Tagesrückblick

Für einen Blogger, der sich zu politischen Themen äußert, ist es völlig normal, an Tagen auch mal gar nichts zu bloggen. Nicht alle Säue, die von den Medien durchs Dorf gejagt werden, locken einen abgeklärten Beobachter hinter dem Ofen hervor, und nicht immer findet man genug Antrieb und Muße für berühmt-berüchtigte Grundsatzartikel. Die Nachrichten des heutigen Tages tragen mit ihrem vor allem “unpolitischen” Charakter bereits einen Hauch Wahlkampf mit sich: Ob die Union sich über ein missglücktes Thierse-Zitat echauffiert und gut islamistisch Entschuldigungen einfordert, oder ob sich ein Monopolist mit Arbeit”nehmern” streitet, die dafür kämpfen, dass man sie überflüssig mache – die wenig bissige, aber um so liberalere Reaktion kann da nur ein “macht doch, was ihr wollt, denn ich mache auch, was ich will” sein. Mich grausts zwar ein wenig vor dem Bullshit, den die pünktlich zur Bundestagswahl wieder überall aufpoppenden parteikämpferischen Blogs verzapfen werden, aber wir inzwischen ergraute Kämpen in allen Lagern sind ja mittlerweile auch schlauer geworden, was die Einordnung von Freund und Feind betrifft.

Aber zum Glück gibt es Blogs, und statt dass man sich selbst produziert (was ich Diva[1] ja doch wieder tue), kann man ja einfach mal nur ganz ohne Neid auf gelungene Beiträge von Leuten verweisen, die zumindest heute etwas besser gemacht haben als man selbst. Et voilà:

SteffenH in “Mit dem Kopf voran” blamiert einen der bekanntesten Ökonomen Deutschlands. Und womit? Mit Recht!

Tyler Cowen von “Marginal Revolution” erklärt uns, warum miese Bankbilanzen in Folge der Subprime-Krise etwas Gutes sind.

Zettel verbeißt (sehr sympathisch!) sich in seinem Raum in den Außenminister und designierten Vizekanzler Steinmeier. Und lässt nicht locker.

NUB räumt mit dem eigenartigen Wunsch auf, Opfer der Mehrheitsgesellschaft zu sein.

Lesebefehl!

[1] (Auch) Ein PLL[2]-Insider
[2] Die PLL, die “Progressiven Linksliberalen” war eine, nein: die beste, Partei bei dol2day, als es noch spannend war

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24 Kommentare zu “Tagesrückblick”

  1. 16.11.2007 | 11:07

    Thierses verletzendes Geschwätz als missglückt zu bezeichnen, finde ich etwas zu mild. Natürlich ist der Ruf nach Entschuldigung auch ein Stückchen Unpolitik. Aber in einem solchen Fall ist die Erwartung, dass um Entschuldigung gebeten wird, auch berechtigt.

  2. R.A.
    16.11.2007 | 11:08

    > Die PLL, die
    > “Progressiven
    > Linksliberalen”
    > war eine, nein:
    > die beste, Partei
    > bei dol2day
    Da muß ich natürlich widersprechen.
    Wie die FPI konnte die PLL nie unterscheiden, was liberal und was nur normaler linker Stammtisch ist.

    Linksliberal ist eben keine Mischung aus etwas liberal und etwas rot/grün.

    Aber ansonsten volle Zustimmung zum eigentlichen Beitrag.

  3. dagny
    16.11.2007 | 16:17

    Dagny widerspricht was die PLL angeht. Die beste ‘Partei’ war selbstredend die LIBRE.

  4. 16.11.2007 | 22:18

    Den Lokführerstreik halte ich durchaus für “politisch”.

    Angeblich geht es den Lokführern nur um ein “Partikularinteresse” (als ob es etwa Mehdorn auf des “Gemeinwohl” ankäme – na ja).
    Tatsächlich ist der Streik ein gutes Beispiel dafür, wie das Partikularinteresse dem dem Gemeinwohl einer aufgeklärten, offenen Gesellschaft dienlicher sein kann, als ein von einem Klüngel aus (Un-)Politikern, DB-Topmanagement und sich ihren Mitgliedern längst nicht mehr verpflichtet führenden Großgewerkschaften definiertes (Pseudo-)Gemeininteresse.

    Die GDL macht sich sogar um die Gewerkschaftsbewegung insgesamt verdient, auch wenn die munter mitklüngelden und sich selbst gern als Selbstzweck (und nicht etwa als reine Interessenvertretung der Arbeitnehmer) sehende DGB und Transnet davon nichts wissen wollen. Sie zeigt, was “kleine” Gewerkschaften erreichen können – nämlich, für die Arbeitskraft ihrer Mitglieder einen unter “Marktgesichtspunkten” besseren Preis herausholen, als es der “Einheitstarifvertrag” ihnen zumutet.

    Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass die öffentliche Meinung (nicht zu verwechseln mit den Kommentaren einiger “Leitmedien” das trotz der Behinderungen des Bahnverkehrs immer noch viel Verständnis für die GDL und ihre Forderungen hat. “Partikularinteresse”, sofern sie gut begründet sind, können offensichtlich mehrheitsfähig gegenüber “Gemeinnutz-geht-vor-Eigennutz”-Parolen sein.

  5. 16.11.2007 | 22:39

    @MartinM

    Ich will dir gerne erläutern, warum ich das DB-Tarifgeplänkel unter “Unpolitik” einordne.

    Das beruht vor allem auf dem Gegensatz “DB-Management gegen GDL-Funktionäre”. Ich habe für keine der beiden Seiten eine besondere Sympathie, aber ich beanspruche, ökonomisch denken zu können. Daher ist für mich die Forderung der GDL eine nach Selbstabschaffung: Kurzfristig lässt sich alles als Erfolg verkaufen, aber wenn langfristig die Anpassungen an die neuen Gegebenheiten sichtbar werden, kann und wird sich das Bild drehen.

    Je höher also der “Erfolg” der GDLer ausfallen wird, um so mehr wird sich der Ersatz von Mensch durch Maschine rentieren. Das aber ist kein Kriterium der Gewerkschaftsführung, also geht es hier nur um “Unpolitik”.

    Und je mehr Geld die DB fürm ihre Dienstleistungen verlangen muss, weil ihre Lohführer so doll kämpferisch waren, um so mehr rentieren sich alternative Transportmethoden.

    Ich habe nix gegen die GDL. Es ist legitim, dass Menschen versuchen, für sich ein Maximum herauszuholen. Nur darf man vielleicht darauf hinweisen, dass jede Maßnahme zu Reaktionen führt.

  6. 16.11.2007 | 23:04

    @Boche

    Kohl bestätigt meine Einschätzung.

    @R,A,

    Wie die FPI konnte die PLL nie unterscheiden, was liberal und was nur normaler linker Stammtisch ist.

    Du wirst wohl nie begreifen, warum man das als Plus empfinden kann ;-)

    @dagny

    Warst du mal Mitglied in der PLL? Ich frage nur wegen der Waffengleichheit, da ich ja schon mal in der LIBRE war.

  7. 16.11.2007 | 23:53

    @Rayson

    Tut er nicht. Er sagt ja nichts zum Vorgang selbst. Die Entschuldigung anzunehmen ist auch das Sinnvollste, was er sonst noch tun kann. So wahrt er gegenüber dem Zwerg seine relative Größe.

  8. dagny
    17.11.2007 | 0:29

    Wenn ich mich richtig erinnere, war ich eine Weile in der PLL. (Aktiv waren die damals schon, dass muss man den Heuschrecken Dols lassen).

    @Bahn
    Leider sind die Waffen nicht gleich verteilt. Wenn es einen Wettbewerb bei den Gewerkschaften gibt, wenn eine Kleingewerkschaft ein Unternehmen lahmlegen kann, dann muss das Unternehmen das Recht haben, Mitglieder einer Gewerkschaft diskriminieren zu dürfen (=nicht einstellen) und streikende ggf entlassen. Auch müsste der Inhalt des Streikrechts im Arbeitsvertrag geregelt werden.

  9. 17.11.2007 | 10:50

    @ Rayson 16.11.2007 | 22:39

    Wieviele Jahre könnten die Lokführer rausschinden wenn sie zurückhaltend bei Lohnforderungen wären? Oder allgemeiner gefragt: Wie kann ein Arbeitnehmer zu realistischen Einschätzungen kommen in wievielen Jahren sein Arbeitsplatz automatisiert werden kann und damit wegrationalisiert werden kann?

  10. 17.11.2007 | 13:24

    @Bahn: ich halte die Lohnforderungen der GDL nicht für “unrealistisch”, sie würden sich, wenn sie ihr Maximalziel erreichen, immer noch im Bereich der üblichen Facharbeiterlöhne.

    Der Einsatz von vollautomatischen Zugsystemen wird noch einige Jahre auf sich warten lassen; die Züge müssen ja auch *sicher* unterwegs sein. Technisch ist es übrigens einfacher, einen ICE als eine Nebenstreckenlok zu automatisieren.

    Ich kenne die Kalkulationen der DB für ihre Dienstleistungen nicht, aber der Anteil der Löhne der Lokführer dürfte ein eher untergeordneter Posten sein.

  11. 17.11.2007 | 15:57

    @Klaus, Martin

    Es wäre naiv anzunehmen und erforderte die Ignoranz simpelster ökonomischer Grundaussagen, man könne den Preis einer Dienstleistung um einen hohen zweistelligen Prozentsatz nach oben schrauben, ohne dass dies Konsequenzen für die Nachfrage nach dieser Dienstleistung hätte.

    Auch Automatisierung ist nicht nur eine Frage der technischen Möglichkeit, sondern mindestens ebenso der Wirtschaftlichkeit. Ich weiß nicht, wann es zu automatischen Zugsystemen kommen wird. Ich weiß aber, dass die GDL die Aussicht auf diese für die Bahn attraktiver gemacht hat. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Anteil der Lokführerlöhne an den Gesamtkosten ist: Wirtschaftliches Handeln besteht aus dem konsequenten Vergleich von Alternativen.

    Unternehmen werden das Risiko, ihre Güter mit der Bahn zu versenden, neu bewerten. Als Ergebnis dieser Bewertung, auch dazu muss man kein Prophet sein, wird die Nachfrage nach Transporten durch die Bahn abnehmen, selbst wenn sich an den Preisen für sie nichts ändern sollte. Das sind gute Nachrichten für die vielen Spediteure in Deutschland. Es werden künftig also auch weniger Lokführer gebraucht werden.

  12. 17.11.2007 | 16:46

    @ Rayson
    Angenommen alle Beteiligten wüssten um die ökonomischen Grundlagen und Konsequenzen. X sei der Zeitpunkt der Einführung der Automation bei einem großen Schluck aus der Pulle und Y der Zeitpunkt der Einführung bei Lohnzurückhaltung. Ich glaube nicht, dass wenn die Differenz Y-X nicht null ist, automatisch daraus folgt, dass die Lokführer Lohnzurückhaltung üben müssen, es kann durchaus rational sein so viel wie möglich “rauszuholen”. Man nehme nur mal an X sei 2017 und Y sei 2018, dann wäre es ziemlich schwer einem Lokführer zu verklickern, dass für ihn Lohnzurückhaltung besser wäre. Wie müssten die Lokführer handeln wenn sie X und Y (in Abhängigkeit vom Lohnzuwachs) gar nicht einschätzen können? Was der Realität näher kommen dürfte …

    (Ich glaube ohnehin, dass die Lokführer nur ihre letzte Chance wahrnehmen um dem Steuerzahler noch mal eine dicke Rechnung zu präsentieren)

  13. 17.11.2007 | 17:15

    @Klaus

    Na klar, und wenn ich mir anschaue, welcher Altersklasse viele der Streikfreudigen da so angehören, dann werden sie die Folgen ihres Handelns sowieso nur vom Sofa des Altersheims aus erleben… Aber es gibt ja nicht nur die.

    Handeln unter Unsicherheit in komplexen Zusammenhängen – da gibt es ein paar Hinweise, was man besser tut und was man besser unterlässt. Graduelles Vorgehen gehört zu den empfohlenen Dingen.

    Übrigens bin ich gar nicht mal so sehr der Meinung, dass es die Lohnforderung allein ist, mit der sich die Lokführer langfristig ins eigene Fleisch schneiden, sondern vor allem die Bereitschaft, zu deren Durchsetzung massive Schäden der gesamten Wirtschaft zu verursachen. Es gibt ein paar Dinge, die man nur einmal mit sich machen lässt.

  14. 17.11.2007 | 18:19

    Dass die Altersstruktur eine Rolle spielt dachte ich mir schon, aber was soll der Nebensatz mit dem Sofa? Ein verschluckter Appell in Richtung der Lokführer in Sachen Solidarität und sozialer Gerechtigkeit? Bitte nur ökonomische Gesichtspunkte!

    Mein Verdacht ist, dass graduelles Vorgehen gerade nicht die optimale Strategie darstellt, denn die Differenz X-Y wird sehr klein sein und wegen der exponentiellen Entwicklung von Technologie auch bei größeren Lohnzuwächsen nur wenig größer werden.

    Dass mit den gesamtwirtschaftlichen Schäden kann man genauso gut dem Bahnvorstand entgegenhalten. Um weitere Schäden für die Wirtschaft zu vermeiden müssten sie nur den Forderungen der Lokführer nachgegeben.

  15. 17.11.2007 | 19:37

    Die PLL lebt, denke ich, in den Heren weiter wie kaum eine andere Partei – abgesehen vielleicht von der BLÖDSAU. Einmal Heuschrecke, immer Heuschrecke.

  16. 17.11.2007 | 21:05

    @Klaus

    Deine “Differenz X-Y” wird eben sehr von den Lohnzuwächsen bestimmt. Technik entsteht nicht aus Zufall.

  17. 17.11.2007 | 21:10

    Dass mit den gesamtwirtschaftlichen Schäden kann man genauso gut dem Bahnvorstand entgegenhalten.

    Was heißt “entgegenhalten”? Ich habe keinen Bock auf unpolitische Spielchen. Vielleicht ist es dir entgangen, dass ich gar nicht urteile, sondern alleine die Folgen betrachte.

  18. 17.11.2007 | 21:22

    @ Rayson
    Ich glaube dies eben nicht. Computertechnik die heute noch sehr teuer ist, ist morgen schon erschwinglich und übermorgen für jedermann billig zu haben. Ok, ich bin hier noch von Kurzweils Buch beeinflusst, aber prinzipiell gilt das auch für komplexe IT-Projekte.

    Viele für diese Automatisierung notwendigen Komponenten werden entwickelt, auch wenn die Lokführer ab jetzt mit Nullrunden einverstanden sind. Die Technik entwickelt sich stürmisch weiter egal was die Lokführer machen.

  19. 17.11.2007 | 21:30

    @_Corny

    Yeah!

  20. 17.11.2007 | 21:34

    Übrigens bin ich gar nicht mal so sehr der Meinung, dass es die Lohnforderung allein ist, mit der sich die Lokführer langfristig ins eigene Fleisch schneiden, sondern vor allem die Bereitschaft, zu deren Durchsetzung massive Schäden der gesamten Wirtschaft zu verursachen. Es gibt ein paar Dinge, die man nur einmal mit sich machen lässt.

    1. Noch kann man nicht von massiven Schäden sprechen
    2. Streiks gibt es nun mal nicht zum Nulltarif, in Deutschland sind wir nur streikentwöhnt
    3. Wer ist eigentlich “man” im oben zitierten Abschnitt?

  21. 17.11.2007 | 22:25

    @Boche

    Musst Du nicht “Oui” sagen?

  22. 17.11.2007 | 23:46

    @_Corny

    Ich will unerkannt bleiben. ;-)

  23. 18.11.2007 | 1:43

    Streiks gibt es nun mal nicht zum Nulltarif

    Richtig.

    in Deutschland sind wir nur streikentwöhnt.

    Und?

    Wer ist eigentlich “man” im oben zitierten Abschnitt?

    Vor allem die Bahnkunden.

  24. 18.11.2007 | 11:37

    Nein, ich lasse mich nicht auf dieses Niveau runterziehen ;-) und verweise deshalb nochmal auf meinen Kommentar – vielleicht kann mich einer der “Wirtschaftsweisen” hier mich erleuchten.

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