Kalkulatorische Moral

Es gab da etwas, das mich schon bei der Diskussion über den Abschuss entführter Flugzeuge gestört hat – ich nenne es einfach mal “kalkulatorische Moral”. Es ist dies eine Position, die glaubt, moralische Dilemmata in einer schlichten Weise über Kalkulationen lösen zu können, ohne andere Aspekte von Moral überhaupt zu berücksichtigen. Im Falle dieser Flugzeugentführung ist der Fall da noch ganz einfach gelagert: Schießt man das Flugzeug nicht ab, sterben die Passagiere und die Menschen, die im Hochhaus sind, schießt man ab, dann eben nur die Insassen des Flugzeuges. Damit eine recht einfache moralische Entscheidung.

Das “Chinesen-Dilemma”, das R. A. hier noch einmal ausgeführt hat, macht die Sache schon komplexer. Denn hier muss ein Unbeteiligter sterben, um vielen anderen das Leben zu retten. Egal, wie man sich selbst in dieser Sache entscheidet, immer noch ist die Fragestellung natürlich sehr hypothetisch und unterkomplex – sie hat einfach sehr wenig mit den moralischen Fragen zu tun, die sich in der realen Welt so stellen. Sie führt lediglich ans Thema heran.

Erheblich komplexer, und der realen Welt entnommen, ist da schon folgendes Zitat von Hayek, das balou ausgegraben hat:

… Sehen Sie, in den nächsten 20 Jahren soll sich die Weltbevölkerung erneut verdoppeln. Für eine Welt, die auf egalitäre Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung aber unlösbar. Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen. Gegen die Überbevölkerung gibt es nur eine Bremse, nämlich dass sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch ernähren können.

Abgesehen von dem Malthusianismus, der sich in diesem Zitat offenbart, und der Frage, worauf sich die Tatsache eigentlich gründet, dass sich das eine Volk ernähren kann und das andere nicht (historische Tatsachen wie gewonnene Kriege und mörderische Verdrängungswettbewerbe), gibt es für mich noch ein weiteres Problem mit dieser Aussage: Sie plädiert dafür, Menschen aufgrund einer gewissen Kalkulation einfach verhungern zu lassen. Das empfinde ich zunächst als widerlich, als pervers.

In den Kommentaren zu balous Beitrag erläutert Rayson die Gedanken hinter diesem Zitat:

Hayek geht davon aus, dass Überbevölkerung Hunger erzeugt. Und er meint beobachtet zu haben, dass auf jeden Versuch, den Hunger durch Umverteilung an die betroffenen Völker zu beseitigen, diese wiederum mit einem noch größeren Bevölkerungswachstum reagieren, so dass am Ende weiterhin immer wieder Hunger steht.

Ich bitte zu beachten, dass mein geschätzter Mitautor Formulierungen wie “er geht davon aus” und “meint beobachtet zu haben” verwendet hat, dass man also nicht davon ausgehen darf, dass er sich diese Logik zu Eigen macht. Für alle “kritischen” Mitleser möchte ich sogar noch einmal betonen, dass Rayson explizit dem Malthusianismus des Hayek-Zitates wiedersprochen hat. Er glaubt also nicht, dass die von ihm aufgeführten Grundannahmen richtig sind.

Was ich aber meine, aus seiner Erläuterung zu verstehen, ist, dass er, wären diese Grundannahmen richtig, Hayeks Überlegungen für gar nicht so falsch halten würde – für das Ziel, den Hunger abzuschaffen, müsste man eben die Völker entsprechend ihrer Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, von den natürlichen Einflüssen dezimieren lassen (was für mich immer noch weniger verwerflich ist, als sie abzuschießen). Was ich davon halten soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht – ich bin da wirklich unsicher. Das will ich anhand eines Beispieles begründen.

Es ist uns heute möglich, auch schwerst Behinderten immer mehr Hilfen zukommen zu lassen, die ihr Leben verlängern. Aufgrund dieser Tatsache wächst die Zahl der lebenden Behinderten immer weiter; durch manche Unterstützung ist es einigen Behinderten auch dann möglich, Kinder selbst in die Welt zu setzen, wenn diese mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit selbst behindert sein werden. Die Kosten für diese Hilfen gehen natürlich vom Budget dessen ab, was wir für die Behandlung anderer Kranker zur Verfügung haben, die an weniger schlimmen Krankheiten leiden. Und selbst wenn wir annehmen, dass die Budgets für die Gesundheitsfürsorge beliebig ausgeweitet werden, entstehen natürlich Opportunitätskosten – die entsprechenden finanziellen Mittel fehlen für andere Projekte oder Ausgaben, von der Bildungsförderung bis hin zum Konsum, der Arbeitsplätze schafft und arbeitenden Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.

Indem man sich nicht mehr um (unproduktive) Behinderte kümmert, sie vielleicht gar… (lassen wir das, jeder kann sich denken, was ich meine) ließen sich also vermutlich immense kalkulatorische Wohlfahrtsgewinne erzielen. Es wären erhebliche Kapitalmengen verfügbar, um andere Projekte zu fördern, die einer größeren Zahl an Menschen eine Verbesserung des Lebensstandards zukommen lassen würden. Mit dem Geld, das ein einzelner Behinderter in Deutschland zur Verfügung hat, könnte vermutlich ein ganzes Dorf in Entwicklungsländern versorgt, fortgebildet und in die Lage versetzt werden, ihren Kindern ein besseres Leben zu verschaffen und/oder einige von ihnen vor dem Hungertod zu bewahren. Der Wohlfahrtsgewinn wäre enorm, auf die Welt gerechnet. Und sicher immer noch deutlich, wenn man das Geld nur innerhalb der eigenen Nation oder gar der eigenen Kommune aufwenden dürfte.

Soviel zum extremen Beispiel, das allerdings näher an der Wirklichkeit ist als all diese Chinesen-Dilemmata und terroristischen Flugzeuge. Eindeutig ist für mich hier allerdings, dass die Moral, die sich ausschließlich an den kalkulatorischen Wohlfahrtsgewinnen orientiert (und damit zumindest die Ignoranz gegenüber Behinderten nahelegt) inakzeptabel ist. Was übrigens auch dann noch gilt, wenn mir jemand, der besser informiert ist, darlegt, warum es sich “rechnet”, Behinderten alle Hilfe zukommen zu lassen, die sie benötigen.

So weit, so einfach. Man kann aber auch noch ein anderes Extrem aufmachen, nämlich das einer Gesellschaft, die sich nur noch an den Behinderten, den Kranken und Schwachen orientiert, und ihre gesamte Leistungsfähigkeit aufwendet, um diesen zu helfen, auf Kosten aller anderen. Auch das wäre sicherlich inakzeptabel – denn auch das Wohl derjenigen, die gesund, stark und leistungsfähig sind, sollte einem Gesellschaftsentwurf am Herzen liegen. Wie weit sollte also die Unterstützung gehen? Wie weit sollte das, was man nach der Kalkulation eines “Wohlfahrtsgewinnes” ermittelt hat, die gesellschaftlichen Entscheidungen bestimmen, und wie stark sollte die Sorge um die Schwachen darauf Einfluss nehmen?

Beim Hayek-Zitat also: Wie groß sollte die Hilfe sein, die man Völkern zukommen lässt, die sich nicht selbst ernähren können, aber weiter wachsen? Da liegt doch eigentlich das Problem. Kalkulatorische Moral ist sicher nicht die Lösung aller Probleme und Dilemmata. Aber sie nicht einzubeziehen, scheint mir doch ein Fehler.

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16 Kommentare zu “Kalkulatorische Moral”

  1. 17.10.2007 | 7:59

    Was ich aber meine, aus seiner Erläuterung zu verstehen, ist, dass er, wären diese Grundannahmen richtig, Hayeks Überlegungen für gar nicht so falsch halten würde.

    Wie kommst du darauf? Immer diese Ersetzung der Meinungen anderer durch die Vorstellung von ihnen…

    Mir kam es darauf an zu verdeutlichen, und ich denke, dass ist dort auch deutlich geworden, dass man sich mit einer wohlfeilen Verurteilung des Hayek-Zitats nicht automatisch auf die Seite der “Guten” stellt, sondern – akzeptiert man die Grundannahmen – egal, wie man entscheidet, mit Hungernden konfrontiert wird, so dass die simpelste aller Folgerungen (“wenn man tut, was er vorschlägt, sterben Leute, also soll man nicht tun, was er vorschlägt, und er ist böse”) partielle Erblindung voraussetzt.

    Dein Behinderten-Beispiel ist zwar interessant, behandelt aber im Grunde ein anderes Thema. Es fehlt der entscheidende dynamische Aspekt: Wenn du einem Behinderten hilfst, verursachst du dadurch eben nicht die Behinderung anderer. In der Hayek-Logik ist das bei Hungernden anders. Auch wenn bestimmte Leute das vielleicht gerne so sehen mögen: Es geht da nicht darum, ob und wieviel die Reichen den Armen abgeben. Es geht nicht um einen Konflikt zwischen “produktivem” und “unproduktivem” Teil. Es geht hier – theoretisch – vor allem darum, ob man einen sich selbst verstärkenden Regelkreis weiter pflegt oder ob man ihn unterbricht. Da könnte dann – wären die Annahmen korrekt – jeder seine moralische Messlatte anlegen, käme aber aus dem Dilemma wohl nicht heraus.

    Und konkreter zu deinem Beispiel: Ich glaube auch nicht, dass es dort eindeutige Lösungen gibt. Nur Entscheidungen. Als Liberaler hätte ich allerdings etwas an dem “man” zu schlucken.

  2. Libero
    17.10.2007 | 8:46

    1. So wird Hayek schon immer AUCH, aber eben nicht nur gedacht haben. Viele Denker, die ein imposantes geistiges Werk hinterlassen haben, waren auf der menschlichen Ebene nicht frei von Ressentiments. Das ist ja auch weiter kein Problem, wenn es das Werk nicht beeinträchtigt hat.

    2. Gegen die Überbevölkerung gibt es nur eine Bremse, nämlich dass sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch ernähren können.
    Die Völker, die sich ernähren können, können sich nicht erhalten und vermehren. Das zeigt doch schon, daß an dieser Aussage etwas nicht stimmen kann. Das Wachstum der Bevölkerung, genauer die Fertilitätsrate, wird nicht alleine durch die Ernährungssituation eines Landes bestimmt. Die Phasen des “demographischen Überganges” der Bevölkerung sind bisher in fast allen Ländern festzustellen. Das wird auch bei den afrikanischen Ländern der Fall sein.

    Es geht hier – theoretisch – vor allem darum, ob man einen sich selbst verstärkenden Regelkreis weiter pflegt oder ob man ihn unterbricht.
    Das gilt für den Lebensmittelexport und die politische Struktur des Landes, nicht unbedingt für den Lebensmittelimport und das Bevölkerungswachstum

    3. Diesem Zitat von Hayek stelle ich ein anderes entgegen
    Die wesentliche Regeln unserer Moral, haben sich erhalten, nicht weil Individuen sie rechtfertigen können, sondern weil jene Gruppen, die sie praktizierten, florierten.

    Friedrich von Hayek in seinem Vortrag
    Moralische Grundlagen der Marktwirtschaft
    http://www.vwl-wu.at/images/marktwirtschaft%20und%20moral.pdf

    Gibt es so etwas wie kalkulatorische Moral? Handele ich erst dann moralisch, wenn ich die Kosten, z.B. für die Bildung an einer private Bildungsstätte, oder die Strafen, zum Beispiel für die Übertretung eines Gesetzes, in Kauf nehmen muß?

    Es gibt sicherlich Menschen, die erst durch das Kalkül zu moralischen Handeln gezwungen werden. Was ist dieser Zwang und diese Moral dann wert, wenn diese Menschen sich immer fragen, welche persönlichen Nutzen habe ich durch diese Handlung?

    Umgekehrt gibt es Menschen, die auf der Basis eines starken moralischen Fundaments, eines moralischen Ethos ihr Lebenswerk vollbrachten und vollbringen. Die nicht vor ihrer Handlung nach ihrem persönlichen Nutzen fragen, aber bereits während und vor allem nach ihren Handlungen belohnt werden. Nicht immer nur durch ihren persönlichen Nutzen, sondern auch durch den Nutzen, der bei anderen Menschen, denen sie begegneten, blüht und gedeiht. Menschen, die auch finanziell wesentlich mehr erwirtschafteten, als sie kosteten oder als Lohn für ihr Werk erhielten. Weil es sie als ihre Pflicht und ihr Recht empfanden, so zu handeln. Weil ihr Lebensglück ein ganz anderes war. Entsprechend ihr reichen Begabung ein Lebenswerk zu schaffen und zu geben, ohne in der Substanz zu verarmen. Von der Mit- und Nachwelt genutzte Verfahren und Produkte. Ein Unternehmen, das über ihren Tod hinaus existiert. Schriften und Anregungen für ihre Mitmenschen.

    Wenn soll man sich als Vorbild wählen? Die säkulären Heiligen, wie sie Wilhelm Röpke nannte oder die kalkulatorischen Moralisten.

    4. Die demoralisierende Wirkung der kalkulatorischen Moral erkennt man sehr gut an dem Umgang mit Behinderten. Da trennt sich Kalkulation von Moral, vor allem dann, wenn die Behinderung eines Menschen vermeidbar war. Bei den zwei Behinderten, die ich kenne, war dies der Fall. Sie sind behindert geboren, weil nachrangige Motive des medizinischen Personals und der Eltern dazu führten, das wahrnehmbare Gefahren für die Gesundheit des werdenden Menschen nicht wahrgenommen wurden. Solange mißachtet, bis die Menschen nur noch behindert geboren wurden. Es lastet nicht auf der Seele der Handelnden, daß ihr rechtzeitiges Handeln oder Überlegen einem Menschen die Behinderung erspart hätte. Im einen Fall waren es Ärzte, im anderen Fall die Eltern.

    5. Wenn du einem Behinderten hilfst, verursachst du dadurch eben nicht die Behinderung anderer.
    Das ist leider so nicht richtig. Es gibt medizinische Innovationen, die dazu führen, das mehrfachstbehinderte Menschen nicht nur die ersten Lebensjahre überstehen, die noch vor wenigen Jahren aufgrund der zahlreichen Komplikationen bereits als Säugling gestorben werden. Das war bitter für die Eltern und ihr Kind.
    Diese medizinischen Innovationen vermeiden nicht die Behinderungen, lindern sie auch kaum, sichern das Überleben und eine deutlich längere Lebenserwartung. Nur leider eben nicht als Mensch ohne Behinderung, sondern nur als Mensch mit Behinderung. Wenn du dieses Leben im Kreis einer dich liebenden und annehmenden Familie führst, mag das noch hinzunehmen sein. Aber in einem Pflegeheim, in das dich die Eltern abgeschoben haben?

  3. 17.10.2007 | 9:28

    @Rayson:

    Wie kommst du darauf? Immer diese Ersetzung der Meinungen anderer durch die Vorstellung von ihnen…

    Ich hatte den Eindruck, sagen wir es mal so. Aber ich ging auch davon aus, dass Du ja mitliest und Dich dazu äußern kannst. Was Du ja jetzt auch getan hast. Es ging mir ja auch nicht um einen Angriff auf Dich, sondern um allgemeineres Grübeln.

  4. 17.10.2007 | 9:31

    @Libero:
    Punkt 5 wollte ich mit meinem ersten Satz zu Behinderten ausdrücken.

  5. 17.10.2007 | 10:21

    Man sollte vielleicht vor allem nochmal auf eine Sache sehr deutlich hinweisen, die von denjenigen, die sonst immer ganz flott “ahistorisch!” schreien, hier mal wieder bequem vergessen wird: 1981. Wir erinnern uns: Kurz zuvor hat der Club of Rome sein Manifest veröffentlicht, die Überbevölkerung galt als *das* Problem schlechthin und gerade auch der linke, ökologische Zeitgeist beschwor das Aufziehen eines neuen, malthusianischen Zeitalters.

    Wenn man Hayek hier also was vorwerfen will, dann daß er sich entgegen seinen Gewohnheiten hier auf einen dem Zeitgeist entsprechenden, neo-malthusianischen Analyserahmen eingelassen hat. Warum er das gemacht hat, weiß ich nicht. Er hat sonst stets gegen diese Perspektive gewettert und das für das Vertrauen in den technischen Fortschritt argumentiert, der es uns erlauben würde, noch sehr viel mehr Menschen zu ernähren.

  6. R.A.
    17.10.2007 | 10:33

    Der Grundfehler vieler dieser Betrachtungen ist m. E., daß nur das Zielobjekt betrachtet wird.

    Was ist der Standard, mit der die arme Witwe, der Dauerkranke, der Arbeitslose, der Behinderte, das hungernde Volk etc. versorgt werden müßten?

    Wenn man da alleine Ideal vom menschenwürdigen Leben ansetzt, wird man immer zu recht hohen Werten kommen – und nie gegeneinander abwägen dürfen.

    Real geht das Spiel aber andersrum: Die Menschen sind bereit, anderen in einem gewissen Rahmen zu helfen, d.h. eigenes Geld abzugeben.

    Meine private Vermutung ist, daß dieser Rahmen im langjährigen Schnitt relativ gleich bleibt. Mal etwas höher, wenn Katastrophenopfer im Fernsehen kommen oder man direkt angesprochen wird, mal etwas niedriger, wenn man sich selber mal was gönnen möchte.

    Aber was da insgesamt an Hilfsbereitschaft zusammenkommt, in Form von Steuern, Spenden, Zeitengagement etc., das kommt halt diversen guten Zwecken zu Gute, und es ist eher zufällig und Zeitmoden unterworfen, welcher Hilfsbedürftige gerade den besten Zugriff hat.

    Und mehr gibts halt nicht, wenn die Hilfsforderungen größer werden, blocken die potentiellen Geber in Selbstschutz ganz hart ab – dafür gibt es genügend historische Beispiele.

    Fazit: Es wird fast nie explizit kalkuliert.
    Aber Moral ist fast immer kalkulatorisch, nicht eng nur im Sinne von Geld, sondern auch von “Nutzenfunktionen”.

    Die Leute helfen dort, wo sie meinen es wäre am nötigsten, so daß sie sich selber auch gut fühlen können. Und blenden aus, was ihre Hilfsfähigkeit übersteigt.

  7. 17.10.2007 | 10:49

    Sehen wir davon, dass Hayek versucht eine gewisse Logik zu widerlegen und somit nicht klar es, wie es im Zusammenhang zu verstehen ist.

    Okay Karsten. Wieviel Geld hast Du im Monat zur Verfügung? Dann teile mal durch 6 Mrd!

  8. Libero
    17.10.2007 | 11:15

    Etwa zeitgleich ist dieses Zitat
    Eine freie Gesellschaft benötigt eine bestimmte Moral, die sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschränkt: nicht auf die Erhaltung allen Lebens, denn es könnte notwendig werden, das eine oder andere individuelle Leben zu opfern zugunsten der Rettung einer grösseren Anzahl anderen Lebens. Die einzig gültigen moralischen Maßstäbe für die Kalkulation des Lebens können daher ca. sein: das Privateigentum und der Vertrag.

    Es soll aus einem am 19.04.1981 in El Mercurio erschienenen Interview stammen. 1981 fand ein regionales meeting der Mont Pelerin Society in Vina del Mar in Chile statt.

  9. R.A.
    17.10.2007 | 11:45

    @Libero:
    > denn es könnte
    > notwendig werden,
    > das eine oder
    > andere individuelle
    > Leben zu opfern
    > zugunsten der
    > Rettung einer
    > grösseren Anzahl
    > anderen Lebens.
    Solche Formulierungen ausgerechnet aus libertärer Ecke überraschen mich schon.

    Oder auch nicht, wenn manche Libertäre ganz irritierende Nähe zu braunen Einstellungen zeigen.

    Ich halte das aber auf jeden Fall für einen logischen Widerspruch: Mit Privateigentum oder Verträgen wird man so etwas wohl nie herleiten können.

    Wer würde schon freiwillig einen Vertrag eingehen des Inhalts: “Bitte opfert mich, wenn es eine genügend große Zahl anderer Menschen rettet”.

  10. Libero
    17.10.2007 | 12:10

    Die genannte Ausgabe von El Mercurio ist am iberoamerikanischen Institut vorhanden. Wenn ich wieder in der Stabi bin, sehe ich mir das ganze Interview an.

  11. R.A.
    17.10.2007 | 13:40

    Wegen des Trackbacks ist ja noch einmal die alte Diskussion “Die Realität ist viel komplexer” hochgepoppt.

    Wenn ich nochmal lese und dann den Eingangsbeitrag, dann ist es ein bißchen erstaunlich, wie verabsolutiert wir die Menschenwürde haben.
    So hoch eben, daß man sich nicht mehr in der Lage sieht, zugunsten der Menschenwürde anderer abzuwägen, oder eben zu kalkulieren.

    Dieses “nicht-abwägen-dürfen” ist ja auch die Essenz des BVerfG-Urteils.

    Das ist eine sehr neue Entwicklung, und ich zweifele, ob es wirklich eine gute ist.

    Für die Generation unserer Großeltern war es noch selbstverständlich und moralisch geboten, hier abzuwägen oder auch zu kalkulieren.

    Das typische Beispiel dafür ist der Schiffsuntergang und die Frage, wer sich zuerst in die Boote retten darf.

    Und die Regel war klar: “Frauen und Kinder zuerst”.
    Und weiter hatten “Zivilisten” Vorrang vor denen, bei denen Risiko zum Beruf gehörte, also Seeleuten, Feuerwehrmännern, Soldaten.
    Es galt auch “Jung vor Alt” und auch immer “viele vor wenige”.

    Und historisch interesant ist, daß diese Regeln meistens Priorität hatten vor der früher meist üblichen Sortierung nach Rang und Stand.

  12. 17.10.2007 | 13:50

    @Karsten: Sorry, aber das von dir beschriebene Problem wird doch nur dadurch zum Problem, dass du hier scheinbar in kollektivistischen Kategorien denkst. Was passiert, wenn “man” sich nicht mehr die Schuhe, sondern nur noch die Rucksäcke zuschnürt? Alle laufen mit offenen Schuhen rum. Das ist ziemlich absurd und nicht sehr hilfreich.
    Moral ist Privatsache! Meine Moral ist nicht deine Moral – und das ist gut so. Du kümmerst dich vielleicht lieber um Behinderte in Deutschland, ich um Kinder in Afrika. Bei 80 Mio. Deutschen alleine kommt so ne Menge diverser Hilfen zustande.
    Hayek’s Zitat klingt sicher erstmal grausam, aber er äussert sich darin nicht über die Frage, was “man” tun sollte. Zum Glück. Die Vorstellung einer Moral für alle endet immer in Not, Unglück und Tod.

  13. Mathias
    17.10.2007 | 17:49

    Vergesst Hungerhilfen und Bevoelkerungswachstum. Es gibt da naemlich eine Loesung:
    Globalisierung und weitere Oeffnung der Maerkte

    http://www.ted.com/index.php/talks/view/id/92

  14. 17.10.2007 | 19:08

    @Karsten

    Ich habe mich auch nicht angegriffen gefühlt bzw. war mir sicher, dass deine Absicht eine ganz andere war. Und natürlich hast du Recht, dass ich meine Sicht hier klarstellen kann und werde. Aber dennoch sollten vier alle vielleicht darüber nachdenken, wie vorschnell wir über andere urteilen. Wenigstens die Gutmeinenden unter uns.

  15. 17.10.2007 | 22:25

    Und ich habe mir erlaubt, das <!- – more – - >-Tag zu setzen… Kannst du gerne woanders hin setzen.

  16. 18.10.2007 | 0:44

    Sch… schon wieder vergessen. Danke. :)

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