Lerneffekt

Seit ca. drei Jahren treibe ich nun schon mein Unwesen in der Bloggosphäre. Eine ähnliche Zeit hielt es mich zuvor bei dol2day. Irgendwie scheint das einen Online-Lebenszyklus darzustellen, denn die Unlust ist vergleichbar. War es bei dol2day der Umstand, dass man lieber über Probleme motzen wollte als sie zu lösen, so ist es in der Bloggosphäre die unangenehme Erfahrung, dass offenbar einige Zeitgenossen Defizite in ihrem Alltag durch besondere Linientreue im virtuellen Leben zu kompensieren suchen.

Im Prinzip ist es mir ja wurscht, wenn man mir durch verkürzende Zitate oder gar völlig ohne irgendwelche Aussagen in den Mund legt, die mir nie eingefallen wären. Deswegen benutze ich ja einen “Künstlernamen”, und mir tun alle leid, die im Vertrauen auf Nichtvorhandenes zu viel von sich preisgegeben haben. Also, was beschwere ich mich – Mitblogger wie Freund Apollon hat es definitiv härter getroffen. Ich beschwere mich auch nicht. Ich konstatiere nur.

Wer auch immer es braucht, Zitate und Aussagen verfälschen zu müssen, um Sachdiskussionen durch “ad personam”-Debatten scheinbar zu erledigen, der verdient nicht meinen Zorn, sondern mein Mitleid. Aber auch das ist nicht endlos. Irgendwann fragt man sich trotz des üppigen INSM-Schecks doch mal, ob alternative Verwendungen der verschwendeten Zeit nicht deutlich höhere Einkünfte zur Folge gehabt hätten.

Die Versuche, mit Andersdenkenden in Diskussionen einzusteigen, haben sich als weitgehend fruchtlos erwiesen. Vielleicht hätte es im einen oder anderen Fall Ansätze zu mehr gegeben, aber die Sucht der Rampensau nach Beifall erschwert Differenzierungen ungemein. Schade für unsereins, der sich bereits ab einem Beifall von mehr als zwei Personen unwohl zu fühlen beginnt. Dass ich genial bin, weiß ich. Bestätigungen dafür brauche ich keine, denn die wären redundant. Interessant sind einzig und allein geistreiche Widerlegungen.

Dennoch: Vergeblich war sie nicht, die Zeit bisher. So mancher Input von außen hat das eigene Bild der Dinge dann doch verändert. Das ist mehr, als die herkömmlichen Medien für sich beanspruchen können. Nicht schlecht.

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2 Kommentare zu “Lerneffekt”

  1. 5.12.2007 | 7:49

    >Irgendwann fragt man sich
    >trotz des üppigen INSM-
    >Schecks doch mal, ob
    >alternative Verwendungen der >verschwendeten Zeit nicht
    >deutlich höhere Einkünfte zur
    >Folge gehabt hätten.
    –> Ha, noch so ein angeblich “Linksliberaler”, der bei den Mächten des Bösen auf der Gehaltsliste steht ;)

    (Um mal auch etwas zu verfälschen *g*)

  2. R.A.
    5.12.2007 | 10:55

    Ich treibe mich ja (wie VolkerD) immer noch bei dol rum.
    Genau wie seit einiger Zeit bei den Blogs.

    Es hilft bei beiden Bereichen, wenn man mit niedrigen Erwartungen und begrenztem Engagement tätig ist.

    Ich erwarte und finde immer wieder mal interessante Informationen und Anregungen. Und eine Reihe von persönlichen Kontakten, die trotz der Probleme der virtuellen Welt erstaunlich stabil und angenehm sind.

    Man muß sich allerdings ziemlich jede Aussicht abschminken, in größeren Umfang irgendetwas bewirken zu können – manchmal bei einigen Leuten etwas Umdenken zu bewirken ist viel.

    Ob es darüber hinaus noch bessere Möglichkeiten geben kann, ist derzeit offen.
    Gummersbach war für mich ein Versuch, in diese Richtung zu denken – bisher allerdings ohne konkrete Ergebnisse.

    Aber die Welt entwickelt sich weiter, erst allmählich begreifen wir, welche Möglichkeiten das Internet bietet.

    Also bleibe ich optimistisch.

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