8. November 2007
Ausflug in die Unpolitik
Das, was den parteibewegten Politiker so umtreibt, ist meine Sache nicht. Ich nenne das “Unpolitik” – der Ersatz von Politik durch das Wohl und Wehe von Parteien. Als Boche und ich 2005 von Dol2day zum Bloggen kamen, erst getrennt, später zusammen, da summte und surrte es in der deutschen Polit-Blogosphäre. So sehr, dass jede Annahme, es könne unmöglich etwas mit der Bundestagswahl in diesem Jahr zu tun gehabt haben, auch für den Laien noch unglaubwürdiger erscheinen müsste als die Jungfrauengeburt (so vergleicht man richtig, Herr Niebel!).
Man setze nur den Zustand vom Herbst 2005 mit dem Zustand vom Herbst 2007 in Beziehung – auf meinem Radar ist die Anzahl der aktiven politischen Blogs, die seitdem hinzugekommen sind, an den Fingern einer Hand abzuzählen, aber die Zahl der verschwundenen oder nicht mehr gepflegten Auftritte geht deutlich ins Zweistellige. Ein Verlust ist das nicht – das meiste, was da verschwand, bestand aus Parteiapologeten, die irgendeiner Seite zum “Sieg” verhelfen wollten. Es wird mir auf immer und ewig ein Rätsel bleiben, wie sich Unbeteiligte die Einkommensinteressen von Parteifunktionären zu eigen machen können, aber nun gut, so tickt nun mal das deutsche politische Tier.
Uns wird das wieder bevorstehen. Aber ich würde gerne in dieser Atempause die Gelegenheit nutzen, eins der unpolitischen Mechanismen vorzustellen, und zwar an einer Person, mit der mich überhaupt nichts, und schon gar nicht ein Anflug von Sympathie, verbindet: Claudia Roth.
Wie titelt die “Welt” heute?
Roth vergleicht Äußerung von Mixa mit Pol Pot
Was macht eine “aufklärerische” Seite wie PI daraus?
Roth zieht Vergleich zwischen Mixa und Pol Pot
Für den des Deutschen mächtigen Leser ist offensichtlich, dass sich die beiden Überschriften in ihrer Aussage unterscheiden. Für den Rest der Bevölkerung, also die anderen 90%, sind die Aussagen deckungsgleich.
Aber was hat die Claudia denn gesagt? Das:
Wörtlich sagte die Grünen-Politikerin: “Er redet von Umerziehungslagern, da fällt mir Pol Pot ein.”
Ich kann verstehen, dass jemandem Pol Pot einfällt, wenn von Umerziehungslagern die Rede ist. Wegen der Umerziehungslager natürlich, nicht wegen dem, der auf sie zu sprechen kommt. Was die gute Claudia also nach allen Regeln der Logik aussagen wollte, war, dass sie den Begriff “Umerziehungslager” angesichts dessen Realisierung unter Pol Pot für der Sache nicht angemessen betrachtet. Wer wollte ihr da widersprechen?
Die “Welt” formuliert schon zwiespältig. Bewusst? “PI” macht daraus den Skandal, ohne den es nicht existieren will. Bewusst.
Verfasst von Rayson um 21:17 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Kultur, Politik (Trackback)
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