Feste druff!

Was macht man als aggressiver, der Gewalt zugeneigter Mensch in einer Umgebung, die für sowas nur Strafrechtsparagrafen vorrätig hat?

1. Man geriert sich als Revolutionär: Da fragt keiner nach dem “wie”, sondern nur nach dem “wer”.
2. Man erfindet passende Notwehrsituationen: Strukturelle Gewalt, verbale Gewalt… Wenn alles Gewalt ist, dann muss man ja auch mal mit der Faust zuschlagen dürfen, oder?

Die Wirksamkeit beider Strategien ist allerdings davon abhängig, dass die eigene Revolution gelingt, so dass man hinterher selbst über den Staatsapparat verfügt. Denn ansonsten hat nicht nur der Staat etwas gegen die Ausübung von körperlicher Gewalt. Sondern auch der Angegriffene selbst dürfte, und das muss Zidane-Bewunderern vielleicht mal erläutert werden, sich nicht einfach immer beim kleinsten Hauch fallenlassen, sondern das eine oder andere Mal auch mal zurückschlagen. Wenn man Glück hat, bleibt es sogar dabei, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Objekt des heroischen Widerstands archaischen Ehrbegriffen anhängt, die bedauerlicherweise eine erhebliche Schädigung des diesmal konkret körperlichen Wohls des Angreifers voraussetzen.

Merke also: Der Aufstand gegen strukturelle und verbale Gewalt findet am besten gegen Schwächere statt.

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7 Kommentare zu “Feste druff!”

  1. Carlo Vendetta
    11.10.2007 | 20:34

    Würde ich nicht so sehen. Gewalt (etwa die von Schutzgelderpressern wie z.B. GEZ-Gestapos oder anwaltliche Abmahn-Haien ausgehende) erzeugt nun einmal Gegengewalt.

    Und dass die Systemlinge als Träger struktureller Gewalt die “Schwächeren” seien, ist ungefähr so lachhaft wie die Behauptung von Ayn Rand, Großkonzerne seien die am meisten verfolgteste Minderheit Amerikas.

    Und ja: Zidane ist ein Held!

  2. 11.10.2007 | 20:47

    Ja, lieber Rächer, Gewalt erzeugt Gegengewalt. Nichts anderes wollte ich hier zu Protokoll gegeben haben. Jenseits der Strafgesetzbücher, die dazu für manchen vielleicht etwas eigensinnige Ansichten haben, entscheidet sich das Ganze dann an Fähigkeiten und Bereitschaft, einerseits den eigenen Körper im Kampf einzusetzen, andererseits zum Zweck des Erfolgs auf technische Mittel zurückzugreifen.

    Und wenn du die Definition “Systemling” brauchst, um dir den passenden Schwächeren herauszusuchen, dann ändert das dennoch nichts an der Ausgangslage. Oder lebst du dein Heldentum auch an denen aus, die dir körperlich überlegen sind?

    Wenn Zidane dein Held ist, empfehle ich dir, dich auf Aktionen zu beschränken, deren unmittelbarer Erfolg in der Schwächung der eigenen Sache beruht. Das fände ich cool.

  3. Nörgler
    11.10.2007 | 22:48

    Körperliche Gewalt als berechtigte Reaktion auf einen nur verbalen Angriff darzustellen, ist ein Plädoyer für die Barbarei. Da gibt es für mich kein Vertun. Da ist die rote Linie überschritten.

    Einen GEZ-Fahnder zu verdreschen, wäre darüber hinaus auch eine sehr dumme Tat. Die GEZ hebelt man anders aus, im Rahmen des geltenden Rechts. Das tut der GEZ weh. Ein Gebühreneintreiber auf der Intensivstation kratzt die GEZ Null und mindert nur die Chancen, mit ihr fertig zu werden.

  4. 11.10.2007 | 23:34

    Man erfindet passende Notwehrsituationen: Strukturelle Gewalt, verbale Gewalt…

    Erklärung ist nicht gleich Rechtfertigung. Natürlich ist es nicht akzeptabel, wenn auf strukturelle oder verbale Gewalt mit körperlicher Gewalt geantwortet wird. Allerdings muss man diese Begriffe einführen (und verstehen, so wie ökonomische Theorien auch), um gewisse Handlungen zu durchschauen, die einem sonst als unerklärliche Handlungen unmenschlicher Monster erscheinen. Und auch, um überhaupt einen Anfang zu finden, wenn man diese Handlungen und Zusammenhänge bearbeiten und (vielleicht!) ändern will.

    Was Dir als legale Handlung erscheint, die mit eigenen Rechten begründet werden kann, mag anderen als real erlebte Gewalt (strukturelle Gewalt) erscheinen, auf die sie kaum anders reagieren können. Was Dir als Wahrnehmung der Meinungsfreiheit erscheint, mag ein anderer als verbale Gewalt wahrnehmen. Sich diesen Perspektiven völlig zu verschließen, empfinde ich als vereinfachend.

    Eine Rechtfertigung physischer Gewalt mit diesen Erklärungsansätzen allerdings empfinde ich als… Rückfall in die Barbarei. Da bin ich mit dem Nörgler einer Meinung. Und das betrifft nicht nur Zidane.

  5. Ulrike Meinhof
    12.10.2007 | 20:10

    “Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht mehr geschieht.”

  6. Carlo Vendetta
    12.10.2007 | 20:15

    Ein kleiner Finanzbeamter/Polizist der opferlose Verbrechen verfolgt, also friedliche Menschen sadistisch quält, die ihm NATÜRLICHERWEISE überlegen wären, ist doch kein “Schwächerer”???

    Halte es da mit Broder: Täter sein macht einfach mehr Spaß!

    Im übrigen: Recht braucht Unrecht nicht zu weichen und wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

  7. Carlo Vendetta
    12.10.2007 | 20:20

    P.S.: “verbale Gewalt” ist natürlich Käse! Gewalt ist physische Beeinträchtigung, sonst nix.

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