18. Dezember 2007
Der Laie wundert sich
Die Polizei hält die Aussagen einem Sprecher zufolge für glaubwürdig, zumal Rechtsmediziner ausschlössen, dass sich die Schülerin die Verletzung selbst zufügt hätte. Allerdings wurden bislang keine weiteren Zeugen ausfindig gemacht, obwohl nach Aussagen der 17-Jährigen zahlreiche Menschen den Vorfall von den Balkonen der umliegenden Häuser beobachteten.
Rechtsextremismus: Neonazis ritzen Jugendlicher Hakenkreuz ein, Mitteldeutscher Rundfunk
zuletzt aktualisiert: 24. November 2007 | 13:31 (Hervorhebung hinzugefügt, M.W.)
Heute dann das:
Ermittler plötzlich skeptisch: Gutachter bezweifeln Hakenkreuz-Fall von Mittweida, tagesschau.de
Im Fall des mutmaßlichen Neonazi-Überfalls auf eine 17-Jährige Anfang November in Mittweida haben die Ermittler inzwischen Zweifel an dem vom vermeintlichen Opfer geschilderten Tathergang. Danach habe sich die junge Frau die angeblich bei der Tat erlittene Schnittverletzung in Form eines Hakenkreuzes womöglich selber in die Haut geritzt. Es lägen inzwischen zwei rechtsmedizinische Gutachten vor, nach denen zumindest nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich die 17-Jährige die Verletzungen selbst zugefügt habe, teilten Chemnitzer Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam mit.
(Hervorhebung hinzugefügt, M.W.)
Das ist wohl noch nicht der Abschlußbericht, aber wenn das (vermeintliche) Opfer angibt, es hätten viele Leute zugeschaut, und Wochen später haben die Ermittlungsbehörden immer noch keinen Zeugen aufgetrieben, dann liegt zumindest die Vermutung nicht allzu fern, der Sachverhalt sei ausermittelt.
Der Laie wundert sich – und bei dem diese Zeilen schreibenden Laien ist es so, dass sein Gehirn eine Art Abschaltautomatik entwickelt hat, wenn in einer Meldung folgende Begriffe und Wendungen auftauchen: Neonazis, Ausländerhatz, Mob, ausländerfeindliche Attacke – sowie “ein fremdenfeindlicher Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden”.
Abteilung “man müsste mal”: Man müsste mal ein “vier Wochen danach”- und ein “vier Monate danach”-Blog aufsetzen – und aktuelle Meldungen einfach ganz ausblenden.
Verfasst von Marian Wirth um 22:31 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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