9. Oktober 2007
Heute so, morgen so
Über die Nichtteilnahme des Kickers Ashkan Dejagah an einem Spiel der U-21-Mannschaft in Israel ist schon viel geschrieben worden. Für meinen Geschmack zeichnen sich die aufgeregtesten Kommentare meist durch eine gewaltige Überschätzung sowohl der Hintergründe der Entscheidung selbst als auch des fußballerischen (das “größte Talent seit Sebastian Deisler”, wie heute gehört, ist er sicher nicht) sowie rhetorischen Talents dieses jungen Mannes aus. Der DFB inklusive seines Präsidenten macht dabei aber durch die Bank keine gute Figur.
Nachdem man endlich meint einschätzen zu können, in welche Richtung diese Sau nun läuft, gipfelt das in folgender Erkenntnis des Herrn Zwanziger:
“Heute bin ich Iraner, morgen Deutscher, wie es mir passt, das wird nicht gehen”, sagte Zwanziger…
Es ist verständlich, dass der Mensch sich Klarheit wünscht. Aber dann hat er weder Migration noch Integration kapiert. Dejagah könnte vielleicht seinen persischen Pass schreddern, aber seine familiären und sonstigen Bindungen zum Land seiner Eltern wird er dadurch trotzdem nicht los. Er ist beides, Deutscher und Iraner, auch wenn es ihm und Herrn Zwanziger mal nicht passen sollte. Sicher, ob er Fußballdeutscher oder Fußballiraner sein will, das muss er vielleicht mal entscheiden. Aber nur dann, wenn er eine Einladung zu einem “echten” Länderspiel erhält. Was vielleicht, sollte der Iran schneller damit sein, die deutschen Aufgeregtheiten abklingen lässt, jedoch nichts an der mitunter schwierigen Situation eines Menschen ändert, dessen Wurzeln nicht nur in einem Land zu finden sind. Zumal, wenn dieser weder besonders helle noch besonders reif sein sollte.
Der Titel dieses Beitrags spielt natürlich auf einen bestimmten Schlager an. Es würde auch anlässlich der Che-Anbetungswochen schön passen, wenn man die Parallele Kuba-Iran ziehen könnte, aber leider war der gute Roberto Blanco schon fünfzig, als er das erste Mal das Land seiner Eltern besuchte…
Verfasst von Rayson um 23:52 Uhr in der Kategorie International, Politik, Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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