Noch hat Polen nicht gewonnen

Ich bin ja doch einigermaßen erleichtert, dass mein Lieblings-Kaschube Donald Tusk und seine Bürgerplattform die Wahlen in Polen gewonnen und damit den Beweis erbracht hat, dass auch “kultivierte” und “weichgespülte” Politiker (wie Jan Puhl auf SpOn Tusk bezeichnet) erfolgreich sein können.

Im polnisch-deutschen Verhältnis wird sich vor allem der Tonfall ändern, was schonmal die halbe Miete ist. In den Sachstreitfragen (Zentrum gegen Vertreibung, Ostsee-Pipeline und EU) bin ich sowieso zu 2/3 auf polnischer Seite, so dass sich mein Bedauern in engen Grenzen halten wird, falls sich die Haltung der neuen polnischen Regierung nicht ändern sollte.

Die innenpolitischen Gräben in Polen werden sich wohl eher vertiefen, vor allem dann, wenn es Donald Tusk gelingt, den Trend der Rückkehr von Polen, die in den letzten Jahren im Ausland gearbeitet haben, noch zu verstärken.

Wieviel Tusk von seinem zweifellos neo-liberalen Programm (Steuersenkungen, Flat Tax, Rücknahme von Sozialleistungen) umsetzen kann, wird sich zeigen.  

Ergänzung:

Da ich vermute, dass die regelmäßigen Leser dieses Blogs nicht zu den regelmäßigen Lesern der ZEIT gehören, hier noch zwei Artikel über den polnischen Wahlkampf:

Die Wahl der Mohair-Omas. Von Julia Walter, ZEIT online 19.10.2007

Die polnische liberale Partei “Bürgerplattform” hat von der vorigen Niederlage gelernt – nun zielt sie auf die Kernwähler der Kaczyński-Brüder

und

Kreuz und Kapital. Von Alice Bota, DIE ZEIT 18.10.2007 Nr. 43

»Rette das Land, versteck den Ausweis deiner Oma« – wie im polnischen Wahlkampf Alt gegen Jung, Stadt gegen Land kämpfen
 

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7 Kommentare zu “Noch hat Polen nicht gewonnen”

  1. R.A.
    22.10.2007 | 15:12

    Man sollte auch nicht vergessen, daß bei der Verschlechterung des deutsch-polnischen Verhältnisses die Kaczynskis nur eine Teil-”Schuld” trugen – auch wenn sie in deutschen Medien zum allgemeinen Buhmann gemacht wurden.

    Der ursprünglich Schuldige war Schröder, der unseren zweitgrößten Nachbarstaat mit unglaublicher Arroganz an den Rand drängen wollte.

  2. 22.10.2007 | 16:41

    Da stimme ich Dir teilweise zu, R.A., denn für den unverschämten Unsinn, den z. B. die “Preussische Treuhand” (die selbst den Vertriebenenverbänden zu revanchistisch ist) treibt und getrieben hat, kann der Schröder nichts. (Für die Ostsee-Pipeline umso mehr.)

  3. R.A.
    22.10.2007 | 17:04

    @MartinM:
    Die “Treuhand” sind aber nur ein paar private Spinner – für die kann Deutschland nichts und das hätte die polnische Seite nie ernst nehmen müssen.

  4. Milton
    24.10.2007 | 18:46

    Seine politische Karriere begann der heutige Chef der Bürgerplattform, der sich schon als Student in der antikommunistischen Opposition engagierte, nach der Wende. Da gründete er mit einer Handvoll Gleichgesinnter den liberal-demokratischen Kongress, eine neoliberale Partei, die Friedrich von Hayek und Milton Friedmann zu ihren Säulenheiligen zählte. Tusk ist ihnen treu geblieben. Von den zwei Übeln freier Markt ohne Demokratie oder demokratisch legitimierter Sozialismus sei ihm Ersteres um Welten sympathischer, bekannte er einmal.

    http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/im_brennpunkt/3178494/artikel.php?SWAID=73ec8f6f5807bc962861e01e6d104b14

  5. Milton
    24.10.2007 | 18:50

    Derweil scheint die Unterstützung bei den Verbündeten im Antiterrorkampf nach und nach zu schwinden. So kündigte der Sieger der Parlamentswahlen in Polen, Donald Tusk, nicht nur den Abzug der polnischen Soldaten aus dem Irak an, sondern er stellte auch die Beteiligung seines Landes an der Mission in Afghanistan in Frage.

    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/9/0,3672,7111753,00.html

  6. 24.10.2007 | 20:18

    Pseudo-Milton,

    wenn ich gewusst hätte, dass Herr Tusk schon als Student Anti-Kommunist war, hätte ich mich natürlich früher von ihm distanziert, ihn um Entschuldigung gebeten und zum Rücktritt aufgefordert.

    Und an der ZDF-Meldung finde ich vor allem interessant, dass da von “Antiterrorkampf” die Rede ist. Das ist doch Bush-Sprache! Sollte es den Republicans Abroad gelungen sein, einen Praktikanten beim ZDF eingeschleust zu haben?

  7. Libertarian
    24.10.2007 | 20:40

    Der Mann ist doch sympathisch: Anti-State, Anti-War, Pro-Market. Solch ein Politikerprofil suchste in Deutschland vergebens!

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