Identität

Nun kann man über das Antidiskriminierungsrecht denken, was man will. Auch, was die Ausnahmen für Kirchen betrifft. Meinereiner hält das entsprechende Gesetz ja bekanntlich komplett für Unfug.

Welche Fragen das neu geschaffene Recht so alles aufwerfen kann, beweist dieser Beitrag bei SPON. Ich brauche das nach dem obigen Eingangsbekenntnis in der Sache wohl nicht genauer zu kommentieren und verweise stattdessen auf node-0, auch wenn mir wie dem dort kommentierenden Karsten die Analogien nicht ganz zu stimmen scheinen.

Ich halte einen ganz anderen Teil des Artikels für erwähnenswert:

Das Verhalten der Diakonie habe etwas Missionarisches, sagt sie: “Wir helfen den armen Ausländern, aber mitmachen dürfen sie nicht.” Mit diesem Argument zog Fadia vor Gericht und gewann in erster Instanz.

Interessant, was die gute Frau da so implizit aussagt, oder nicht? Und noch interessanter, wenn das Gericht genau *dem* Argument zugestimmt hätte.

Ähnliche Beiträge


8 Kommentare zu “Identität”

  1. jopa
    11.12.2007 | 18:08

    Unter den Angestellten der Diakonie befindet sich kein einziger Nicht-Christ? Seltsam, mir fallen gleich 3 ein, allesamt Ärzte in Krankenhäusern des Diakonischen Werkes. Was lehrt uns das? Wenn der Mangel nur groß genug ist, stellt die religiöse Frage auch bei einer eigentlich religiösen Organisation kein Problem mehr dar…

  2. 11.12.2007 | 18:31

    Ich dachte, die sind als Tendenzbetriebe aus der Nummer eh raus.

  3. Daniel
    11.12.2007 | 18:46

    Ehrlich gesagt bin ich, ohne alle Details des Falles zu kennen, froh dass es ebenso ausgegangen ist. Klar kann man der Meinung sein, das christliche Organisationen nur christliche Mitarbeiter haben sollen. Aber damit habe ich zwei Probleme: Erstens darf man nicht vergessen, dass der größte Teil der Gelder für Diakonie und Caritas eben nicht von den beiden Kirchen stammen, sondern von Steuer- und Versicherungsbeitragszahler. Wer einen einen geschlossenen Club haben will, der muss ihn auch selbst bezahlen und unterhalten. Wenn das Geld aber vom Staat kommt, muss der auch verlangen können dass hier nicht nach Glaube diskriminiert wird, zumal das betreffende EU-geförderte Projekt auch keinen religiösen Bezug hat.

    Der zweite wichtige Punkt ist, dass Caritas und Diakonie die größten Sozialträger in Deutschland sind. Wer, z.B als Atheist, in diesem Bereich eine Arbeit finden will hat es deutlich schwerer als Christen (selbst wenn nur auf dem Papier), denn Christen stehen alle Träger als potentielle Arbeitgeber offen, während es Atheisten bei den kirchennahen Vereinen schwer haben.

  4. 11.12.2007 | 22:44

    Was meinst Du damit Rayson? Dass sie sich selber als Ausländerin bezeichnet und nicht als Andersgläubige oder was findest Du interessant?

  5. 11.12.2007 | 23:14

    Fast. Dass sie anscheinend von einer Identität ausgeht: Wer Muslime nicht einstellt, will keine Ausländer. Dabei gibt es natürlich ebenso Deutsche, die Muslime sind, wie Ausländer, die Christen sind.

  6. quer
    12.12.2007 | 9:09

    Wie hoch wäre wohl die Bereitschaft moslemischer Organisationen, in- oder ausländische Christen eizustellen und diese als erkennbare Christen für sich wirken zu lassen? Schon mal geprüft?

  7. 12.12.2007 | 10:38

    Ich wüsste nicht, was im Zusammenhang unerheblicher wäre.

  8. Florian
    12.12.2007 | 23:55

    Dass Kirchen nicht bevorzugt behandelt werden sollten finde ich zwar richtig.

    Das ganze Antidiskriminierungsgesetz ist aber in seinen Wirkungen unerträglich.
    Wie auch in diesem Fall.

    Es geht den Staat schlicht nichts an, wer mit wem welche Verträge schließt (solange deren Inhalt nicht illegal ist).
    Und nur weil die Diakonie sich teilweise über Steuern finanziert ändert das gar nichts.

    Das staatliche Interesse sollte sein, für seine Steuergelder einen möglichst guten Gegenwert zu erhalten. Wie sich der Dienstleister intern organisiert sollte dabei keine Rolle spielen, solange die Leistung stimmt.

Bad Behavior has blocked 1448 access attempts in the last 7 days.