9. Oktober 2007
Brutal komisch
Es ist wirklich zum Brüllen, was für herzzerreißende Versuche zum Teil unternommen werden, um Bush ja auf gar keinen Fall in auch nur einem einzigen Artikel als nicht böse dastehen zu lassen:
Die ganze Thematik wirft natürlich einige unangenehme Fragen auf. Ist Bush in Wahrheit ein Wohltäter? Oder ist er eine zerrissene Persönlichkeit, getreu dem Faustschen Motto “Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust”? Leidet Bush unter dem Widerspruch, ein imperialistischer Kriegstreiber und eine Art weltweiter Robin Hood zu sein?
Eher nicht. Tatsächlich gelingt es dem Präsidenten recht gut, diese verschiedenen Aspekte seiner Präsidentschaft unter einen Hut zu bringen. Denn seine Entwicklungsprogramme sind für Bush elementarer Bestandteil des Kriegs gegen den Terror. Aus diesem Grund hat der MCA auch die etwas zweifelhafte Ehre, als erstes US-Entwicklungshilfeprogramm in die Nationale Sicherheitsstrategie aufgenommen worden zu sein. Dennoch könnte die Bush-Amtszeit nachhaltig positive Folgen für die US-Entwicklungspolitik haben. Um noch einmal Goethe zu bemühen: Vielleicht ähnelt Bush in dieser Hinsicht ja ein bisschen dem Mephistopheles. Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
[Telepolis, mit Dank an Klaus beim A-Team]
Sowas geiles habe ich seit Nick Cave and the Bad Seeds in Berlin nicht mehr gesehen: Die Frage, ob Bush ein Wohltäter sei, ist unangenehm, denn die Antwort könnte nicht ins Schema passen. Und um dieses dann wiederherzustellen, werden dann eben der Krieg gegen den Terror als Ganzes und nationale Sicherheit überhaupt zu richtig fiesen Motivationen erklärt. Schon paßt wieder alles: Da will einer das Böse, klar: Terror bekämpfen (indem er Armut bekämpft) und schafft dabei zufällig das Gute: Armut bekämpfen. Mann. Ich werde mir wahrscheinlich in den Fuß schießen müssen, um wieder runterzukommen.
Verfasst von David um 00:37 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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