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Stamokap?

Wie kann es eigentlich angehen, dass sich staatliche Organisationen als Lobby eines Quasi-Monopolisten aufführen? Ok, ok, die Einwände gegen Normierung als staatliche Veranstaltung kann ich mir denken. Aber jenseits dessen, was wir gerne in einer besseren Welt diskutieren können, sollte das zu denken geben. Wir können uns jetzt aussuchen, wo wir das Problem sehen: in der wirtschaftlichen Macht Microsofts oder der staatlichen. Für mich schlägt das Pendel eindeutig in eine Richtung aus: Denn die wirtschaftliche Macht Microsofts ist endlich.

bisher 13 Kommentare » Kommentare
  1. SteffenH sagt am 18. 10. 2007 um 09:22 Uhr:

    Normierung als staatliche Veranstaltung ist aber das Problem. Wundert es dich, dass der größte Software-Anbieter auch die meisten Ressourcen fürs Lobbying ins rennen werfen kann?

  2. stefanolix sagt am 18. 10. 2007 um 09:46 Uhr:

    Normierung ist eine Veranstaltung der Delegierten aus den einzelnen Staaten (das sind halt noch traditionelle Wege der Zusammensetzung von Komitees, man könnte sich sicher auch Expertenkomitees vorstellen, die im Internet gewählt werden). Zu den sonstigen Praktiken von Microsoft mag ich ja gar nichts mehr sagen, aber was sie hier machen, überschreitet IMHO die Grenzen zur Sabotage.

  3. Libero sagt am 18. 10. 2007 um 10:09 Uhr:

    @SteffenH

    Ohne Normierung geht es nicht, siehe frühes Beispiel der Normung von Schraubengewinden. Wenn das Genormte vollständig frei zugänglich ist, kann es den Wettbewerb fördern. Die Gefahr der Hemmung besteht weiterhin. Eben weil Normmacht auch Marktmacht bedeuten kann.

    Der Normierungsprozess, egal ob von staatlicher Seite oder von selbstorganisiert, ist daher immer von der Macht privater Anbieter, entweder direkt oder wie hier indirekt durch Steigbügelhalter, bedroht.

    Hast du deinen Normvorschlag durchgedrückt, hast du wirtschaftliche Macht durchgedrückt.

  4. stefanolix sagt am 18. 10. 2007 um 10:16 Uhr:

    Es gibt schon ein normiertes Office-Format und das ist auch gut erweiterbar. Es wurde nicht mit dem Ziel erstellt, wirtschaftliche Macht zu erlangen oder auszuüben.

    Der Wettbewerb sollte dort beginnen, wo es um die besten Lösungen geht. Wenn Microsoft ein Word 2010 anbietet, das auf der Basis eines einheitlichen und vollständig offenen XML-Formats arbeitet, darf das gern das beste Textverarbeitungsprogramm der Welt sein und 75 oder 80 Prozent Marktanteil haben. Die Nutzer werden dann schon abwägen, für welche Leistung sie welchen Preis bezahlen möchten. Jetzt müssen die Nutzer aber durch Normung erst mal in die Lage versetzt werden, frei entscheiden zu können.

  5. christianK sagt am 18. 10. 2007 um 10:20 Uhr:

    Ich habe verstärkt den Eindruck, dass Microsoft trotz seiner Größe immer mehr Rückzugsgefechte führt. Vista wird aller Voraussicht nach nur bedingt zu einem wirtschaftlichen Erfolg. Der Preis der “Cash-Cow” Office wurde erst letzten Monat gesenkt … usw. – Und welche Innovation der letzten Jahre ging auf das Konto von Microsoft?

    Wenn dann ein Unternehmen in die Defensive gerät, dann wird wohl auch die Hemmschwelle geringer, “übliche Grenzen” zu überschreiten …

  6. Libero sagt am 18. 10. 2007 um 10:35 Uhr:

    @stefanolix

    in diesem speziellen Fall geht es um Software. Das was ich geschrieben haben, gilt eher allgemein für Normung. Wenn bei der Normung nicht Marktmacht aufgebaut und durchgesetzt werden kann, würde sich in diesem Fall Microsoft nicht so eingagieren.

  7. stefanolix sagt am 18. 10. 2007 um 10:50 Uhr:

    Welche Ziele Microsoft damit verfolgt, ist schon klar. Ich wollte nur betonen, dass das andere Format aus liberaler Sicht zumindest erst einmal wettbewerbsfördernd ist. Das OpenDocument-Format beweist auch, dass eine Normung technisch vernünftig möglich wäre. Was Microsoft da angeboten hat, ist höchst umstritten.

  8. Libero sagt am 18. 10. 2007 um 12:49 Uhr:

    Die Wettbewerbesförderung soll durch diese Mätzchen doch verhindert werden. Wettbewerb ist schön, wenn man von vornherein als Sieger feststeht.

  9. SteffenH sagt am 18. 10. 2007 um 13:29 Uhr:

    @libero:

    Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob sich Firmenvertreter freiwillig zur Normensetzung zusammen tun oder ob diese Normen dann durch staatliche Sanktionen bewehrt werden. Ich bin kein Spezialist in Sachen Software-Standards, weiß aber aus dem Umweltbereich, dass so manche Umweltnorm ihren Ursprung beim VDI hat und dann zur Richtschnur für die Umweltgesetzgebung wird. Der Versuch der Kartellbildung ist das eine, die gewaltsame Durchsetzung mittels staatlicher Macht oder auch nur Infrastrukturhilfe das andere. Privatwirtschaftliche Normen werden nur solange funktionieren, wie sie von allen Beteiligten getragen werden. So etwas wie von Rayson ausgegraben würde wohl kaum Bestand haben.

  10. Libero sagt am 18. 10. 2007 um 13:42 Uhr:

    @SteffenH

    eine der Hauptaufgaben vieler meiner Studienkollegen ist die Mitarbeit in Gremien, die neue Normen, in der Regel einvernehmlich, entwickeln. Angesiedelt sind diese Gremien oft bei Institutionen wie VDI oder Industrieverbänden.

  11. SteffenH sagt am 18. 10. 2007 um 16:01 Uhr:

    @SteffenH:

    …wogegen es ja auch nichts einzuwenden gibt, solange die Geschichte “einvernehmlich” ist. Ist sie aber oft nicht.

  12. SteffenH sagt am 18. 10. 2007 um 16:03 Uhr:

    ;-) Uups, sowas nennt man Eigentor. Sollte natürlich @libero heißen.

  13. R.A. sagt am 18. 10. 2007 um 17:29 Uhr:

    @SteffenH:
    > sowas nennt man
    > Eigentor.
    Nein, sowas nennt man Selbstgespräch ;-)

    Soll kein gutes Vorzeichen sein, wenn man damit anfängt …

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