Vor 170 Jahren: Die Göttinger Sieben und der Sieg der Restauration

oder: Liberale mit cojones

Das Deutschlandradio erinnert mit einem kleinen, feinen Beitrag an einen Meilenstein des deutschen Liberalismus:

Dem König die Stirn geboten. Vor 170 Jahren verloren die Göttinger Sieben ihre Professuren

Zum geschichtlichen Hintergrund heißt es darin:

Unter der Herrschaft von König Wilhelm IV. war 1833 im Königreich Hannover ein vergleichsweise liberales Staatsgrundgesetz erlassen worden, das eine Reihe bürgerlicher Rechte und Freiheiten gewährte.

In der Wikipedia wird Wilhelm IV. so charakterisiert:

König Wilhelm IV., der eigentlich nie Aussicht auf die Krone gehabt hatte, war ein wenig königlicher Herrscher und legte seine teilweise derben Seemanns-Manieren, wie öffentliches Ausspucken, nie ab. Er soll sich in seinen jüngeren Seemannsjahren heftigst betrunken und geprügelt und so manches Bordell verwüstet haben. Er neigte zu Wutausbrüchen, war schroff bis zur Unhöflichkeit und formlos bis zur Vulgarität. Er lehnte die Distanz zu seinen Untertanen ebenso ab wie Luxus oder gar Prunk und befand die schönen Künste für Schnickschnack.

Vor allem der letzte Punkt deutet doch stark darauf hin, dass es sich bei Wilhelm IV. um einen verkappten Liberalen gehandelt hat ;-) .

Dass unter seiner Regierung 1833 im Königreich Hannover eine vergleichsweise liberale Verfassung (Auszug aus den Grundrechten) in Kraft trat, ist also kein Wunder.

Als jedoch nach dem Tod Wilhelms IV. dessen Bruder Ernst August in Hannover ans Ruder kam, ging es wieder zurück in Richtung Gottesgnadentum:

“Das Staatsgrundgesetz vom 26. September 1833 können Wir als ein Uns verbindendes Gesetz nicht betrachten, da es auf eine völlig ungültige Weise errichtet worden ist.”

Das hatte zur Folge, dass alle königlichen Staatsdiener von ihrem Eid auf die Verfassung von 1833 entbunden und zugleich aufgefordert wurden, dem neuen König zu huldigen und ihm Gehorsam zu geloben.

Die Göttinger Sieben fanden das irgendwie nicht so cool und verfassten ein Protestschreiben, das alsbald unter den Studenten die Runde machte. Daraufhin wurden alle sieben Professoren vom König gefeuert. Heute vor 170 Jahren.

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4 Kommentare zu “Vor 170 Jahren: Die Göttinger Sieben und der Sieg der Restauration”

  1. 15.12.2007 | 0:07

    Und was ist die Folge? Heute treffen sich die Leute in Hannover “unterm Schwanz”. Damit ist zwar nicht unbedingt der von Ernst August gemeint, aber mindestens der von dessen Gaul…

  2. Lina
    15.12.2007 | 9:14

    “Was ist das für ein Ereignis, das an die abgelegene Kammer meiner einförmigen und harmlosen Beschäftigungen schlägt, eindringt und mich heraus wirft?”

    Es ist dieser schöne Rückgriff, Marian. Er ist mal kurz in die aktuelle Verdossenheit eingedrungen und hat mich aus ihr heraus geworfen :-)

  3. Robin
    15.12.2007 | 11:43

    Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen, dass es sich beim ollen Ernst August nur um britisches Importgut handelt.
    Und immerhin verdanken wir Hannoveraner ihm ja unsere Eisenbahn :-)

  4. 15.12.2007 | 18:40

    Lieber Marian,

    Dank für den Hinweis – nicht nur auf die “Göttinger Sieben”, sondern auch auf das Deutschlandradio Berlin; eine Insel der Liberalität unter den deutschen “Rundfunkanstalten”.

    Bei den Ereignissen um die “Göttinger Sieben” spielte übrigens ein damaliger Student eine zentrale Rolle: Heinrich Albert Oppermann, dessen “Hundert Jahre” ein sehr schönes, wenn auch schön langes Buch ist. Ich bein seinerzeit durch Arno Schmidt darauf aufmerksam geworden; 2001 hat es in der Reihe “Haidnische Alterthümer” reprintet. (gereprintet??)

    Es waren ja nicht nur die bekannten Süddeutschen wie Uhland und Scheffel, die in diesen Jahren des Vormärz für die Freiheit eintraten. Sondern eben auch Norddeutsche wie die Göttinger, wie der sehr freiheitliche Oppermann.

    Ein “Professorenparlament” hat man dann die Nationalversammlung in der Paulskirche genannt – das waren noch Zeiten! :) –> :(

    Herzlich, Zettel

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