Echtes Geld?

In diesen Tagen sind historische Vergleiche aber gefragt: Der Schwarze Montag jährt sich zum 20. Mal. Am 19. Oktober 1987 verlor der Dow-Jones-Index mehr als 22 Prozent. So viel Geld war an der Wall Street nie zuvor an einem einzigen Tag vernichtet worden.

(FTD)

Jetzt bin ich aber neugierig. Wie wurde das Geld denn vernichtet? Hat man Scheine verbrannt? Bankkonten gelöscht?
Und gilt das auch umgekehrt? Ist eine Blase im Grunde Geldschöpfung?

Klar: Zusammenhänge gibt es, z.B. über die Kreditvergabe. Aber ein Zusammenhang ist keine Identität.

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14 Kommentare zu “Echtes Geld?”

  1. 19.10.2007 | 13:21

    Ich hab mich auch schon immer gefragt, woher dieses Märchen der “Geldvernichtung” herkommt. Da ist kräftig umverteilt worden, mehr nicht. Sicherlich gab es Fehlinvestitionen und die eine oder andere Drehmaschine wurde wieder eingeschmolzen. Die Welt wird eben sehr gern aus der Looser-Perspektive beurteilt. Würde ja auch keine Schlagzeile geben, wenn man schreiben würde, Anleger A musste sein Segelboot an Anleger B verkaufen. Jetzt lümmelt jemand anderes in der Sonne rum…

  2. 19.10.2007 | 16:30

    Ich vermute, dass sich da sprachliche Bilder verselbständigt haben. (“Geld zum Fenster herauswerfen”, “Geld verbrennen” usw. .)
    “Ihr Geld ist nicht verschwunden, es hat nur ein anderer.”

    An den “Schwarzen Montag” kann ich mich noch gut erinnern. Ein (damaliger) Freund von mir hatte von seinem Großvater ein nicht zu verachtendes Aktiendepot geerbt, das vor allem Aktien von Autoherstellern enthielt. Nach dem “Börsencrash” kam er ganz niedergeschlagen angekrochen, und sagte: “Martin, ich habe gestern über zehntausend Mark verloren!” Das war die Gelegenheit für mich, mich mal als Finanzberater zu profilieren: “Verloren hast Du das Geld nur dann, wenn die Deine Aktien zu diesem miesen Kurs vertickst. Glaubst Du ernsthaft, dass ab sofort keine Autos mehr verkauft werden und Mercedes-Benz, VW und wie sie alle heißen, nächste Woche Pleite gehen? Behalte Deine Nerven und behalte Deine Aktien.” Er hat sich daran gehalten. (Ich hätte ein Erfolgshonorar vereinbaren sollen ;) . )

  3. 19.10.2007 | 18:47

    Noch abstruser wird diese Logik in folgendem Beispiel. Der Aktienkurs ist ja Pi mal Daumen so etwas wie der erwartete mit dem Zinssatz abdiskontierte zukünftige Ertrag. Korrekt? Bei einer Zinssteigerung sinkt also der Aktienkurs. Wird dann Geld vernichtet? Und das obwohl ich für mein Geld mehr bekomme?

  4. Florian
    19.10.2007 | 20:21

    Ihr habt schon recht.
    Im allgemeinen werden in den Medien ja Preissteigerungen beklagt und -senkungen begrüßt.
    Nur bei Assets ist es aus irgendeinem Grund umgekehrt.

    Verkürzungen und schiefe Bilder gibt es gerade bei der Börsenberichterstattung zuhauf..
    Da heißt es dann zum Beispiel: “Verkauft wurden heute vor allem Daimler-Aktien” wenn man eine Beschreibung dafür sucht, dass Daimler im Kurs gesunken ist.
    Dabei gab es logischerweise genauso viele gekaufte wie verkaufte Daimler-Aktien…

  5. gelegentlicher Besucher
    19.10.2007 | 23:41

    Ich glaube, man kann sich das schon richtigreden: Wenn größere Aktienmengen auf Kredit gekauft waren und als Sicherheit für den Kredit dienen, dann werden sie doch bei einer Wertsenkung verkauft und der Kredit getilgt. Dann wird auch (Buch-)Geld vernichtet. Da die meisten Aktien nicht auf Kredit gekauft sind natürlich nicht in Höhe des Bewertungsverlustes.

  6. 20.10.2007 | 12:22

    @gelegentlicher Besucher:

    Die Frage ist jedoch, ob tatsächlich materielle Werte zerstört werden, was nicht der Fall ist. Schließlich ist ein Kredit nichts anderes als die aktuelle Konsumenthaltung des einen zugunsten eines anderen. Auch hier im Effekt nur ein Verteilungseffekt. Kapitalentwertungen finden stets nur auf der realwirtschaftlichen Ebene statt. Inwiefern dies ein Problem ist hängt davon ab, ob sich die betreffenden Kapitalgüter flexibel für andere Verwendungen eignen. Die Internetblase etwa blieb ziemlich folgenlos, weil die investierte Rechentechnik und das “Humankapital” recht flexibel einsetzbar waren. Die Volkswirtschaftschaft konnte sich also rasch anpassen.

  7. 20.10.2007 | 17:01

    Wenn man sich etwas Mühe gibt, geht bei einem Crash schon Geld verloren. Man erbt gegen Ende der Blase ein dickes Aktienpaket und nachdem der Wert für die Steuer festgesetzt wurde, rauschen die Kurse in den Keller. Dann zahlt man Steuern für etwas, was man (erstmal) gar nicht mehr hat.

  8. Buenavista
    20.10.2007 | 19:58

    Was heisst denn “echtes Geld”? Echtes Geld ist wertloses Papier. Was seinen Wert ausmacht, ist der, dem man ihm zumisst bzw. den Aktien.

    Die Frage ist doch, ob die “Werte” die an der Börse verdient werden, durch reale Waren und Dienstleistungen völlig abgedeckt sind.

    Das ist sicher nicht der Fall. Aber das würde erst zum Problem, wenn dieser Gegenwert tatsächlich komplett eingefordert würde.

    Dann bricht das System sofort zusammen.

  9. Buenavista
    20.10.2007 | 20:18

    Man könnte sagen, die Heisenbergsche Unschärferrelation gilt auch für das Geld.

    Ich kann entweder bestimmen, wieviel Geld es gerade gibt und wo es ist, oder die Geschwindigkeit und Richtung, in der es sich bewegt. Aber nicht beides.

  10. 20.10.2007 | 20:23

    Interessanter Gedanke, Buenavista, es stimmt: Wenn das Vertrauen in eine Währung verlorengeht, geht auch deren Wert verloren. (Z. B. bei einer Hyperinflation.) Aber das gilt auch dann, wenn die Währung sehr wohl durch reale Werte “gedeckt” ist.

  11. Buenavista
    20.10.2007 | 21:41

    Wobei ja auch “reale Werte” nur sehr relativ real sind.
    Eine Flasche Wasser mag einem Verdurstenden in der Wüste eine Million wert sein, wenn er sie hat. Dem Supermarktkäufer aber nur 50 Cent, und Leuten, die Zugang zu Münchner Leitungswasser haben, gar nichts.

    Was also ist der “reale” Wert 1 Flasche Mineralwasser “wert”?

  12. 21.10.2007 | 11:08

    [...] I came across this post – Echtes Geld? – and thought it was worth sharing. I hope you find it interesting too and take the time to read some of the other articles on their site. (FTD) Jetzt bin ich aber neugierig. Wie wurde das Geld denn vernichtet? Hat man Scheine verbrannt? Bankkonten gelöscht? Und gilt das auch umgekehrt?… [...]

  13. 21.10.2007 | 22:44

    @Dirk

    Bei einer Zinssenkung bekommst du als Aktionär relativ weniger Geld, nicht mehr.

    @Buenavista

    Was also ist der “reale” Wert 1 Flasche Mineralwasser “wert”?

    Was du bereit bist, dafür zu geben.

  14. FunkyAlfonso
    22.10.2007 | 1:37

    Tja, wenn ich sowas (FTD-Artikel) lese, fällt mir immer ein Satz ein:
    “An der Börse geht kein Geld verloren, es wechselt nur den Besitzer”.

    “Vernichtet” wird dabei letztendlich das angelegte Geld von Leuten, die ihre Investitionen in WP ohne die grundlegendsten Marktkenntnisse tätigen (und allenfalls auf Empfehlungen von Journalisten und Analysten hin tätigen); dieses Geld landet dann postwendend auf den Konten von Hedge-Fonds und anderen Investmentgesellschaften.

    …selbst schuld, kann ich da nur sagen. Die Möglichkeit, Arbitragegewinne einzustreichen lässt den Verstand schon mal aussetzen, hehe…

    Ich hab vor einiger Zeit mal ein erleuchtendes Paper zum Thema “Bubbles and crashes” gelesen (leider kann ich mich an die Autoren nicht mehr erinnern, vielleicht kann jemand weiterhelfen?); Fazit der theoretischen Arbeit: Blasen werden von “informierten” Marktteilnehmern iniziiert und zum Kollaps gebracht, und von uninformierten Marktteilnehmern “gefüttert”… siehe den “crash” Anfang dieses Jahrzehnts.

    Allerdings: Die makroökonomischen Auswirkungen sollten durchaus ernst genommen werden; letztendlich basiert doch jegliche ökonomische Handlung (nicht nur an der Börse) auf Zukunftserwartungen, und der “Herdentrieb”, egal in welche Richtung, kann (grundsätzlich) durchaus zum Problem werden.

    Trotzdem: Geldvernichtung seh ich hier keine…

    - Funky

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