Google in China, mal wieder

Im B.L.O.G.-Pliozän bzw. -Pleistozän haben Rayson und ich schon einmal etwas über das Engagement von Google in China geschrieben. Die Kommentator-Reaktionen waren seinerzeit nicht so der burner.

Mittlerweile strebt Google bekanntermaßen nach der Weltherrschaft und hat sogar offizielle Kritiker, die vor Übermut warnen, in beidem der Volksrepublik nicht ganz unähnlich. Und zum Thema “Google in China” gibt es Neuigkeiten.

Unter dem sperrigen Titel Google China: “Lieder aus dem Tal” oder “Singender Kuckuck im Frühling”? beschäftigt man sich bei Heise mit einem Markenrechtsstreit, in den Google verwickelt ist:

“Google” lässt sich mit chinesischen Schriftzeichen nicht darstellen und wird deshalb von den Einheimischen in der Regel auch nicht richtig ausgesprochen – die meisten sagen “Go Go”, was aber mehr in den Bereich von Bars und Nachtclubs fällt. Die Betreiber tauften die Suchmaschine für China deshalb kurzerhand in “Guge” um.

Doch dagegen hat nun ein Firma aus Peking etwas. Die “Beijing Guge Sci-Tech Company” wirft dem Konzern vor, mit der Wahl des Ersatznamens gegen Markenrechtsbestimmungen verstoßen zu haben. Schließlich habe man am 16. April 2006 beim “Municipal Industrial and Commercial Bureau” in Peking offiziell ein Unternehmen mit gleichem Namen angemeldet – eine Woche nachdem chinesische Medien erstmals über die Pläne Googles berichtet hatten, in China künftig unter dem Namen “Guge” aufzutreten. Wegen angeblicher Verletzung von Markenrechten verklagte die “Beijing Guge Sci-Tech Company” den Google-Konzern.

Heise gibt als mögliche Übersetzungen von “Guge” die beiden Versionen aus dem o.g. sperrigen Titel wieder.Einen Schritt weiter in die Untiefen der chinesischen Sprache begibt sich – unter dem vergleichsweise flotten Titel “Google ist in China ein Internet-Zwerg” – das Handelsblatt:

Die Anpassung des Namens im Jahr 2006 rief Kritik hervor, Denn “Gu“ heißt auch “Tal“ und impliziert somit eine Abwärtsbewegung. “Den Namen hat jemand erdacht, der kein Chinesisch kann“, sagt Analyst Liu Bin von der Marktforschungsfirma BDA China Ltd. in Peking. “Das war für das Marketing nicht förderlich.“

Das ist ja nicht wirklich neu, dass westliche Firmen sich an chinesischen Namen verheben. In der zweiten Hälfte beschäftigt sich der HB-Artikel mit den Marktchanchen von Google in China:

Neben den sprachlichen Problemen kämpft Google zudem mit einer vergleichsweise schwachen Marktbedeutung in China. Wie auch der Konkurrent Yahoo hinkt der Suchmaschinenbetreiber dem Branchenführer Baidu.com weit hinterher. Baidu bringt es in China auf einen Marktanteil von 61 Prozent – mehr als doppelt so viel wie Google.

Da scheint sich die Anbiederung ans Regime also nicht zu lohnen.

Der Artikel wäre rundherum empfehlenswert, wenn sich nicht mittendrin der Satz

Doch das Potenzial in China ist gewaltig: Das Reich der Mitte verfügt über 162 Millionen Internet-Nutzer und stellt damit den weltweit zweitgrößten Online-Markt.

finden würde. Ja, das Potenzial in China ist gewaltig – für Chinesen. Siehe auch “Chinese consumers prefer own products”. By Geoff Dyer, Financial Times

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