Lieber Dalai Lama,

gerade lese ich in dem Interview, dass Du dem Cicero gegeben hast:

Die Reaktionen der chinesischen Behörden sind immer dieselben. Das ist zur Gewohnheit geworden, für gewöhnlich folgen diesen Protesten keine weiteren Konsequenzen. Was soll ich dazu sagen? Ich bedauere, dass durch diese Besuche den Menschen, die mich einladen, Unannehmlichkeiten entstehen, dass sie in Verlegenheit gebracht werden.

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Unterricht ist gelegentlich möglich

35 Jahre lang war Wolfgang Schenk Hauptschullehrer in Berlin: Ein Idealist packt aus. Protokolliert von Ulrich Schulte , die tageszeitung.

Alles nicht neu, aber solche Artikel können gar nicht oft genug erscheinen. Meinetwegen täglich.

Erschüttert hat mich nur, dass Politik und Verwaltung erst durch Pisa gemerkt haben, was an deutschen Schulen eigentlich los ist. Die Lösungen, mit denen die Bürokratie inzwischen reagiert hat, erinnern mich an die DDR-Planwirtschaft: Zentralabitur und Prüfungen wie der mittlere Schulabschluss sollen Schüler vergleichbar machen und zugleich das Niveau aller heben. Welch absurde Vorstellung!

Die Verwaltung bürdet den Kollegien damit Lasten auf, die wenig pädagogischen Nutzen haben. Für den mittleren Schulabschluss bereiten wir die Kinder vor, stellen Prüfungskommissionen zusammen und bewerten tagelang. Diese Zeit fehlt dann für pädagogische Arbeit. Oder: Wir legen detaillierte Förderpläne für die Eltern auffälliger Schüler an, obwohl wir genau wissen, dass der Alkoholikervater den Zettel ungelesen in die Tonne wirft. Alles nur, damit Politik und Verwaltung sagen können: Seht her, wir handeln! Ein trauriges und verantwortungsloses Spiel.

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Ich mach mir die Welt… wiki-wiki-wie sie mir gefällt

Nach der großen Internetkritik, die in den letzten Wochen in der Süddeutschen, der FAZ und im Tagesspiegel entbrannte, stellt sich doch die Frage, wer bei der folgenden Geschichte schlechter darsteht: Die Unfug verzapfende Wikipedia oder die schlecht recherchierenden Journalisten und Redenschreiber des Bundeshorsts?

Wer die richtige Antwort kennt, der kann ein Kaffeeservice und ein Bügelbrett gewinnen.

[Nachtrag: Bernd Graff von der SZ nimmt es offenbar auch nicht so genau mit der Recherche darüber, wen er sich das als Chefankläger gegen das "Web 0.0" ins Boot holt.]

Pressemeldung aus dem Jahr 2037

Berlin (dehpehah). Die SPD-Parteichefin Drohsel forderte heute vor Journalisten erneut eine Verfassungsänderung. Der inzwischen 235-seitige Anhang mit den Personengruppen, deren Rechte vom Grundgesetz geschützt werden, müsse endlich um die Gruppe der rothaarigen Frauen unter 165cm Körpergröße erweitert werden. Ihr sei unverständlich, so die Politikerin, wie die Gesellschaft diesen Menschen ihre grundlegenden Rechte so lange habe verweigern können.

Leseempfehlung: Nie mehr Ziegen quälen

Ein Rückblick auf ein Jahr der Verbote von Harald Martenstein bei der ZEIT.

Ein Tag im Kundencenter einer deutschen Krankenkasse

Dokumentiert von Sibylle Herbert in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Die Reportage endet so:

[Die Kundenberater] müssen gute Miene zum bösen Spiel machen. Sie müssen sich das Gemecker anhören und gleichzeitig die gesetzlichen Regelungen durchsetzen. Die Kundenberaterin Susanne Schmalen wünscht sich, dass diejenigen, die für diese Regelungen verantwortlich sind, sie den Versicherten einmal selbst erklären müssten. »Die Ulla Schmidt, die hätte ich ganz gerne einmal einen Tag hier.«

Alte Feindschaft, neu aufgelegt

Viele werden sagen, das sei Alarmismus und völlig übertrieben. (Das sagen “viele” immer, egal, ob das Übertriebene dann plötzlich Wirklichkeit wird.) Aber klingt aus den Verlautbarungen der Sozialdemokraten langsam nicht wieder die von Totalitären bekannte Feindschaft gegen Vernunft und Wissenschaft durch?

Ich will keineswegs behaupten, die SPD wäre eine totalitäre Partei oder verfolgte bewusst das Ziel, eine totalitäre Herrschaft zu errichten. Aber mir wird recht ungemütlich zu Mute, wenn ich einen Arbeitsminister Scholz von “professoralem Unsinn” schwätzen höre. Was mich an Gazpromi Schröder erinnert, der abschätzend über “diesen Professor aus Heidelberg” herzog.

Hier scheint die Politik des Bauches, des Gefühls, der Emotionen mal wieder aufzutrumpfen. Und die Scheu abgelegt zu haben, die sie vor kurzem dann doch noch vor Wissenschaft und Vernunft gehabt hatte.

Vor 170 Jahren: Die Göttinger Sieben und der Sieg der Restauration

oder: Liberale mit cojones

Das Deutschlandradio erinnert mit einem kleinen, feinen Beitrag an einen Meilenstein des deutschen Liberalismus:

Dem König die Stirn geboten. Vor 170 Jahren verloren die Göttinger Sieben ihre Professuren

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Moses, hilf!

Also, wenn das hier nicht nur eine Spinnerei bleiben, sondern tatsächlich verbreitete Realität werden sollte, dann wünscht man sich auch als weniger religiöser Mensch doch einen Moses, der vom Berg steigt und die Götzen zerschlägt…

Godwins Law

Braucht es denn noch mehr als das, um den letzten Friedensnobelpreis als Peinlichkeit zu empfinden?
Und dass sich die eigenen Zweifel an dem verstärken, was dieser Wanderprediger uns verkaufen will?

via Der Lindwurm

Schade

… dass die FDP damit gescheitert ist.
Aber selbst in solchen unsinnigen Dingen ist die Mehrheit in diesem Lande wohl eben besitzstandswahrend.

Wer ist hier der Boss?

Ohne jegliche Insiderkenntnisse und ohne auch nur alles, was die Presse dazu schreibt, gelesen zu haben, stelle ich doch eine Frage zur derzeitigen Schwierigkeit, einen neuen Chef für den “SPIEGEL” zu bekommen:

Wer möchte schon eine derartige Aufgabe übernehmen, wenn ihn zwar alle Außenstehenden als Chef sehen und Entscheidungen von ihm erwarten, er aber gleichzeitig vom Wohl und Wehe seiner Untergebenen abhängig ist, die gerade mal eben den letzten Chef abgesägt haben, weil er ihnen nicht passte?

Widersprüchliches, Sinnloses und Fundamentfreies

Vor einiger Zeit hatten wir hier einmal eine heiße Diskussion zum Thema Redefreiheit, die sich an “Gefährlichen Fragen” entzündete. Eine dieser “gefährlichen” Fragen war, ob Homosexualität möglicherweise die Folge einer ansteckenden Krankheit sei. Eine These, für die ich damals wie heute trotz längerer Suche keine entsprechenden Untermauerungen oder Beweise finden konnte – eine These also, die, da stimme ich den damals teils sehr wütenden Kommentatoren zu, vor allem aufgrund der diffamierenden Verbindung der Begriffe “Homosexualität” und “Krankheit”, weniger aber aufgrund ihrer heimlichen Wahrheit entgegen einer verbreiteten Ideologie, “gefährlich” war.

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Google in China, mal wieder

Im B.L.O.G.-Pliozän bzw. -Pleistozän haben Rayson und ich schon einmal etwas über das Engagement von Google in China geschrieben. Die Kommentator-Reaktionen waren seinerzeit nicht so der burner.

Mittlerweile strebt Google bekanntermaßen nach der Weltherrschaft und hat sogar offizielle Kritiker, die vor Übermut warnen, in beidem der Volksrepublik nicht ganz unähnlich. Und zum Thema “Google in China” gibt es Neuigkeiten. (mehr…)

Extra für Bernd Graff aus dem Archiv gekramt

oder: Als ich mich mal über sueddeutsche.de aufgeregt habe

Eigentlich wollte ich ja nichts zum dem Artikel von Bernd Graff schreiben, in dem alle Blogger mit einem lateinischen Ausdruck belegt werden, der nun wirklich auf besagten Herrn Graff selbst am besten passt. Ich wollte vor allem deshalb nichts dazu schreiben, weil andere dazu schon viel geschrieben haben, Jürgen Kaube in der FAZ zum Beispiel oder Klaus Jarchow auf medienlese.
Aber wie es der Zufall will, habe ich gerade beim Stöbern im B.L.O.G.-Archiv einen alten Eintrag gefunden, der sich just mit dem Problemkreis beschäftigt, den Herr Graff so erschöpfend abgehandelt hat.

In dem Eintrag geht es zuerst um Sex und dann um sueddeutsche.de – Blogger-Herz, was willst Du mehr?

Bloggen, Online-Journalismus und ein “harmonisches Beischlaferlebnis” (Erstveröffentlichung am 29. Juni 2006)

Über Sprengkandidatinnen oder: Die wunderbarste Bundespräsidentin, die Deutschland nie hatte

Gestern habe ich beim SpOn ein neues Wort gelernt (hervorgehoben, Link ergänzt):

Widmer-Schlumpf hatte nicht selber für das Ministeramt kandidiert: Die Parteien der Linken und ein Teil der Christdemokraten hatten sie erst in der vergangenen Nacht heimlich zur Sprengkandidatin gekürt, um Christoph Blocher loszuwerden.

Ich bin ja nach wie vor der Ansicht, dass in der Schweiz alles besser ist als bei uns, vor allem der Zustand der Demokratie. Aber die Möglichkeit, jemanden zu wählen, ohne sie vorher gefragt zu haben und ohne sie nominiert zu haben, finde ich sehr sonderbar und irgendwie auch ein Stück weit unschweizerisch.

Jedenfalls ist mir gestern, als bei Herrn Messmer plötzlich Schnappatmung einsetzte, spontan eingefallen, dass es in der jüngeren bundesdeutschen Geschichte ebenfalls mal eine Sprengkandidatin gab, die jedoch – im Unterschied zu dem Schweizer Spektaktel gestern – zumindest inoffiziell schon vor dem ersten Wahlgang als solche gehandelt wurde.

Aber dann hat der Sprengmeister versagt. Was für eine wunderbare Bundespräsidentin wäre sie gewesen!

Das wollte ich nur mal dazwischenrufen.

Und da ich mich dem ehernen Blog-Gesetz “Kein Eintrag über die Schweiz ohne Blocher” nicht entziehen kann: ein Blocher-Video.

Wird totes Holz endlich auch mal liberal und lesenswert bedruckt?

Michael Kastner von der Freiheitsfabrik unternimmt mit seinem Projekt der-markt.com einen, meines Erachtens unterstützenswerten, Versuch.

Nix gecheckt

Zur gestrigen Sendung von “Hart aber fair” gibt es jetzt auch den “Faktencheck“. Das ist im Grunde eine ganz sinnvolle Institution, um Sachaussagen, über deren Wahrheitsgehalt in der Diskussionsrunde keine Einigkeit erzielt werden kann, später durch Experten mit etwas Abstand überprüfen zu lassen. Im Grunde. Denn von den beiden diesmal ausgewählten Experten befindet sich einer offensichtlich auf einem Kreuzzug und nutzt hier nur eine weitere Gelegenheit, seine Meinung zu verbreiten. Auf die eigentlichen Sachfragen geht er nur wenig ein.

Übrigens für mich eine gute Gelegenheit einzuräumen, dass auch promovierte Wirtschaftswissenschaftler jede Menge Quark erzählen können. Zum Beispiel solchen wie diesen:

Das Problem liegt doch eher bei den falschen – und unverhältnismäßigen – Anreizen auf Seiten der Manager, die möglicherweise zu deutlich höheren Löchern in der Staatskasse führen. Das gilt dann, wenn sie durch die extreme (Conti-Chef Wennemer) Kopplung ihrer Vergütung an die “Leistung”, den “Erfolg”, sprich: den Gewinn, dazu angereizt werden, Arbeitsplätze auch ohne betriebliche Not abbauen, um Kosten zu sparen. Wenn ihnen dies gelingt, können sie den “Erfolg” auf ihrem Kontostand ablesen. Und die entlassenen Beschäftigten, die heute Schwierigkeiten haben, eine neue, einigermaßen vergleichbare Stelle zu finden, erhöhen dann den Ausgabenbedarf des Staates – vermutlich in weit höherem Masse als die Gewinn- und Bonussteigerungen ausfallen.

Das ist Klein-Fritzchen-Ökonomie: Arbeitslosigkeit entsteht, weil Leute entlassen werden. Und die Armut kommt von der Powerteh. Aber vielleicht soll es Ethik sein? Das kann ich leider auch nicht erkennen. Denn wie kann man es Firma X verwehren, Arbeitsplätze abzubauen, nur um Kosten zu sparen, wenn man nicht gleichzeitig Firma Y dazu zwingt, Arbeitsplätze zu schaffen, nur um Kosten zu erhöhen? Anders gesagt: Hat der zu Recht verloren, der zuerst einstellt? Und dieser Typ redet auch noch von Anreizen…

Kein Fazit, aber eine Erkenntnis: Mir scheint, der Sendung “Hart aber fair” ist ihr Umzug ins “Erste” nicht bekommen.

Managergehälter

Zur Managergehälter-Diskussion verweise ich mal kurz auf die FTD. :)

Die DDR und der Mindestlohn: Eine Zukunftsbetrachtung

In der DDR gab es für alle Werktätigen einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Dieser Mindestlohn wurde seit Anfang der siebziger Jahre im jeweiligen Fünfjahresplan festgesetzt und galt immer als lächerlich gering.

(Lebens)Künstler und unangepasste Menschen suchten sich manchmal einen Job mit Mindestlohn, um weitgehend Ruhe vor dem Staat zu haben. Sie taten so, als ob sie arbeiteten und irgendein Betrieb tat so, als ob er sie bezahlte. In der DDR war das möglich, weil es keinen freien Arbeitsmarkt gab und weil die Betriebe niemanden entlassen durften. Die meisten Betriebe mussten mit ihren Produkten nie auf einem freien Markt bestehen, sonst hätten sie die Mindestlöhner keinen Tag lang behalten können.

Von dem DDR-Mindestlohn konnte man zwar theoretisch leben. Aber die meisten Mindestlohnempfänger haben entweder schwarz gearbeitet, von Verwandten oder Bekannten Geld angenommen oder Sozialleistungen bezogen. Nur wenige haben ihre Bedürfnisse auf ein Mindestmaß reduziert.

Warum reichte der Mindestlohn nicht? In der DDR gab es zwar eine Preisbindung für alle Dinge des lebensnotwendigen Bedarfs: jeder hatte genug zu essen und eine einigermaßen trockene Wohnung. Aber um sich Dinge kaufen zu können, die wirklich interessant waren, brauchte man entweder richtig viel Ostgeld oder etwas Westgeld. Durch geschickt organisiertes Arbeiten »nach Feierabend« konnte man sich das immer erarbeiten, nur mit dem Mindestlohn sah es natürlich nicht so gut aus.

Einer der Nachteile jedes Mindestlohnes besteht nämlich darin, dass sich alle frei ausgehandelten Preise daran anpassen. Die SED hat den Mindestlohn zwar mit jedem neuen Fünfjahrplan erhöht, aber man konnte sich immer weniger dafür kaufen.

Der Mindestlohnempfänger gleicht also dem Esel, der an jedem Abend einen Ballen altes Heu in der Futterkrippe findet. Man hält ihm dann jeden Morgen eine frische Möhre vor die Nase, damit er den Karren zieht. Er wird die Möhre aber nur erreichen, wenn er sich irgendwann aus dem zwangsweise angelegten Geschirr befreit. Wenn er sich nicht befreit, gibt es am Abend wieder altes Heu.

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