die Standardansicht ist.

    Dazu kommt auch noch, dass es ja auch schlicht und einfach nicht zielführend ist, beliebig differenziert zu argumentieren, wenn man eine Masse von Leuten überzeugen will. Ich nehme an, auch Al Gore weiß um die potenziell positiven Folgen des Klimawandels, aber aus rein strategischen Gründen wird er natürlich nicht ständig erzählen, wie schnell man auf der Nordwestpassage von London nach Tokio fahren kann oder dass man in Oklahoma mit Orangenanbau bald viel mehr wird verdienen können als mit Weizen. Das können seine Gegner schließlich auch, und die referieren dafür auch nicht jeden Punkt, in dem er unwidersprochen Recht hat.

    Das Zitat ist deswegen Quark, weil Landsburg hier etwas tut, wovor in jedem Fondsprospekt gewarnt wird: Er schließt von vergangener Performance auf zukünftige Erträge. Ebenso gut, wie es sein kann, dass in 400 Jahren alle Welt in einem Wohlstand lebt, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, ist es möglich, dass die Menschheit bis dahin aufgrund eines drastischen Klimawandels und damit verbundener Kriege und anderer Katastrophen wieder in der Steinzeit lebt. Oder gar nicht mehr da ist. Entscheiden werden das unter anderem wir, die wir heute auf diesem Planeten leben. Wenn man, wie Landsburg, eine Rechtfertigung für eine “Nach mir die Sintflut”-Attitüde findet, kann einem das natürlich wurscht sein, aber alle, die das nicht schaffen, werden gerne auf ein paar Prozent Wachstum verzichten, wenn sie dafür die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es eher in die eine als die andere Richtung geht. Auch wenn solche Überlegungen einfach nicht ins moralfreie Weltbild der Ökonomen passen wollen.

    Im übrigen geht es sowieso nicht um einen Konflikt zwischen uns und irgendwelchen völlig virtuellen Generationen in fernster Zukunft. Wer heute nicht schon deutlich über 50 ist, dürfte die Auswirkungen des Klimawandels noch im eigenen Leben deutlich zu spüren bekommen. Wenn man unter diesen Umständen mit Landsburgs Argumenten Maßnahmen gegen den Klimawandel ablehnt, dann dürfte man konsequenterweise auch nichts für die eigene Altersvorsorge auf die hohe Kante legen.

  6. 5.01.2008 | 12:59

    Man darf nicht diskontieren? Kollege Tellerrand, was meinst du was wir tagtäglich machen, wenn wir uns eine Zigarette anstecken oder schnell mit dem Auto fahren. Wir riskieren nicht nur unsere eigene Zukunft, sondern auch die unserer Kinder. Den Eltern die Tod oder verletzt sind können sich bestimmt nicht oder wesentlich weniger um ihre Nachkommen kümmern.

    Das Verschweigen von Nutzeffekten aus strategischen Gründen ist ja gerade eins der Probleme der Klimapoltik. Was den Menschen interessiert sind Nettonutzen, also eine nüchterne Abschätzung der Erwartungswerte von Schäden und Nutzen klimatischer Veränderungen. Wie rational soll denn eine politische Entscheidung sein, die um Unterstützung unter Vernachlässigung der zweiten Seite der Medaille buhlt. Für solche Spielchen halte ich mich zu alt und auch zu intelligent. Du kannst dich da gern einlullen lassen. Das stärkt ja bekanntlich auch das Gruppengefühl.

    Es gibt einen erheblichen Unterschied, ob man die kurzfristige Performance einer Aktie oder eines Aktienfonds als Maßstab seiner Finanzentscheidungen betrachtet oder das durchschnittliche Wirtschaftswachstums eines Jahrhunderts. Während erfolgreiche Aktienfonds tatsächlich Zufallstreffer aus einem Topf mit Gewinnern und (in den Glanzbrochüren nicht mehr sichtbaren) Nieten sind, ist das langjährige Wirtschaftswachstum ja gerade geprägt von den Auf und Abs der Gewinner und Verlierer. Hier wird also nichts unter den Tisch gekehrt. Was soll genau und vor allem voraussehbar geschehen, dass es bei dieser Rate nicht bleibt? Im Übrigen spricht er diese Frage ja an, wie sicher wir uns überhaupt sein können den Klimawandel aufgrund anderer Existenzrisiken überhaupt noch zu erleben.

    Landsburg spricht deutlich an, dass es nicht nur um wir heute oder die Zukunft Erwägungen geht, sondern um die intragenerationelle Fragen. Unsere heutigen Opfer an die Klimapoltik sind nämlich weltweit höchst ungleich verteilt und treffen vor allem arme Länder die gerade versuchen einen fossilen Wachstumspfad zu beschreiten, den ihnen die Klimapolitik vorenthalten will.

    Wir wollen hier nicht wild herumspekulieren, was man in Kürze vom Klimawandel zu erwarten hat. Dem aufmerksamen Beobachter der Klimaforschung wird nicht entgangen sein, dass viele der heutigen Szenarien auf Modellsimulationen und nicht auf realen empirischen Daten basieren. Wir befinden uns hier in einem Feld enormer wissenschaftlicher Unsicherheit, ja Unsicherheit (Wahrscheinlichkeitsangaben im IPCC-Bericht beruhen auf Expertenmeinungen, haben also nicht im geringsten etwas mit dem üblichen Risikobegriff zu tun, auch wenn manche das nicht so sehen wollen), die man je nach persönlicher Herangehensweise emotional unterschiedlich verarbeiten kann. Eine allgemeine Handlungsregel lässt sich daraus m.E. nicht ableiten. Insofern bin ich mir abzüglich des statistischen Risikos das Rentenalter aufgrund Unfall oder Krankheit nicht zu erreichen ziemlich sicher, dass ich einmal eine Altersvorsorge in Anspruch nehmen werde. Wer aus dem gegenwärtigen Stand der Forschung eine derartige Sicherheit für individuelle Klimaschäden propagiert hat wohl zu viele Märchenbücher gelesen.

  7. Karl Moritz Tellerrand
    5.01.2008 | 15:32

    Man darf nicht diskontieren? Kollege Tellerrand, was meinst du was wir tagtäglich machen, wenn wir uns eine Zigarette anstecken oder schnell mit dem Auto fahren.

    Es wird allerdings auch überall gesagt, dass man lieber nicht rauchen oder rasen sollte. Dass dabei jemand innerlich sein zukünftiges Wohlergehen diskontiert, und sei es nur unbewusst und überschlagsmäßig, halte ich außerdem für eine arg weltfremde Vorstellung. Und dann ist das auch eine Entscheidung, die man getrost jedem selbst überlassen kann. Die Zukunft des ganzen Planeten aufs Spiel zu setzen, weil man zu naiv ist, um die Risiken zu sehen und zu bequem, um seine Lebensweise zu ändern, das ist eine ganz andere Liga.

    Was soll genau und vor allem voraussehbar geschehen, dass es bei dieser Rate nicht bleibt? Im Übrigen spricht er diese Frage ja an, wie sicher wir uns überhaupt sein können den Klimawandel aufgrund anderer Existenzrisiken überhaupt noch zu erleben.

    Soso, es ist also gut möglich, dass wir von einem Asteroiden getroffen werden, so dass es gar keine Wirtschaft mehr gibt, aber dass der Klimawandel das Wirtschaftswachstum beeinflusst, ist nicht vorstellbar. Entweder wir werden alle sterben, oder für immer 2,3%.

    Es fällt mir fast schwer, dagegen zu noch argumentieren, weil es so offensichtlicher Unsinn ist. Wo kommt die Zahl überhaupt her? Wieviele Jahrhunderte sind da mit eingerechnet? Arbeiten wir hier mit verlässlichen Daten (die es vielleicht seit 200 Jahren gibt) oder mit Schätzungen von Wirtschaftshistorikern? Gilt diese Rate für die ganze Welt, oder nur für die Handvoll Länder, für die es verlässliche Daten gibt? Wenn sie für die ganze Welt gilt, wiederum: Wer hat das abgeschätzt? Und mit welchen Methoden? Und wie erklärt man, dass es Hochkulturen mit tausendjähriger Geschichte gegeben hat, die ganz bestimmt kein durchschnittliches Wachstum von 2,3% gehabt haben. Die haben wohl alle nur Pech gehabt, und das ganze mittelt sich aus mit anderen Leuten, die auf der anderen Seite der Welt 4,6% hatten? Aber woher nimmt man dann das Recht, für einen ganz bestimmten, kürzeren Zeitraum 2,3% durchschnittliches Wachstum einfach vorauszusetzen?

    Ich bleibe dabei. Die ganze Aussage ist kompletter Unfug. Landsburg scheint mir das auch mit einem gewissen Augenzwinkern geschrieben zu haben, als originelles, provokatives Gedankenexperiment. Aber Du scheinst das ja wirklich wörtlich zu glauben. Das verblüfft mich.

    Unsere heutigen Opfer an die Klimapoltik sind nämlich weltweit höchst ungleich verteilt und treffen vor allem arme Länder die gerade versuchen einen fossilen Wachstumspfad zu beschreiten, den ihnen die Klimapolitik vorenthalten will.

    Was genau ist eigentlich Dein Vorschlag? Oder hilfsweise der von Mr. Landsburg? Wir erlauben den Chinesen und Afrikanern, unser ganzes Ökosystem zu vernichten, weil es so einfach irgendwie gerechter ist?

    Diese ganze Debatte ist überhaupt nur dann wert, geführt zu werden, wenn man die Klimaproblematik als vernachlässigenswert betrachtet. Wenn man sicher ist, dass entweder nichts oder bloß sehr wenig oder jedenfalls mehr Gutes als Schlechtes passieren wird. Dann kann man sich leisten, darüber nachzudenken, wer genau wieviel dagegen tun muss, aus Gründen der historischen Gerechtigkeit, oder ob man es vielleicht doch lieber ganz bleiben lässt. Diese Sicherheit haben wir aber nicht, denn:

    Wir befinden uns hier in einem Feld enormer wissenschaftlicher Unsicherheit, ja Unsicherheit

    Genau: Unsicherheit. Interessanterweise ist es aber so, dass die unsicheren Modelle nicht zwischen “geringe Veränderungen” und “positive Auswirkungen” schwanken, sondern zwischen “leicht negative Auswirkungen” und “katastrophale Veränderungen”. Vielleicht betrachtest Du das alles als von sensationsgeilen Medien aufgebauschte Wichtigtuerei geltungssüchtiger Wissenschaftler; falls nicht, dann solltest Du zumindest anerkennen, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich der worst case eintreten kann.

    Und dann lassen sich daraus sehr wohl Handlungsregeln ableiten. Kann sein, dass wir versehentlich zu viele Opfer zugunsten unserer Zukunft bringen; aber das ist immer noch besser als hinterher festzustellen, dass man zuwenig getan hat und die Katastrophe jetzt da ist.

  8. David
    5.01.2008 | 16:56

    Es sei darauf hingewiesen, dass die Szenarien bezüglich des zu erwartenden Klimawandels der IPCC alle auf optimistischen Wachstumsannahmen für das nächste Jahrhundert in etwa der Größenordnung wie von Landsberg erwähnt basieren. Man kann meiner Meinung nach trefflich drüber streiten, ob das realistisch ist, aber sollte nicht aus dem Auge verlieren, dass niedrigeres Wachstum auch niedrigere Treibhausgasemissionen bedeutet. Wer der Meinung ist, dass es “Quatsch” ist so zu diskontieren, als ob wir konstant mit 2% weiterwachsen, muss konsistenterweise auch seine Prognose bezüglich des zu ewartenden Klimawandels nach unten korrigieren.

  9. 5.01.2008 | 20:21

    Wer verwendet hier meinen Namen? Das ist strengstens untersagt!

  10. Duvad
    5.01.2008 | 23:26

    Der spannende Punkt ist doch die Frage, welche Maßnahmen überhaupt geeignet und ökonomisch effizient sind, den Klimawandel zu bremsen oder sogar zu stoppen. Liberale können mit SOZI-Antworten auf diese Frage wenig anfangen, schon allein deshalb, weil die sozialdemokratischen Antworten ineffizient und oft auch noch besonders unfreiheitlich sind. Ineffizienz ist zu kritisieren. Die Attitüde, vergleichbar vom Stil her mit Kreationisten, den Klimawandel mit Pseudoargumenten zu verleugnen, ist wirklich liberaler Denkungsart eher abträglich. Wer soll das ernst nehmen? Zumal, die seriöse wissenschaftliche Diskussion ist hier im Prinzip gelaufen. Offen, und zwar sehr offen ist hingegen die Frage, welche Maßnahmen effizient und sinnvoll sind. Die meisten vorgeschlagenen Maßnahmen halte ich für Mist und/oder für etatistisch bis grausam.

    Ich könnte mir vorstellen, nur mal in den Wind gesprochen und mehr geraten als gewusst, daß das Stoppen der Abholzung der Regenwälder mehr Effekte bringt als beispielsweise Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit, oder diese merkwürdigen Umweltzertifikate, oder eine CO2-Steuer oder Selbstverpflichtungen der Industriestaaten. Das Stoppen der Wüstungsbildungsprozesse in Afrika könnte ebenfalls sehr bedeutsam sein.

  11. 5.01.2008 | 23:35

    ausgezeichnet

  12. David A.
    6.01.2008 | 12:32

    Also, ich bin der David, von dem der Hinweis auf die IPCC Szenarien kam. Duvad ist noch mal jemand anders.

    Aber zu seinem Kommentar: Mit der Ansicht, dass Effizienz wichtig ist, stimme ich vollkommen überein. Sich dann Einzelprojekte a la Regenwald oder Verwüstung zu suchen, steht dem allerdings diametral entgegen. Es dürfte doch inzwischen Allgemeingut sein, dass der Staat (oder auch Du) eben gerade nicht die nötigen Informationen hat, um zu beurteilen, welche einzelnen Projekte effizient und welche nicht effizient sind. So eine command and control Ansatz gehört in die gleiche Kategorie, wie alle Glühbirnen zu verbieten.

    Ein Blick in eine Einführung in die VWL würde Dir auch zeigen, dass eine CO2 Steuer oder ein Zertifikathandel genau die zwei Instrumente sind, welche die Forderung nach Effizienz erfüllen. All das ist seit über 100 Jahren in der Ökonomie vollkommen akzeptiert.

  13. 6.01.2008 | 12:43

    David A.,

    über die Angabe (einer) Deiner Email-Adressen würden wir uns freuen. Ich vermute, dass dann Deine Meinungen auch nicht mehr in der Moderation landen würden, sondern gleich hier erscheinen würden. TIA!

  14. 6.01.2008 | 12:55

    @Tellerrand:

    Die 2,3 % Wachstumsrate ist wahrscheinlich die durchschnittliche Wachstumsrate der USA der vergangenen knapp 100 Jahre für die es dort eine Wirtschaftsstatistik gibt. Diese Zahl ist allgemein anerkannt und berücksichtigt sowohl die Weltwirtschaftskrise als auch die boomenden 90iger Jahre. Also sie ist mit Sicherheit nicht aus der Luft gegriffen.

    Wenn wir uns im bereich von Unsicherheiten befinden, dann kann man keine Wahrscheinlichkeiten angeben, dass macht nun einmal die Unsicherheit aus. Mein Eintritt ins Rentenalter lässt sich zumindest statistisch voraussagen. Das ist der Unterschied.

  15. Karl Moritz Tellerrand
    6.01.2008 | 15:36

    Ich habe nicht behauptet, dass die Zahl aus der Luft gegriffen wäre. Aber wenn sie tatsächlich so zustandegekommen ist, wie Du schreibst, ist sie jedenfalls keine geeignete Grundlage für eine Voraussage über 400 Jahre.

    Deinen Standpunkt zum Thema “Unsicherheiten” kann ich noch immer nicht nachvollziehen. Nach allem, was Du hier geschrieben hast, würde ich Deine Ansicht so zusammenfassen: Bei der Rente kannst Du dank statistischer Wahrscheinlichkeitsdaten Dein Risiko relativ exakt quantifizieren, deshalb sorgst Du hier vor. Beim Klimawandel gibt’s keine Wahrscheinlichkeitsdaten, folglich ist keine sinnvolle Risikokalkulation möglich – also sorgst Du nicht vor?!

    Der Denkfehler ist doch offensichtlich: Nur weil Du es nicht berechnen kannst, verschwindet das Risiko ja nicht einfach. Es ist nicht sinnvoll, ein nicht genau quantifizierbares Risiko einfach zu ignorieren; die natürliche und vernünftige Vorgehensweise ist stattdessen immer eine Risikoabschätzung, und sei sie noch so notdürftig. Der von Dir bevorzugten Handlungsoption (nichts tun) liegt die Einschätzung zu Grunde, dass das Risiko vernachlässigbar ist. Das ist in Deinem Fall Dein Privatvergnügen, aber man kann doch nicht ernsthaft fordern, dass sich die Politik eine solche Einschätzung zu eigen macht, vor allem, wenn die Mehrzahl der Experten sie ganz und gar nicht teilt.

  16. 6.01.2008 | 16:41

    Ich halte die Annahme dieser Wachstumsrate für die nächsten 400 Jahre nicht für unvernünftiger als die anderen Annahmen die im Klimaforschungsrummel gemacht werden. Zudem hat einer der Kommentatoren ja bereits darauf hingewiesen, dass die Katastrophenszenarien auf noch wesentlich optimistischeren BIP-Prognosen basieren. YWenn du also Landsburg Unredlichkeit vorwirfst, musst du das selbe auch den Machern der Klimamodelle vorwerfen.

    Richtig, es ist keine Risikokalkulation möglich. Man kann davon ausgehen, dass eine Gesellschaft die so reich ist wie es die Klimamodelle annehmen sicherlich besser mit eventuellen Schäden umgehen kann wie wir es heute könnten. Deshalb ist es nicht mit einem Handstreich zu begründen, dass wir in unserer Gegenwart ein sicheres Opfer für unsichere Vorteile in der Zukunft opfern. Und du hast recht, ich bin nicht halb so überzeugt wie du, dass wir den Stand der heutigen Klimaforschung zum Massstab unseres Handels machen sollten. Zumal Vermeidungsmaßnahmen nur eine Art des Umgangs mit dem Problem sind. Anpassungsmassnahmen helfen nämlich immer, auch wenn Naturkatastrophen letztlich nur das sind, was sie sind, eben Naturkatastrophen und nicht Menschenhandwerk.

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