Mund verboten und eingeknastet

Wie Reporter ohne Grenzen berichtet, haben mit China und Castros Kuba zwei sozialistische Staaten einen Sieg errungen.
Das Spiel heißt Journalisten-Verhaften, Mund und Meinung verbieten.
Auf den Folgeplätzen tummeln sich zum Beispiel der Iran und Eritrea.

Aber zur Schande dessen, was man freie Welt nennt, sitzt ein Journalist auch in Guantanamo.

Lasst sie gefälligst raus!

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11 Kommentare zu “Mund verboten und eingeknastet”

  1. Lina
    7.12.2007 | 18:29

    Was soll man sagen? Schrecklich? Ein Skandal? Auch Journalisten unterliegen Landesgesetzen, und wo es weder Freiheit noch Pressefreiheit geben soll, weil das Land als ein unfreies keine Kritik verträgt, trifft es die besonders Mutigen zuerst.

    Insofern, als ich Journalisten schon immer als Stellvertreter im Kampf um meine Rechte betrachtet habe, als diejenigen, die mir Durchblick verschaffen, mir sozusagen den Weg freimachen oder auch freihauen, wenn es sein muss, empfinde ich sie in der Rolle von Opfern eines Staatsapparats als äusserst beklagenswert, sehe sie sogar als moderne Märtyrer. Aber was kann ich für sie tun – von hier aus? Ich kann wie jetzt darüber lesen und für Amnesty ein paar Briefe schreiben; das ist alles (ich falle bei Euch heute von einer Ohnmacht in die andere…)

    Persönlichen Trost habe ich immerhin finden können, und zwar in diesen schönen Worten von Emile Cioran: “Wem es vermöge einer an Mitleid überreichen Einbildungskraft gelänge, Buch zu führen über alles Leid in der Welt (…) der würde – vorausgesetzt, dass es ein solches Wesen überhaupt gäbe – ein Ungeheuer an Liebe sein und das grösste von der Geschichte des Herzens jemals geforderte Opfer. (…) Und besässen wir ein Gedächtnis, in dem alles wunderbar gegenwärtig bliebe, (…) wir würden zusammenbrechen unter dieser Last. Leben ist nur möglich dank der Mangelhaftigkeit unserer Vorstellungskraft und unseres Gedächtnisses.”

    Die Frage hier lautet aber: wie lässt sich Mitgefühl in offenen Protest umsetzen, wie erzielt man in diesem Fall Wirkung, wenn sogar die demokratischen USA sich eine rechtsfreie Zone erlauben?

  2. Die Stimme aus dem Off
    8.12.2007 | 8:38

    Eine kurze Off-Topic Frage: Haben wir einen Physiker, Chemiker oder E-Techniker unter uns, der mir ein paar (für einen Experten vermutlich simple) Fragen per E-Mail beantworten könnte?

  3. 8.12.2007 | 19:22

    Die Bedingungen, unter den Menschen in Guantanamo inhaftiert sind in meinen Augen insgesamt kritikwürdig. Eine Kritik ist jedenfalls für meine Begriffe nicht auf Mitglieder bestimmter Berufsstände zu begrenzen. Was die amerikanische Regierung tut ist falsch!

  4. R.A.
    8.12.2007 | 20:08

    > Aber zur Schande dessen, was man freie Welt
    > nennt, sitzt ein Journalist auch in Guantanamo.
    Langsam.
    Guantanamo ist umstritten.
    Aber die Typen dort sitzen NICHT ein, weil sie kritische Berichterstattung gemacht haben, sondern weil sie Terroristen sind oder solche unterstützt haben.
    Auch in deutschen Gefängnissen sitzen Journalisten ein, weil sie irgendwelche Delikte begangen haben – der Beruf führt ja nicht zu strafrechtlicher Immunität.

    Die Angaben dieser Wikipedia-Seiten beruhen übrigens fast komplett auf den Aussagen des Betreffenden selber und verstoßen damit recht eklatant gegen das Neutralitätsgebot, das sonst dort üblich ist.

  5. 8.12.2007 | 22:27

    @R.A.

    Du meinst, die Reporter ohne Grenzen recherchieren schlecht?

  6. gang
    8.12.2007 | 23:12

    @R.A.:

    Ein Terrorist ist man, wenn man von einem ordentlichen Gericht als solcher verurteilt worden ist.
    Den Internierten den Zugang zum Rechtssystem dauerhaft vorzuenthalten, ist eine rechtsstaatliche Sünde.

  7. R.A.
    9.12.2007 | 10:50

    @Boche:
    > Du meinst, die Reporter ohne Grenzen recherchieren
    > schlecht?
    Ich gehe davon aus, daß die hier gar nicht recherchieren, sondern automatisch ihren Kollegen unterstützen.
    Auf der Wiki-Seite habe ich jedenfalls nichts von einer Recherche gefunden, da hieß es immer nur “nach Angaben von X”.

  8. R.A.
    9.12.2007 | 10:53

    @gang:
    > Ein Terrorist ist man, wenn man von einem ordentlichen
    > Gericht als solcher verurteilt worden ist.
    Für Dich ist also Bin Laden kein Terrorist?
    Oder die diversen Selbstmordattentäter?

    Terrorist ist man, wenn man Terror ausübt (oder vorbereitet).
    Das Gerichtsurteil befindet nur darüber, ob man als Terrorist einsitzen muß.

    > Den Internierten den Zugang zum Rechtssystem dauerhaft
    > vorzuenthalten, ist eine rechtsstaatliche Sünde.
    Richtig.
    Aber man hat hier nur die Wahl zwischen mehreren schlechten Lösungen.
    Und solange es kein vernünftiges juristisches Prozedere für solche Leute gibt, wäre es eine noch größere Sünde, die einfach wieder freizulassen.

  9. 9.12.2007 | 11:13

    @R.A.

    Und solange es kein vernünftiges juristisches Prozedere für solche Leute gibt, wäre es eine noch größere Sünde, die einfach wieder freizulassen.

    “Solche Leute”. Du gehst also davon aus, dass jeder der in Gitmo einsitzt auch tatsächlich ein illegaler Kombattant oder Terrorist ist? Wenn man überlegt, wie oft ordentliche Gerichte zu falschen Urteilen kommen (siehe hier), dann halte ich das für eine gewagte Prämisse.

  10. R.A.
    9.12.2007 | 12:47

    @Björn:
    > Du gehst also davon aus, dass jeder der in Gitmo
    > einsitzt auch tatsächlich ein illegaler Kombattant
    > oder Terrorist ist?
    Nein.
    Das würde ja bedeuten, daß dort 100% fehlerfrei gearbeitet wird – so etwas ist unwahrscheinlich.

    Die deutliche Mehrheit dort dürften aber sehr wohl Terroristen sein, und die wieder auf die Menschheit loszulassen wäre ziemlich unverantwortlich.

    Für die Minderheit der Nicht-Terroristen ist das schlimm – aber das ist eben das Risiko in einem Kriegsgebiet, daß Unschuldige unter den von ihren Landsleuten angezettelten Kampfhandlungen leiden.

  11. gang
    10.12.2007 | 19:44

    @gang:

    >Terrorist ist man, wenn man Terror ausübt (oder vorbereitet).
    Das Gerichtsurteil befindet nur darüber, ob man als Terrorist einsitzen muß.

    Oh, da täuschst Du Dich. Das Gericht stellt fest, ob der Angeschuldigte im Bestreitensfall die Tat begangen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt er in Rechtsstaaten als der Tat nicht überführt.

    > Für Dich ist also Bin Laden kein Terrorist?

    Was soll dieser plumpe Vergleich?
    Bin Laden hat öffentlich die Tat gestanden.

    >Aber man hat hier nur die Wahl zwischen mehreren schlechten Lösungen.

    Das ist nicht richtig. Die Insassen in Guantanamo einem Prozess und bis zu diesem Zeitpunkt einem Haftrichter zuzuführen, ist keine “schlechte” Lösung, sondern die einzigste, die einem Rechtsstaat zuträglich ist.

    >Und solange es kein vernünftiges juristisches Prozedere für solche Leute gibt,

    Selbstverständlich gibt es ein solches “Pozedere”. Das nennt sich Haftrichter. Aber man hat die Leute ja bewusst außerhalb des amerikanischen Territoriums interniert, um ihnen den Justizgewährungszugang zu verweigern. Der Supreme Court war gezwungen, darauf seine Zuständigkeitsrechtsprechung zu ändern.

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