Größer Null

Nun gut, ich bin Mitglied einer Partei. Allerdings nicht, um mir eine Anwendung für meinen Kadavergehorsam zu suchen, sondern weil ich dort die größte Schnittmenge mit meinen eigenen Überzeugungen sah.

Aber es handelt sich dort dennoch um eine real existierende Partei. Eine, die nach den Regeln des Systems spielt. So ist der Vorstoß eines Ex-Parteivorsitzenden inhaltlich völlig irrelevant. Jedenfalls, so lange er sich an dem orientiert, was diese Partei vor allem ausmacht.

Ich weiß jetzt nicht, warum man in dieser unserer Welt vor dieser Herrschaft zu kapitulieren hätte. Wer braucht was?

Ähnliche Beiträge


15 Kommentare zu “Größer Null”

  1. 4.01.2008 | 2:05

    Was sind die “Regeln des Systems”, welche Herrschaft sprichst Du an?

    Interessant übrigens, dass die FDP in die Schlagzeilen kommt, wenn auch nur in Ansätzen ein persönlicher Konflikt in Aussicht steht oder stehen könnte. Das sollte man sich merken, wenn es darum geht ein inhaltliches Programm im Vorfeld zu vermarkten.

  2. 4.01.2008 | 7:46

    Ich frage mich, welcher Hafer den Gerhardt gestochen hat so etwas anzubringen.

    Ausgerechnet er: ein tüchtiger Mensch aber ein Langeweiler, der die FDP in seiner Zeit auch nicht “rübergebracht” hat – womit ich sein Verdienst, die FDP zumindest erhalten zu haben nicht schmälern möchte.

  3. apex
    4.01.2008 | 8:27

    Ich würde das mal als ein Mutmachen für bestimmte Personen und Gruppen im Vorfeld des Dreikönigstreffens sehen. Und das ist genau seine Aufgabe als “Elder” und Gegenpol zu Westerwelle. Was er damals selbst gemacht oder nicht gemacht hat spielt dafür keine Rolle, er will ja nicht selber nochmal ran …

    apex

  4. DDH
    4.01.2008 | 11:56

    In sogenannten “demokratischen” Parteien mutiert der Kadavergehorsam zum Palavergehorsam. Man läßt auch keine Köpfe rollen, man macht sie überflüssig.

  5. DDH
    4.01.2008 | 11:59

    P.S.: Das Verdienst, die FDP vor der Grablegung wiederzubeleben, die bereits die Sterbesakramente empfangen hatte, kommt Möllemann (präziser: Fritz Goergen) zu, nicht Guido!

  6. 4.01.2008 | 15:05

    >Das Verdienst, die FDP vor der
    >Grablegung wiederzubeleben, die
    >bereits die Sterbesakramente
    >empfangen hatte, kommt Möllemann
    >(präziser: Fritz Goergen) zu,
    >nicht Guido!
    –> Möllemann, der alte Herostrat war einer derjenigen, der mit dafür gesorgt hat, dass die FDP in die Nähe des Grabes gewankt ist. Seine Verdienste hat er mit seinen Schwächen mehr als ausgeglichen.

  7. 4.01.2008 | 16:42

    @Dirk

    Ich meine natürlich die Logik der Parteipolitik, die auch von den Medien immer wieder befördert wird. Taktik statt Inhalte.

    Es ist übrigens ganz interessant zu beobachten, wie gewisse Kreise sich jetzt auf Westerwelle einschießen, weil sie ihn als Haupthindernis einer Ampelkoalition betrachten.

  8. Lina
    5.01.2008 | 8:28

    @ Rayson

    “Ich meine natürlich die Logik der Parteipolitik, die auch von den Medien immer wieder befördert wird. Taktik statt Inhalte.”

    Genau das, Rayson, ist seit Jahren mein Problem im Bezug auf Politik und Presse. Was glaubst Du, wer die eigentlichen Verursacher dafür sind, dass Politik nur noch als Taktik wahrgenommen wird? Sind es die Parteien selbst, deren Option auf Bedeutung sich inzwischen darin erschöpft, wie sie PR-mässig am besten über die Runden kommen, sie also beständig an ihrer Taktik feilen (und das nicht selten auch öffentlich verlautbaren!), oder sind es die Medien, die bewusst nur noch Taktisches berichten und bewerten wollen und Inhalte unter den Tisch fallen lassen.

    Seit Jahren frage ich mich, warum es mich interessieren soll, wie und auf welchem Weg die Politiker zu ihren Inhalten gekommen sind und wie sie sie darstellen, anstatt dass mir deren Gehalt näher gebracht wird, ich also in der Sache informiert werde. Seit Jahren frage ich mich deshalb auch, wer die Schuld an dieser kolossalen Verdrossenheit trägt, die sie mir damit eingebrockt haben.

    Weil Du das Thema angeschnitten hast, frage ich Dich: Wer von beiden ist es ursächlich gewesen, wer hat damit angefangen?

  9. stefanolix
    5.01.2008 | 9:11

    Politik und Medien sind einfach viel zu sehr miteinander verquickt. Klar denkende Politiker und klar denkende Journalisten sind so stark in das System eingebunden, dass sie sich nicht sehr viel erlauben können.

    Ich habe seit dieser Woche endlich mein eigenes Exemplar des “Bastiat-Breviers” in der Hand. Und ich frage mich seitdem verzweifelt, warum wir in all den tollen Qualitätszeitungen nicht einen Journalisten sitzen haben, der genauso klar und deutlich die offensichtlichen und verdeckten Folgen der Politik beschreibt.

    Um es an einem aktuellen Beispiel zu zeigen: Unsere Lokalzeitung hat es dann doch geschafft, ein Interview mit Hans-Werner Sinn abzudrucken. Aber auch dieses Interview bleibt an der Oberfläche. Dass eine immer stärkere staatliche Regulierung des Arbeitsmarkts zu steigender Arbeitslosigkeit führen kann, werden seine Gegner als kalt-neoliberale Propaganda abtun. Um zu zeigen, dass die Maßnahmen und Pläne der Großen Sozialdemokratischen Koalition zu immer weniger Markt- und immer mehr Planwirtschaft führen werden, bräuchte es einen Bastiat. Oder vielleicht auch nur Journalisten, die die richtigen Fragen stellen?

  10. 5.01.2008 | 9:52

    Lina,

    Weil Du das Thema angeschnitten hast, frage ich Dich: Wer von beiden ist es ursächlich gewesen, wer hat damit angefangen?

    Ich bin zwar nicht Rayson (obwohl mich diesbezüglich manchmal Zweifel befallen), und ich kann Deine Frage auch nicht historisch beantworten. Was ich aber kann, ist, Dir aus meiner praktischen Mitarbeit aus drei Parteien meinen Eindruck zu vermitteln:

    1.) Wenn man mit politischer Arbeit an der Basis beginnt, darf man erstmal machen, was man will. Eine Einweisung bzw. ein Coaching findet nicht statt, weder in Bezug auf Umgang mit den Medien, noch in Bezug auf Umgang mit den Wählern. Insbesondere gibt es keine Lehrgänge in Strategie, Taktik und Rhetorik.

    2.) Wenn man irgendwann durch seine große Klappe auffällt, kann es sein, dass man von den alten Hasen ein paar Tipps bekommt; dass jemand gezielt aufgebaut und geschult wird, passiert erst, wenn sich bei der betreffenden Person bereits klar gezeigt hat, dass sie “Potential” hat.

    Da aber der Kontakt zu den Medien sehr viel früher stattfindet als eine wie auch immer geartete, von der Partei (d.h. von oben) gesteuerte Ausrichtung, wie mit den Medien umzugehen sei, macht man so seine Erfahrungen mit den Medien-Vertretern. Und lernt daraus.

    Die erste Entscheidung, die man zu fällen hat, lautet: Will ich überhaupt in die Medien? Wenn die Antwort NEIN lautet, dann hat man in Wahlkampfzeiten ein Problem. Dann müsste man sich ausgerechnet dann von Parteiveranstaltungen fernhalten, wenn einen die Partei am meisten braucht. Und sich auf Versammlungen zurückzuhalten, während jeder Hans und Franz irgendeinen Stuss in die dargeboteten Mikrofone plärren darf, ist auch nicht jedermanns oder -fraus Sache (*hüstel*)

    Wenn die Antwort JA, WARUM NICHT? lautet, dann muss man für sich die Frage beantworten: Was will ich mit meinen Medienauftritten erreichen? Will ich der Partei dienen? Will ich auffallen auf Teufel-komm-raus? Will ich mich profilieren? Will ich ohne Schere im Kopf meine Meinung darstellen, weil ich meine Ansichten für einzigartig halte? Oder will ich nur meiner weit entfernten Oma einen Gruß zukommen lassen?

    Ich habe mich damals, als ich noch idealistisch und naiv war, dafür entschieden, meine Meinung ungeschminkt zum Besten zu geben (dass ich meine Meinungen immer für einzigartig halte, versteht sich von selbst; daran hat sich auch nichts geändert).

    Was ich daraufhin mit den Medien (und zwar mit Fernsehen, Zeitungen und Radio) erlebt habe, war folgendes:

    Ich habe persönlich noch keinen neugierigen Journalisten erlebt, der ohne vorgefertigte Meinung und ohne, dass er seinen Artikel bzw. Beitrag schon im Kopf gehabt hätte, in ein Interview gegangen wäre. Das hat zur Folge, dass die Interview-Äußerungen dann übernommen werden, wenn sie zu dem passen, was der Journalist sich vorgestellt hatte. Wenn sie das nicht tun, fallen sie unter den Tisch. Problematisch wird es, wenn die Äusserungen teilweise dem entsprechen, was der Journalist hören wollte. Dann wird nämlich die Äusserung teilweise gesendet.

    Beispiel: Es gibt einen innerparteilichen Konflikt zwischen Kandidat A und Kandidat B. Ich sage jeweils etwas Positives und etwas Negatives zu beiden Kandidaten. Gesendet wird nur das Positive, das ich über Kandidat A gesagt habe.

    Sowas passiert Dir einmal; beim zweiten Mal gibt es drei Möglichkeiten: 1.) Du sagst gar nichts mehr. 2.) Du beschränkst Dich auf die Aussage, die Dir am wichtigsten ist oder 3.) Du fängst an, mit dem Journalisten einen Deal auszuhandeln.

    Alle drei Vorgehensweisen haben gravierende Nachteile, die “den” Politikern (und zwar von ALLEN Parteien) hernach von den Leuten vorgeworfen werden, die das Ganze verursacht haben. Und die Bürger sind auf die Politiker sauer, nicht auf die Journalisten.

    (Dass mein Fazit kurz gesagt lautet, dass die Medien schuld sind, wird Dich aufgrund der Kenntnis meiner sonstigen Meinungen nicht überraschen. ;-) )

  11. Lina
    5.01.2008 | 10:01

    @ stefanolix

    “Oder vielleicht auch nur Journalisten, die die richtigen Fragen stellen?”

    Und warum tun sie es nicht? Weil sie wie die Politiker selbst polarisieren, die Fronten stabil halten wollen? Oft frage ich mich auch, ob wir es nicht selbst sind, die nichts mehr davon wissen wollen, was uns als vernüftige “Politik” verkauft werden soll, und die Presse nur noch den Zuträger für die Missgelauntheiten der Mehrheiten gibt, nur noch exerziert, was diese hören wollen. Marktstrategisch gesehen – was noch erschwerend hinzukommt.

    “Politik und Medien sind einfach viel zu sehr miteinander verquickt.”

    Ja, das sind sie. Man könnte sogar meinen, die Medien machen bereits die Politik – so gross ist deren oft unqualifizierter, oft verantwortungsloser, aber auf breiteste Wirkung bauender Einsatz.

  12. Lina
    5.01.2008 | 10:38

    @ Marian,

    das war ein fulminantes Lehrstück in Sachen Wechselwirkung Politik & Medien, das Du hier geschrieben hast!

    Wie das im Detail zwischen den beteiligten “Parteien” läuft, war mir in Abfolge und Komplexität so nicht bewusst, geahnt habe ich es aber schon – “dass es die Medien sind”. Nein, Dein Fazit überrascht mich nicht. Die Haltung des Politikers zu ihnen ist also verantwortlich dafür, was an Inhalten beim Wähler ankommt.

    Ein Zusatzeffekt Deiner Rede: Dass Du die Zusammenhänge so klar darstellen kannst – und auch willst, zeichnet Dich unter anderem als einen wählbaren Politiker aus ;-) , und das ist viel…

    Danke, Marian.

  13. 5.01.2008 | 11:10

    Lina,

    bitte gerne geschehen. Da das oben Gesagte aber a.) nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergeben soll und b.) nur die Partei-Basis betrifft, hier noch die Ebene, auf der dann sich dann die Politiker und die Medien die Verantwortung teilen:

    Parteimitglieder, die einen gewissen Einfluss erreicht haben, machen sich natürlich irgendwann Gedanken, wie sie die Medien gezielt für ihre Zwecke einsetzen können. Sie lernen zumindest Grundzüge der Rhetorik, sie lernen, wie man Netzwerke bildet, sie lernen, an welches Medium sie sich wie wenden müssen, um eine Botschaft zu transportieren. Falls sie aber ähnliche Erfahrungen zu Beginn gemacht haben wie ich, dann werden sie sich sagen: “Die Journalisten schreiben eh’ nicht das, was ich sage. Dann sollen sie wenigstens irgendwas schreiben, was mir nützlich ist.” Das Edelste, was dabei herauskommt, sind dann “Home-Stories” mit Gattin und Kinderschar im Vorgarten (die Geliebte in Berlin ist dann unter der Woche wieder verfügbar; von der gibt es natürlich auch schon Fotos; die werden aber erst veröffentlicht, wenn der Politiker bei den Medien oder bei seiner Partei in Ungnade gefallen ist).

    Und noch was zu den Journalisten: Mir ist durchaus bewusst, dass sich Journalisten in diversen Spannungsfeldern zwischen Redaktion/Chefredakteur/Verlagshaus, Politik, Lobbyisten, eigener politischer Ausrichtung und Leser/Öffentlichkeit befinden. Ich finde es auch nicht grundsätzlich verwerflich, wenn sich Journalisten oder ihre Arbeitgeber klar für eine Gruppe, der sie dienen wollen, entscheiden, um die Spannung aufzulösen. Zwei Umstände machen mir in diesem Zusammenhang allerdings Kopfschmerzen: 1.) Dass der einfache Bürger das nicht mitbekommt, weil es an Transparenz fehlt (Warum fehlt es an Transparenz? Weil diese nur von den betroffenen Journalisten selbst hergestellt werden kann.) und 2.) Dass Medienvertreter diese Spannungsfelder regelmäßig leugnen und sich für objektiv erklären.

    Ich bin zum Beispiel Marc Wickel dafür dankbar, dass er hier und in seinem eigenen Blog die unterschiedlichen Interessenlagen immer mal wieder darstellt und erläutert, warum ein bestimmtes Thema einseitig oder verkürzt in den Medien auftaucht (und warum das ggf. nicht die Schuld der Journalisten ist).

    Außerdem sollte man bedenken, dass beide Seiten (Journalisten und Politiker) gebrannte Kinder sind im Umgang mit den jeweils anderen sind. Und gebrannte Kinder scheuen leider das Feuer auch dann, wenn es im Einzelfall mal gerechtfertigt wäre, dem jeweils anderen mit Vertrauen zu begegnen.

    So, das war jetzt hoffentlich so ausgewogen, dass überhaupt nicht mehr klar wird, was ich eigentlich sagen wollte ;-) .

  14. Lina
    5.01.2008 | 11:37

    @ Marian,

    doch, es ist völlig klar geworden, was Du sagen wolltest; es war praktisch die Unterfütterung der aufgestellter Thesen von zuvor. Oder anders: das Bild ist jetzt noch dichter geworden.

    Wesentlich erscheint auch mir, was Dir Kopfschmerzen bereitet: “Dass der einfache Bürger das nicht mitbekommt, weil es an Transparenz fehlt. Warum fehlt es an Transparenz? Weil diese nur von den betroffenen Journalisten selbst hergestellt werden kann.”

    Eben. Und dass sie es nicht tun (können oder wollen), obwohl sie es als ihre ureigene Aufgabe erkennen sollten, macht sie mir so suspekt. Schade auch, dass Presseschelte vonseiten der Politik – sollte sie das überhaupt einmal wagen – gleich an den Grundfesten der Demokratie rütteln soll; wie albern. – Ach, wie sehr wünsche ich mir geklärte Verhältnisse zwischen den Lagern – des einfachen Durchblicks wegen :-) !

  15. DDH
    5.01.2008 | 17:44

    Es ist übrigens ganz interessant zu beobachten, wie gewisse Kreise sich jetzt auf Westerwelle einschießen, weil sie ihn als Haupthindernis einer Ampelkoalition betrachten.

    Manchmal beobachtet er wirklich gut, der Rayson!

Bad Behavior has blocked 1044 access attempts in the last 7 days.