Alarmglocken

Die oben genannten schrillen bei mir immer, wenn ich lese, dass sich die Politik eines Themas annimmt. Wenn es dann noch die EU-Bürokratie ist, sehe ich nicht mal mehr schwarz sondern lieber gar nicht mehr hin.

Jetzt möchten die Eurokraten Kleinstkredite fördern (siehe Meldung bei Polixea). Wetten, dass zum Schluss nicht so etwas schlankes und feines herauskommt wie z.B. Kiva sondern ein Regulationsgemenge mit eingebauter Steuergeldverschwendung, hochdotierten Sonderkommissaren, bei maximaler Umgehung nationaler Entscheidungsebenen?

Wer hält dagegen?

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7 Kommentare zu “Alarmglocken”

  1. Dirk
    21.11.2007 | 14:54

    Was sollen überhaupt Kleinstkredite in Europa sein? Hier hat doch jeder eine Bank direkt um die Ecke und bekommt einen Kredit, wenn er die entsprechende Bonität besitzt (in den USA ging es anscheinend sogar ohne). Wozu braucht es da einen Minderheitenrabatt beim Zins oder Ähnliches. Als ob private Banken Minderheiten diskriminieren.

    Das einzige Problem, das bleibt, ist vielleicht die unvollständige Information. Banken wissen nicht genau, wie Kreditwürdig ich bin und müssen deswegen einen Risikoaufschlag berechnen, welcher mich eventuell davon abhält, den Kredit zu nehmen. Aber der Staat hat genau das gleiche Problem.

  2. Dirk
    21.11.2007 | 14:57

    Wieso ist dafür überhaupt die EU zuständig? Ist Subsidiarität ein geltendes Prinzip, dann müssten dies von en Kommunen entscheiden. Alleine diese ständige Ansammlung von Kompetenzen, die ihr gar nicht zustehen, ist ein Grund aus ihr auszutreten.

  3. 21.11.2007 | 14:58

    So weit ich das aus dem Bereich der Entwicklungsländer weiß, liegt das Problem nicht bei den Zinsen (die sind bei den Mikrofinanzinstituten wohl auch nicht geringer) sondern darin, dass bestimmte Kleinkredite überhaupt nicht vergeben werden, wenn die Bonität fehlt.

    Wie das hierzulande ist, weiß ich nicht, weil mir die Bonität zum Glück noch nie gefehlt hat, wenn ich mal einen Kredit brauchte.

  4. 21.11.2007 | 15:05

    Subsidiarität scheint mir ja nun schon lange kein Prinzip mehr zu sein, dem auf europäischer Ebene größere Bedeutung beigemessen wird.

  5. 21.11.2007 | 20:04

    So weit ich das aus dem Bereich der Entwicklungsländer weiß, liegt das Problem nicht bei den Zinsen (die sind bei den Mikrofinanzinstituten wohl auch nicht geringer) sondern darin, dass bestimmte Kleinkredite überhaupt nicht vergeben werden, wenn die Bonität fehlt.

    Das ist für mich gleich. Kreditgeber und -nehmer können sich nicht über die Konditionen (Preis=Zins) einigen. Übrigens ist die Leihbereitschaft der Bank umso größer, je höher der Anreiz/Druck/Zwang des Schuldners ist, den Kredit zurückzuzahlen. Da die meisten nichts zu verlieren haben, kann dieser Anreiz nur aus Gefängnis bestehen. Die mittellosen Kreditnehmer sollten also ein Interesse an restriktiver Handhabung von Schuldnern haben. (Habe mal als böser Neoliberaler spaßeshalber (!) vorgeschlagen, einen Kreditvertrag mit der Klausel “zahlst Du nicht, dürfen wir Dich foltern” auszustellen. Um die so erworbenen “Folterrechte” dann an “interessierte Europäer” zu verkaufen. Natürlich nur an solche, die von dem Recht Gebrauch machen, sonst würde die Drohkulisse ja schnell zusammen fallen. Mit diesem Geschäftsmodell kann man sich dann bei Sabine Christiansen als Wohltäter feiern lassen. Hätte ich riesen Spaß bei. “Ich verstehe die Aufregung nicht. Wir helfen den Armen. Denn nur durch uns kommen sie an Kredite. ” )

    PS: Ich halte nicht dagegen. Über das Ausmaß des Misserfolgs können wir allerdings noch diskutieren. Wird es UN Niveau erreichen (=1 UN)?

  6. 21.11.2007 | 22:31

    Kreditgeber und -nehmer können sich nicht über die Konditionen (Preis=Zins) einigen.

    Das ist eben doch was anderes. Bei angenommener mangelnder Bonität wird erst gar kein Angebot gemacht. Es ist auch deutschen Kleingewerbetreibenden nicht unbekannt, dass an sie kleine Kredite grundsätzlich nicht vergeben werden (im Gegensatz zu Konsumentenkrediten).

    Übrigens ist die Leihbereitschaft der Bank umso größer, je höher der Anreiz/Druck/Zwang des Schuldners ist, den Kredit zurückzuzahlen.

    Solche Gedanken muss sie sich gar nicht machen, wenn sie sich die üblichen Zugriffsrechte gesichert hat. Was der Regelfall ist.

    Die bisherigen Anbieter von Kleinkrediten rechnen übrigens damit, dass die meisten Menschen ehrlich sind. Nicht zu Unrecht offensichtlich.

  7. 22.11.2007 | 10:07

    Das ist eben doch was anderes.

    Aus meiner Sicht schon. Es kommt aber immer auf den Blickwinkel an. Betrachtet man das ganze als Betriebswirt aus Sicht des Unternehmens, der sich im Einzelfall über das nicht gemachte Angebot ärgert, oder aus Sicht des Volkswirtschaftlers in der Gesamtheit. Letzterer würde sagen, dass unter bestimmten Umständen der Markt zusammenbricht. Sprich: Ein höherer Zins führt zu einer starken adversen Selektion , die (“Wenn der meinen hohen Zins “) den Vorteil des höheren Zinses wieder zunichte macht. Kurz: Es gibt keinen Gleichgewichtspreis.

    Solche Gedanken muss sie sich gar nicht machen, wenn sie sich die üblichen Zugriffsrechte gesichert hat. Das geht aber nur, wenn man die entsprechenden Sicherheiten/Einkommen hat. Hat man sie nicht, ist der Verlust bei Nichtrückzahlung nicht so groß, damit der Anreiz klein und das Risiko für die Bank groß, weswegen sie den Kredit gar nicht erst vergibt.

    Was der Regelfall ist. Eben.

    Die bisherigen Anbieter von Kleinkrediten rechnen übrigens damit, dass die meisten Menschen ehrlich sind. Sie bauen vor allem auf das soziale Ansehen als Sicherheit. So werden die Kredite oft an Gruppen von mehreren (nicht zuvielen) Leuten vergeben, die sich dann gegenseitig überwachen. Zahlen sie nicht zurück, fallen sie tief. Aber stimmt schon, soziales Ansehen ist ein Phänomen, das von Ökonomen besser verstanden werden muss.

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