Frau Pauli tritt bei SPON zurück

Die vielfach (selbst)überschätzte Landrätin Gabriele Pauli ist heute aus der CSU ausgetreten. Kurz darauf ist in der Küche eines fränkischen Müllermeisters eine Tüte Mehl geplatzt. SPON hat sich am Mittwoch dafür entschieden, das erstere Ereignis als veritable Eilmeldung zu bringen. Dabei hätten mich eigentlich eher die Auswirkungen der geplatzten Tüte auf unsere Wirtschaftspolitik interessiert.

Inzwischen kann man bei SPON den ebenso dämlichen wie denkwürdigen Titel Die letzte Show der Latex-Landrätin lesen. An diesem Titel stimmt nun überhaupt nichts: erstens muss es nicht ihre letzte Show gewesen sein, zweitens hat sie heute überhaupt keine Show abgezogen und drittens hat sie nie in Latex als Landrätin amtiert.

SPON veröffentlicht Frau Paulis Austrittsbrief in Auszügen (und nicht im Wortlaut, wie es der Titel der Seite suggeriert). Nachdem ich mich damals hingebungsvoll mit Frau Paulis Programm befasst habe, möchte ich nun auch noch den Abschiedsbrief kommentieren. Beide Dokumente zeigen, warum aus ihrer Kandidatur nichts werden konnte. Frau Pauli schreibt:

Für mich bedeutet politisches Engagement, mich für Bürger so einzusetzen, dass sie sich ehrlich vertreten fühlen. Wer sich für andere einsetzt, sollte das unabhängig vom eigenen Ansehen und Status tun. Nur so ist Politik glaubhaft. Viele Politiker in unserer Partei haben dieses Ziel aus den Augen verloren, versuchen, ihre persönliche Stellung zu wahren, und ordnen die offene Diskussion dem eigenen Machtstreben unter.

Frau Pauli strebte den CSU-Vorsitz an. Parteivorsitzende sind in jedem Gremium von Leuten umgeben, die ihre persönliche Stellung wahren oder verbessern wollen. Ich verstehe bis heute nicht, ob Frau Pauli alle anderen Parteimitglieder für naiv hielt oder für dumm verkaufen wollte: eine Machtposition kann nur nach den Spielregeln der Partei erreicht werden und sie wird vom ersten Tag an mit allen Mitteln verteidigt.

Die CSU hätte es nicht nötig, ihre Parteitage zu inszenieren, wenn die Kraft der Argumente überzeugt. Dann ist Geschlossenheit die Folge der eigenen Überzeugungen.

Erwin Hubers Sekretärin könnte antworten: »Sie hätten es nicht nötig, Ihre Auftritte zu inszenieren, wenn die Kraft Ihrer Argumente überzeugte. Dann wäre Geschlossenheit die Folge Ihrer Überzeugungskraft.«

Ich möchte meine Ideen, die christlich und sozial sind, nicht daran orientieren, ob ich ein Amt erreiche oder nicht. Diese Haltung, die von vielen Bürgern verstanden wird und die eigentlich alle politisch Tätigen als Leitidee haben sollten, wollte ich durch meine Kandidatur deutlich machen. Die Politik muss wieder zurück zu den Wurzeln kommen.

Was lernen wir daraus? Wer Phrasen drischt, sollte es wenigstens im Takt der eigenen Partei tun …

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10 Kommentare zu “Frau Pauli tritt bei SPON zurück”

  1. 22.11.2007 | 1:22

    Als Nachfahre einer fränkischen Müller-Dynastie interessiert mich die geplatzte Tüte Mehl mehr als die Frau Pauli (die ja jetzt den Part von Harald Schmidt übernehmen könnte, weil der ja keine Lust mehr hat).

    Gibt es dazu irgendwelche Neuigkeiten?

  2. stefanolix
    22.11.2007 | 6:23

    Man erfährt darüber in den »Mainstream-Medien« leider kaum etwas. Dem Vernehmen nach geschah der Vorfall in Prichsenstadt. Dieser kleine Ort wäre ohne große Umbauten eine perfekte Kulisse für jeden neuen Film über den Räuber Hotzenplotz.

    In P. gibt es Fremdenführer, die sich als Nachtwächter verkleiden und den Leuten die Sehenswürdigkeiten des winzigen Ortes zeigen (ein Beweisfoto müsste hier noch irgendwo herumliegen). Als der Nachtwächter am Anwesen des Müllermeisters vorbeikam, läutete er seine Glocke. Die Köchin des Müllermeisters erschrak gar sehr und ihr platzte die Mehltüte. Die Sauce war völlig verdorben. Nachdem der Müllermeister davon erfuhr, dachte er »Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht« und besuchte eine solche. Die Sitzung dauerte etwa so lange wie ein Treffen des Koalitionsausschusses zur nächsten Gesundheitsreform.

    Der betroffene Müllermeister wird zuweilen in Berlin als Wirtschaftsminister gesehen (und man mag sich gar nicht vorstellen, was für schöne Filserbriefe er von dort in seinen Heimatort schreibt).

    Mehr konnte ich bisher noch nicht herausfinden.

  3. Lina
    22.11.2007 | 9:18

    “Was lernen wir daraus? Wer Phrasen drischt, sollte es wenigstens im Takt der eigenen Partei tun …”

    Dazu gehörte allerdings Überblick und ein sachbezogener Einblick in CSU-gefärbte Strategiemuster, hier von mir “bayerischer Sachzwang” genannt. Beides scheint bei der absichtsvollen Frau Pauli nicht gegeben gewesen zu sein. Aber Latex einzusetzen, war da schon mal ganz, ganz falsch…

    Ich kann gut ohne sie leben (Männer auch?), wiewohl ich jedes irgendwie anarchische Element in der Politik und auch sonst zu schätzen weiss. Nur naiv sollte es halt nicht daherkommen.

  4. 22.11.2007 | 9:31

    Lina,

    Männer auch?

    Was mich angeht: Ganz bestimmt. Als Schauspielerin ist mir eh die Christine Neubauer lieber.

    Und dass einige Journalisten um den Latex-Auftritt so einen Bohei gemacht haben, lässt sich sowieso nur mit Notgeilheit oder Fetischismus erklären.

  5. Lina
    22.11.2007 | 10:09

    …stimmt, Marian,

    eine ganz schlechte Schauspielerin ist sie ja obendrein noch!

    Dabei ist entsprechendes Können in der Politik doch Voraussetzung, damit man voran kommt. Die “Charge” ist dort ein begehrtes Fach. Das zumindest hätte sie eigentlich schon bringen können, finde ich ;-) ?

  6. stefanolix
    22.11.2007 | 10:11

    @Lina: Es ist doch ein Unterschied, ob sich eine Frau zur Landrätin oder zur CSU-Vorsitzenden wählen lassen will. In der ersteren Position war sie ganz gut und dafür war sie IMHO auch geeignet. Mit dem Aufstieg zur CSU-Vorsitzenden hätte sie ein leuchtendes Beispiel für das Peter-Prinzip abgegeben …

    @Marian: und die Gründe der beteiligten Journalistinnen lassen wir hier mal offen ;-)

    Auf den Fotos befremdete mich übrigens am meisten die Perücke.Das durfte ihr als Frau nicht passieren. Nicht, nachdem die Medien wirklich jede Politikerinnen-Frisur (von Merkel bis von der Leyen) durchdekliniert haben.

  7. Lina
    22.11.2007 | 10:52

    @ stefanolix

    “…, damit man voran kommt”, habe ich geschrieben – in ihrem Fall in den Ministerpräsidentinnensessel. Als Landrätin habe ich ganz und gar nichts gegen sie, erst ihre höchst eigenwillige Ambition und die selbstgewählte Art der Annäherung haben sie in meinen Augen suspekt gemacht.

    Musste das schon korrieren, als halbwegs solidarische Frau, verstehst Du? Die Perücke? Na ja, Frauen haben eben mal dieses Wandlungbedürfnis zur Neuen hin – weil es verlangt wird ;-)

  8. stefanolix
    22.11.2007 | 11:04

    @Lina: Ich wusste bisher nicht, dass Frau Pauli auch noch den Ministerpräsidentinnensessel angestrebt hat, aber es wäre ihr sicher zuzutrauen ;-)

    Bei aller Frauensolidarität und bei allem Wandlungsbedürfnis: warum hat ihr dann keine Frau gesagt, dass diese Perücke aber nun gar nicht geht, wenn sie später noch irgendeine Führungsposition einnehmen will?

  9. Lina
    22.11.2007 | 11:08

    (…und um dem noch eins draufzusetzen, was für die “Unabhängigen” unter den Frauen gilt.)

    Letztlich ist es doch so;-):

    http://www.youtube.com/watch?v=BHtXV_jOnq8

  10. 23.11.2007 | 2:14

    [...] Bei der Dokumentation im Wortlaut hat es jedoch bemerkenswerterweise an zwei Stellen anstelle von Text jedoch Pünktchen gegeben. Inzwischen hat Gabriele Pauli ihr Ausstrittsschreiben auch auf ihren eigenen Webseiten dokumentiert. Mein Parteibuch hat sich die Mühe gemacht, mal nachzuschauen, was bei Spiegel Online fehlt. [...]

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