26. November 2007
Dunkel wird’s
Siècle des Lumières nennen die Franzosen das Zeitalter der Aufklärung. Zeitalter des Lichts könnte man das übersetzen. Das Licht der Vernunft wurde damals angezündet, und es leuchtete hoffnungsstiftend hinein in das Dunkel von Aberglauben, Fremdherrschaft und geistiger Bevormundung.
In Deutschland wird das Licht nun wieder ausgeschaltet.
Bevormundung ist kein Problem mehr sondern wird lauthals eingefordert, sei es beim “Nichtraucherschutz” oder mit Strafen für Autofabrikanten, die es wagen, das zu produzieren, was ihre Kunden kaufen.
Aberglauben, sei es ökonomischer oder ökologischer, ist gesellschaftsfähig. Was früher der Antichrist, ist heute der globale Kapitalismus, Bushs finsteres Imperium oder auch gern das ungiftige, geruchslose CO2, das den baldigen Weltuntergang verursachen wird (und endlich ist der Ami schuld und nicht schon wieder wir Deutschen!).
Menschen glauben wieder an Wunder. Das Senken einer Weltmitteltemperatur wird zum obersten Ziel erklärt, das fast jeden Aufwand und jede Zwangsmaßnahme rechtfertigt. Dass diese Mitteltemperatur nur ein virtueller Wert ist und nirgendwo, aber auch nirgendwo tatsächlich gemessen werden kann – wen interessierts?
Nein, der Spaß ist jetzt vorbei. Deutsche, es wird wieder Verdunklung befohlen!
Was die Oma vor einem Dreivierteljahrhundert noch zu machen hatte, um dem heranfliegenden Ami das Bombenziel zu nehmen, machen Mutti und Enkelchen heute, um dem Ami trotzig heimzuleuchten.
Auf dass er, von Dunkeldeutschland ganz erschreckt, de- und reumütig in das Zehohzwei-Panikorchester einstimme. Gott Klima sei gnädig!
Ironie der Geschichte: Was Morgenthau nach dem Krieg mit dem Deutschen Reich plante, bekommen die grünen Streiter für die Entindustrialisierung nun vielleicht noch ganz freiwillig hin. Und nun gehts nicht mehr nur um Deutschland, nein, wieder mal um die ganze Welt!
Und aus guter Tradition wird die deutsche Sprache wieder dem intellektuellen Gehalt der gemeinsamen Massenhysterie Überzeugung angepasst und auf das Notwendige zusammengedampft: Wir sind Klima! Wozu viel Grammatik und Artikel, wenn es nicht ums Denken geht sondern ums Dabeisein und Mitlaufen? Wir sind Klima, wir sind die Guten!
Unverantwortlich äußert sich da mal wieder nur ein Schmierenblatt, das mit einem solch ernsten Thema Schindluder treiben zu müssen meint, in dem es die sehr ehrenwerten Unterstützer ins Lächerliche zieht.
————————————————————————————————-
Den Hinweis auf die gemeinsame Kampagne von (u.a.) von klassischem (BILD) und Öko-Boulevard (Greenpeace) fand ich beim Gedankenhabitat. Und mir fiel auf, dass sich thematisch eigentlich seit einem Jahr nicht viel geändert hat.
UPDATE: In diesem Zusammenhang lesenswert ist auch ein Interview mit dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus in der “Wirtschaftswoche”.
UPDATE Zwo: Stefan Niggemeier beendet seine Fördermitgliedschaft bei Greenpeace, weil er die Aktion zu “plakativ” findet. Eine Stunde Dunkelheit hätte er besser (weil weniger plakativ?) gefunden. Richtig lustig ist das: Greenpeace wegen Plakativität zu verlassen (und dies plakativ anzukündigen) ist, als verließe man unter Protest die Kirche, weil man empört feststellt, dass da so viel gebetet wird …
Verfasst von Boche um 15:24 Uhr in der Kategorie Politik, Umweltpolitik (Trackback)
52 Kommentare