Die Autonomen in der “ef”

In der neuesten “eigentümlich frei”, zu deren Titelbild und Aufmacher nicht nur mir die Worte fehlen, ist auch ein aus meiner Sicht interessantes Interview mit Claus M. Wolfschlag enthalten, wo dieser sich über die “Autonomen” auslässt.

Ich muss gestehen, dass mir bei der Lektüre automatisch ein paar konkrete Blogger vor Augen traten. Schande über mich.

Was der lesenswerte Klassenfeind Che zu diesem Interview sagt, würde mich aber wirklich interessieren.

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38 Kommentare zu “Die Autonomen in der “ef””

  1. e.r.
    31.10.2007 | 19:48

    so sehr ich einzelnen im interview geäusserten beobachtungen voll zustimme, sieht man sich mal die website (tschuldigung: weltnetzseite: http://www.clauswolfschlag.gmxhome.de) des doktors an wird klar, dass wer von “freiheit” faselt nicht kosmopolitischen liberalismus (beispielsweise den eines adam smith, dessen utopie hier nicht kritisiert werden soll) meint, sondern “von Nationalrevolutionären, Jungkonservativen, Völkischen, Bündischen sowie Deutsch-Nationalen” spricht.

    diese von der evolution hoffentlich bald ausgerottete spezies will schließlich auch mal was sagen dürfen, ohne aufs maul zu bekommen.

  2. 31.10.2007 | 20:06

    @e.r.

    Mir geht es da ja auch weniger um die Ideologie, der ein Herr Wolfschlag anhängt, als um die, der er beschreibt.

    Nichtsdestotrotz bin ich natürlich dem Link gefolgt und entdecke da vieles, was nicht so mein Ding ist, aber meinst du denn wirklich, dass allein der Titel einer Magisterarbeit in Geschichtswissenschaften die Meinung seines Autors zusammenzufassen geeignet ist? Oder wolltest du nur ein wenig denunzieren?

  3. e.r.
    31.10.2007 | 20:50

    wollte ich :) , da ich das interview sympathisch fand und dann vom rest sehr enttäuscht war. nun kenne ich die arbeit nicht, mit der der autor nicht einfach seinen universitätsabschluss gemacht hat, sondern die “Würde “Magister Artium”" erlangte, und will ihm hier nicht unbelegt revanchismus unterstellen.

    eine ähnlich diskussion hattet ihr ja kürzlich über malthus, also lass uns das hier nicht aufwärmen.

    wollte nur auf den background des interviewten hinweisen, was vielleicht nicht ganz unwichtig ist.

  4. 31.10.2007 | 21:31

    Sehr interessantes Interview. Vielleicht sollte ich die ef doch abonnieren. Die politische Korrektheit mit ihrem Zwang alles und jeden lieb zu haben ist eine plausible Erklärung für linke UND rechte Gewalt. Wenn die Theorie stimmt – und m.E. spricht vieles dafür – dann wird man mit AD Gesetzen und PC genau das Gegenteil von dem gewollten erreichen (Blogs wie PI z.B. (-:) und es zeigt sich einmal mehr die Überlegenheit des Liberalismus: Wir müssen uns nicht alle lieb haben, sondern nur gegenseitig unser Eigentum respektieren. Vielleicht in den Worten von Mr Garrison:

    Tolerant, but not stupid! Look, just because you have to tolerate something doesn’t mean you have to approve of it! If you had to like it, it’d be called the Museum of Acceptance! [the audience looks on] “Tolerate” means you’re just putting up with it! You tolerate a crying child sitting next to you on the airplane or, or you tolerate a bad cold. It can still piss you off! Jesus Tapdancing Christ!

    @Rayson

    Offenbar hast Du die Kerner Sendung nicht gesehen.

  5. 31.10.2007 | 21:43

    @Dirk

    Ich habe sie nicht gesehen und verlasse mich da ganz und gar auf die Wiedergabe meines Kollegen Boche.

  6. 31.10.2007 | 21:58

    Ich will die Diskussion nicht wieder starten. Dennoch: Was ist am ef Cover auszusetzen?

  7. 31.10.2007 | 22:31

    Zu Wolfschlag: “He is not quite my cup of tea”. Aber das tut nichts zu Sache. Und das ich mit seiner durchscheinenden und auf seiner Website deutlich werdenden politischen Meinung nicht im Geringsten übereinstimme, sollte auch nichts zur Sache tun.

    Zum Text
    Dieser Aussage könnte ich zustimmen:
    “Eine Gesellschaft, die sich immer stärker globalisiert, die die Aufgehobenheit in einer Heimat scheinbar nur noch im Fußballstadion
    ermöglicht, fördert die Entfremdung von sich und die Bildung abgeschotteter Subkulturen, die Gemeinschaft in Form des alten Stammesdaseins wieder aufleben lassen.” – Wobei ich diese Entwicklung nicht nur negativ sehe. Das Modell “Stamm” ist richtig verstanden eine attraktive Alternative zur Vereinzelung wie zu überkommenen hierarchischen Strukturen. Aber die einige Sätze später fallende Bemerkung: “Das ist alles möglicherweise auch eine hormonelle Geschichte” macht es mir schwer, ihm zuzustimmen. Da klingt er wie ein ältlicher konservativer Mann, der von Halbstarken und Entwicklungsphasen, die sich hoffentlich auswachsen, aber die diese linken Polit-Rocker wohl nie überwunden hätten, quasselt. (Die Bemerkung eine Biologisierung zu nennen, tut ihr zu viel Ehre an. Wolfschlag als vorurteilsbeladener Ultra-Konservativer, der vielleicht wirklich ist.)

    Rayson sprach von konkrete Bloggern, die ihm vor Augen traten. Ich gebe zu – solche Menschen, wie sie Wolfschlag hier beschreibt, kenne ich auch. Nicht alle sind Blogger.
    “In autonomen Kreisen bewegen sich einerseits Menschen, die immerhin ein gewisses kritisches Bewusstsein besitzen, andererseits aber auch oft Leute mit einem begrenzten selbstkritischen Reflexionsvermögen.
    Das eigene Sein und Tun wird hier tendenziell wenig in Frage gestellt. Stattdessen werden innerseelische
    Konflikte gerne nach außen exportiert. Schuld am eigenen
    negativen Empfinden und Befinden trägt man also nie selber, sondern stets „die Gesellschaft“, „die anderen“ oder „der andere“.”
    Natürlich gibt es diese Menschen nicht nur in der autonomen Szene; ich vermute, dass diese Haltung z. B. unter den “Aktiven an der Basis” fast aller politischen Partei zu finden sein dürfte, auch in Bürgerinitiativen und Vereinen ist er nicht selten, unter politisierenden Journalisten und politischen Bloggern sogar ausgesprochen häufig. Das entscheidende Merkmal ist die fehlende Bereitschaft, selbstkritisch zu sein und Kritik ertragen zu können: ein Typ Mensch, der gerne austeilt und nicht einstecken kann. Namen nenne ich absichtlich nicht.

    Auch mit dieser Beobachtung hat er natürlich recht: “Antifa” ist vor allem Pop, Lifestyle. Und zwar nicht erst heute. Was ich trotz etlicher Freizeitrevoluzzer und “erst handeln, dann denken” Antifa-Aktionisten, die ich kennenlernen “durfte”, an sich nicht schlimm finde. Auf alle Fälle ist ein “Antifa”-Lifestyle demokratieverträglicher als “Fascho-Lifestyle”, selbst wenn der nur gespielt sein sollte.
    Das Problem sehe ich weniger in den Ritualen einer Subkultur, sondern bei der auch durch Gruppendruck verstärkten Ideologisierung, die leider bei nicht wenigen es “gut meinenden” “Antifanten” zu einer Mischung aus Tunnelblick und Schwarz-Weiß-Denken führt: ich weiß aus Erfahrung, wie schwer es ist, solche Menschen davon zu überzeugen, dass man *nicht* zu den bösen “Faschos” gehört, auch wenn man zufällig einige Merkmale der “Feindgruppe” aufweist.

    Wo Wolfschlag den sich vor Eifer überschlagenden Verfechter der “political correctness” beschreibt, beschreibt er meines Erachtens den klassischen autoritätshörigen “Polizist spielenden” (deutschen) Spießer in moderner Ausführung. Mit “linker” Gesinnung hat das allenfalls am Rande zu tun. Für den Satz: “Da diese politische Korrektheit auch die
    Selbsterhaltungskräfte schwächt, kann man sie durchaus als eines der Phänomene einer Untergangsgesellschaft
    einstufen” könnte ich Wolfschlag eine pfeffern. “Untergangsgesellschaft” – geht es noch ein bisschen schrecklicher, vielleicht gleich “Weltuntergang”? Ich vermute, aber das vermute ich nur, dass Wolfschläger extreme p.c. für einen Ausdruck des Selbsthasses hält. In den meisten Fälle dürfte es aber nur eine Mischung aus Übereifer, Lust daran “p.c.-Polizei” spielen zu dürfen und unkritischer Autoritätshörigkeit sein (jemand *behauptet* etwa, Eskimo sei für die Inuit ein furchtbares Schimpfwort, diese (falsche!)Behauptung wird auch von nicht p.c.-fanatischen Menschen übernommen und weiterverbreitet).

    “Das heißt, wo zum Beispiel der Staat irgendwelchen „Rechten“
    zähneknirschend das Versammlungs- oder Demonstrationsrecht einräumt, wird mobilisiert, um das Recht in
    die eigene Hand zu nehmen.” – Ja, das stimmt. Aber: 1. Gegendemos usw. sind keine “Selbstjustiz”. Sie sind ein Recht. In einigen Fällen ist es, im Sinne einer demokratischen Gesellschaft, richtig und wichtig, intolerant und “böse” zu sein. (Das Poppersche Toleranz-Paradoxon: keine Toleranz für die Feinde der Toleranz.) Das es “Antifas” gibt, die über die Stränge schlagen, ist bekannt; es wäre aber fatal, wegen einiger gewalttätiger “Antifanten” die weit ins (links-)liberale Spektrum reichende, alles andere als ideologisch homogene “Antifa” zu kriminalisieren.
    “Man kann eben richtig die Sau rauslassen. Man kann Sachbeschädigungen begehen, Leute bestehlen, Büchertische zusammentreten, Fäkalien, Buttersäure
    oder Pflastersteine herumwerfen, andersdenkenden
    Menschen Eier auf den Kopf hauen oder eventuell gleich die Nase einschlagen. Und man bleibt dabei stets moralisch blütenweiß. Man hat einen schönen Adrenalinkick
    und das eigene Risiko dabei ist ausgesprochen gering.” Das trift auf eine fanatisierte Minderheit der “Antifa” leider zu. Allerdings auch für Schläger im Dienst anderer Ideologien (auf Neonazis sowieso). Die Probleme sind Fanatismus, Selbstgerechtigkeit und ideologischer Tunnelblick, nicht etwa eine “antifaschistische” Gesinnung.
    “Da wird dann nach illegalen Gewaltaktionen am nächsten Tag ein Zeitungsartikel übertitelt: „Junge Menschen demonstrierten
    couragiert gegen Nazi-Aufmarsch“.”
    Das kommt vor. Es kommt aber auch vor, und zwar gar nicht so selten, dass z. B. nach einer friedlichen Gegendemo gegen eine rechtsextreme Kundgebung ein einzelner Eiwurf nach der Veranstaltung in der Lokalpresse die Schlagzeile: “Nach der Demo die Randale” nach sich zieht.
    Was ich Wolfschläger, trotz seiner Intelligenz und seiner geschulten Beobachtungsgabe vorwerfe, ist der “Dreh” (oder “Spin”), den er den durchaus zutreffenden Beobachtungen gibt: er verallgemeinert Verhaltensweisen, die es unter “Antifas” zweifellos gibt, auf die gesamte “Antifa” – die wie gesagt weit ins “etablierte” politische Spektrum hineinreicht. Hingegen erscheinen die Gegner der “Antifa” eben als “Opfer”, die “nur ihre abweichende Meinung” kund tun wollen. Was u. A. auch der Selbstdarstellung der NPD in die Hände spielt.
    Was die Polemik gegen die gegen den G8-Gipfel Demonstrierenden angeht, zeigt sich Wolfschläger ziemlich ahnungslos:
    “In unserer globalisierten Welt sind die angeblichen Globalisierungskritiker also auch global vernetzt.” – Was erwartet er? Gruppen wie Attac könnten anders als als internationales Netzwerk gar nicht agieren. Ihre Kritik, ob berechtig oder nicht, gilt ja einem bestimmten Typ der Globalisierung (einer Globalisierung unter kapitalistischen Vorzeichen, was nicht heißt, dass alle “Attacis” Antikapitalisten wären). Bei “echten” Globalisierungsgegner sieht das anders aus, die sind entweder stramm eurozentrisch oder gleich ganz altmodisch nationalistisch – und in der Regel in keiner Weise “links” und bei “Attac” usw. ausgesprochen unbeliebt.

  8. 31.10.2007 | 22:32

    Den Untertitel “Volksgerichtshof” finde ich geschmacklos.
    Das Autobahn-Emblem dagegen durchaus witzig. Zumal ich das “Autobahn geht gar nicht” in der schrill-dummen Schreinemaker-Stimmlage höre…

    PS: Ich habe die Sendung auch nicht vollständig sondern nur in den entscheidenden Sequenzen als Video im Internet gesehen. (War ein Link-Tipp von R.A., wenn ich mich recht erinnere.)

  9. 31.10.2007 | 22:36

    @MartinM

    Ups, ich hoffe, ich habe da wirklich nur Doppeltes gelöscht?
    Das hing als Spam fest. Keine Ahnung warum.

  10. 31.10.2007 | 22:37

    Äh, ich sehe grade, da ist was schief gelaufen. Die “Fortsetzungen” können gelöscht werden, das mein langer Beitrag doch in einem Stück durchgegangen ist. :)

  11. 31.10.2007 | 22:38

    Ähm, was jetzt?

  12. 31.10.2007 | 23:01

    Den Untertitel “Volksgerichtshof” finde ich geschmacklos.

    Das ist Geschmackssache. Broder hat den Begriff auch verwendet. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Diskussion ist er sicherlich wenig klug. Dafür entspricht es umso mehr einem “Jetzt erst Recht und ich habe die Freiheit zum Nazi Vergleich – ätsch”. Also vielleicht ein wenig kindisch aber nicht geschmacklos.

  13. 31.10.2007 | 23:05

    Ich glaube, in Martins Sinne gelöscht zu haben.

  14. 31.10.2007 | 23:06

    Und im Übrigen finde ich bei ihm auch die Bedenken wieder, die ich eher initiutiv schon hatte.

  15. 31.10.2007 | 23:07

    @Dirk

    Mich stört, dass Dummbeutel zu Ikonen gemacht werden.

  16. 31.10.2007 | 23:16

    Seit der Kerner-Sendung (bzw. dem Teil, den ich gesehen habe) bin ich nicht mehr ganz so überzeugt, dass Frau Herman dumm ist. Gegen die anderen Gäste und den Gastgeber wirkte sie recht souverän.
    Zur Ikone gemacht werden sollte sie sicher trotzdem nicht. Vor allem nicht durch Propagandisten niedrigen Niveaus.

  17. 31.10.2007 | 23:21

    @Boche

    Nicht?

    Aus meiner Sicht hat sich das eher bestätigt. Was durch Kerner rauskam, war zwar für ihn und die sich an ihn anhängenden Kommentatoren (von denen es so viele gar nicht gibt), wenig schmeichelhaft, aber der Effekt wurde letztlich nur dadurch offensichtlich, dass da auf der anderen Seite ein Opfer war, das sich nicht richtig zu wehren imstande war.

  18. 31.10.2007 | 23:22

    Also Rayson, das ist nun wirklich unter Deinem Niveau.

    Was verabscheuen Sie am meisten?
    Wenn Menschen sich über andere Menschen erheben.

  19. 31.10.2007 | 23:24

    @Dirk

    Falscher Thread.

  20. 31.10.2007 | 23:27

    Also, ich finde, daß Wolfschlag ein wenig zu wehleidig ist, wenn es um die angebliche Herrschaft der political correctness geht. Was meine eigenen Erfahrungen angeht, so halte ich PC für ein ziemliches 90er-Jahre-Phänomen. Als ich in den 90ern studiert habe, ging mir das sehr auf die Nerven, die PC-Meinungspolizei und die PC-Schere im eigenen Kopf waren damals beide sehr präsent.

    Aber heutzutage merke ich davon nichts mehr. Man kann sogar in Vorlesungen sarkastische Seitenhiebe anbringen, die verstanden werden und über die sich niemand aufregt. Vielleicht liegt das ja sogar am segensreichen Wirken von Harald Schmidt. Oder einfach daran, daß ich nicht mehr soviel mit Soziologen und Geisteswissenschaftlern zu tun habe, wie zu Studienzeiten. ;-)

  21. 31.10.2007 | 23:29

    Aber ich weiß, was du meinst. Die Auflösung vom Besonderen zum Allgemeinen kriegst du gratis:

    Jeder Mensch hat sein Reich der Unwissenheit, vulgo Dummheit. Wenn er dort argumentiert, wird er unweigerlich ins Fettnäpfchen treten.

    Ich erhebe mich nicht über die Dame generell, aber ich erlaube mir festzustellen, dass ihre Behandlung der Frage, wie mit Familien umgegangen wurde, auf einer äußerst dürftigen Sachlage basiert.

    In der Frage, wie man im Fernsehen optisch am besten rüberkommt, wird sie mir definitiv voraus sein.

  22. 31.10.2007 | 23:30

    “du” = “Dirk”

  23. 31.10.2007 | 23:32

    @Rayson

    Ich hatte sie für dumm gehalten. Nach der Sendung hat sich die Meinung deutlich abgeschwächt. Sie hat sich durchaus besser geschlagen, als ich angenommen hatte.
    Aber diese Diskussion müssen wir meinetwegen nicht aufleben lassen. Ich muss jetzt auch ins Bett. Gute Nacht! ;-)

  24. 31.10.2007 | 23:34

    @Rayson

    Nö, bezog sich auf den “Dummbeutel”

    @Statler

    Aber heutzutage merke ich davon nichts mehr.
    Das liegt vermutlich an der sozialen Stellung. Als Dozent unter Studenten ist man ungleich angesehener als etwa ein Schüler. Machst Du die “Witze” in der Öffentlichkeit anstatt unter Studenten wird es vermutlich schon schwieriger.

  25. 31.10.2007 | 23:36

    Genau lassen wir diese Diskussion und ersparen Rayson das Zurückrudern. (-:

  26. 1.11.2007 | 11:31

    Selten so gelacht. Das Duisburger DISS als Scharnierstelle le zwischen Wissenschaftsbetrieb, Grünen und militanten Autonomen, auf solch einen Schwachfug muss man erstmal kommen.Das wäre so, wie zu behaupten, die juristische Fakultät der Uni Göttingen sei eine Institution der Neuen Rechten, und das dann damit belegen, dass es dort Staatsterechtler in der Tradition Carl Schmitts gibt, oder die private Hichschule Ingolstadt-Eichstädt als Organ der Inquisition zu bezeichnen, weil sie mit der katholischen Kirche und den Jesuiten verbunden ist. Insgesamt macht der Autor nichts Anderes, und zwar bis in die Formulierungen hinein, als die Argumentation von Wolfgang Gessenharter von der Hochschule der Bundeswehr umzudrehen, der sich mit der Verbindung zwischen Neuen Rechten und gesellschaftlichem Establishment beschäftigt hat und das Ganze auf die Autonomen umgedreht. Ich setze mich gerne einmal ausführlicher mit diesem Text auseinander, aber vor dem Wochenende komme ich sicher nicht dazu. Bemerken möchte ich allerdings schon, dass da auch rechte Verschwörungstheorie drin steckt, z.B. hinsichtlich der Unterscheidung zwischen “Autonomen” und “Ideologen des Überbaus”. Und ansonsten hat Statler schon mit seinem Hinweis darauf recht, dass political correctness hier in einer Weise verwendet wird, die wohl nur auf die Zeit von 1988 bis 1999 Sinn macht.

  27. 1.11.2007 | 13:12

    @Che

    Merci, eine ausdührliche Abhandlung hatte ich auf die Schnelle auch nicht erwartet.

    Was ich am Text interessant fand, war auch weniger das “Aufdecken” von angeblichen Verbindungen (immer dieser Wille, zu etikettieren statt zu debattieren…) oder Verschwörungen, sondern eher die Typisierung der Personen, die es in dieses Spektrum zieht, und ihrer Motive.

    Für den Rest, also die politische Beurteilung, brauche ich keinen Wolfschlag.

  28. 1.11.2007 | 16:21

    Auch mit denTypisierungen setze ich mich, wenn ich denn dazu komme, natürlich auseinander. Von der grundsätzlich von Vornherein denunziatorischen Absicht abgesehen stimmt von der Oberfläche betrachtet da schon etwas, nur bringt genau die Oberfläche einen ja nicht weiter. Die Ebene “Autonome sind antiautoritär, verspotten ihre Gegner und üben öfter moralischen Druck aus” ist ja wie “Burschenschafter sind ständig besoffen, singen merkwürdige Lieder und bezeichnen Nichtakademiker als Philister” oder “Wirtschaftswissenschaftler denken formelhaft in Zahlen und mathematischen Relationen, sind oft unmusikalisch und meist keine guten Stierkämpfer” und endlich “Der Agrarökonom mit dem niedrigsten spezifischen n IQ steht einkommenstechnisch in reziprokem Verhältnis zu den Volumina der Cash Crops” so wahr oder falsch, wie Plattheiten nun mal sind.

  29. 1.11.2007 | 19:05

    @ Rayson: es sind grade die Typisierungen, die den Wolfschläger so ungenießbar machen – abgesehen natürlich von den rechtskonservativen bis rechtsradikalen Sprüchen.
    Ja, ich erkenne die “Typen”, die er beschreibt, wieder, es gibt sie wirklich – aber sie sind, wie ich schon in meinem langen Sermon schrieb, nicht nur und nicht einmal vorwiegend in der “linksautonomen Szene” oder bei der “Antifa” anzutreffen. Wer diesen Typ Mensch nur bei den “Linken” sieht, der dürfte auf dem rechten Auge eine deutliche Sehschwäche haben.

  30. Caius Caesar
    1.11.2007 | 19:17

    Nur wo ef draufsteht, ist auch JF drin. ;-)
    Lest mal das durchgeknallte Editorial oder AFLs neusten Eintrag auf ef-online! Da wird einem ganz blümerant…

    Die Autorenschaft wird auch immer einschlägiger!

    Bekommt man in einer “libertären” Community ernsthaft Hausverbot, wenn man es nicht lustig findet, dass die blonde Ost-Schlampe über Schwule herziehen darf, die angeblich nur auf “Frischfleisch” aus sind? Oder wenn man Evchen Herman nicht für eine “deutsche Heldin” (Blaue Narzisse) hält, einen kein “Entsetzen über die Misshandlung der Eva Herman im Schauprozess des Johannes B. Kerner” packt?

  31. 1.11.2007 | 19:46

    Wer war nochmal Eva Herman?

  32. 1.11.2007 | 21:59

    @MartinM

    Wer diesen Typ Mensch nur bei den “Linken” sieht, der dürfte auf dem rechten Auge eine deutliche Sehschwäche haben.

    Wo wird das denn behauptet? Du widerlegst einen Umkehrschluss, der noch nicht mal im Artikel selbst gezogen wird.

    Und: Mit was haben es die “Autonomen” eigentlich verdient, exemplarisch für Linke stehen zu dürfen?

  33. 1.11.2007 | 22:02

    @Caius Caesar

    Wenn du für jeden Kommentar hier einen anderen Nick verwendest, wird das nie was mit der Top-Position in der monatlichen Kommentatorenliste.

  34. 1.11.2007 | 23:36

    @ Rayson: die “Linken” – und erst recht nicht die Antifas – kann man natürlich nicht auf die “Autonomen” reduzieren, wie Wolfschläger das m. E. nach tut.

    Was ich meine: der von Wolfschläger umrissene Persönlichkeitstyp, den er einzig und allein bei der “Antifa” (die sich bei ihm mit der “autonomen Linken” deckt) sieht, kommt in verschiedenen politischen und weniger politischen Gruppen vor – von Burschenschaftlern bis zu den Hells Angels. Wolfschläger behauptet zwar nirgendwo ausdrücklich, dass dieser Persönlichkeitstyp nur bei den Linken zu finden sei, aber beim Lesen seines Artikels ist recht klar, dass er diesen einerseits von einem strengen Moralkodex (z. B. einer extremen Variante der “political correctness”) geleiteten, andererseits, wenn es gegen ideologische Gegner geht, mit bestem Gewissen gewalttätigen und “unfairen”, dabei äußerst selbstgerechten und zur Selbstkritik unfähigen Typus Mensch für “typisch linksautonom” hält, was er einfach nicht ist. Längst nicht alle, die so “drauf” sind, sind Linksautonome, und längst nicht alle autonomen Linken sich so drauf. (Ich kenne z. B. jemanden, der genau ins Schema passt, den ich aber weder in der extremen “Linken” noch der extremen “Rechten” verorten würde – und der sich selbst als “liberal” beschreibt.)

  35. 1.11.2007 | 23:52

    @MartinM

    Woraus geht denn hervor, dass Wolfschlag die von ihm beschriebenen Personentypen “einzig und allein” bei der “Antifa” bzw. den “Autonomen” sieht? Und geht es in dem Text nicht darum, diese Gruppe zu charakterisieren statt einen bestimmten Personentyp mit einem Etikett wie “typisch linksautonom” zu versehen? Meines Erachtens gehst du hier weiterhin von einem Umkehrschluss aus, der da nicht gezogen wird. Nicht zuletzt deswegen nicht, weil das zu einer ganz anderen Aussage führen würde. Aber zu sagen: Also, die Antifas, das sind so Typen wie Burschenschaftler und Hells Angels – die wäre m.E. zu Wolfschlags Interview äquivalent und würde keine seiner Aussagen besonders verwässern.

    Das Adjektiv “links” kommt im Interview übrigens gerade zweimal vor – davon einmal relativierend.

  36. Carsten Rauschenbach
    2.11.2007 | 12:02

    Die Überschneidungen von “eigentümlich frei” und “Junge Freiheit” sind erschreckend groß geworden.

  37. 2.11.2007 | 15:51

    Ich kann ausnahmsweise Che nur zustimmen, daß sich das Interview liest wie eine simple Seitenverkehrung von Analysen “rechter Strukturen”.

    Beim ersten Überfliegen dachte ich auch eher an eine Parodie, weil hier mit der großen Schablone soziale Typen umrissen werden, die sich wohl in jeglicher Jugendszene finden lassen.

    Teilnehmende Beobachtung hätte vielleicht helfen können…

  38. e.r.
    3.11.2007 | 22:27

    @classless:

    ob dieser typus auch bei den rechten oder sonstigen gruppierungen vorkommt, kann ich nicht beurteilen. ich kann nur sagen, dass genau solche typen mich dazu gebracht haben, mich mittlerweile von den sog. “antideutschen” antifaschisten zu distanzieren…

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