Bundesliga-Notizen, 9. Spieltag

Geld schießt keine Tore. Das stimmt.

Aber Klassespieler schießen bzw. vorbereiten sie. Und die pflegen, wenn denn genug Vereine auf sie aufmerksam geworden sind, auch entsprechend viel zu kosten. Und es ist eben kein Gegensatz, dass ein Toni oder ein Ribéry Millionen Euro teuer waren und ein Hajnal nur ein paar Hunderttausend. Denn der Marktpreis dieses Hajnal dürfte inzwischen viel höher sein, so dass seine Kosten Opportunitätskosten sind: Es kostet den KSC sehr viel Geld, diesen Spieler nicht zu verkaufen.

Aber dennoch: Die beiden Mannschaften, die jetzt da oben in der Tabelle stehen, verkörpern exemplarisch die Bandbreite des Möglichen. Nicht nur im Fußball, sondern in Organisationen, also auch Unternehmen, schlechthin. Die Truppe der genialen Individualisten gegen die über Jahre gewachsene Mannschaft. Natürlich sind mit dieser Beschreibung die Extreme markiert: Die Bayern-Stars sind auch deswegen vorne, weil sie gut zusammen spielen können, und der KSC hat auch deswegen Erfolg, weil seine Spieler über individuelle Klasse verfügen. Nur den Unterschied zu den anderen Mannschaften, den macht jeweils das andere aus.

Ich weiß deswegen noch nicht einmal, ob ich mir für das Ende der Saison diese Tabelle wünschen sollte. Denn dann hätte der KSC Geld, mit dem er Unsinn anstellen könnte. Hätte er das schon vorher gehabt, hätte er vielleicht den üblichen Fehler von Aufsteigern begangen, nämlich die in der 2. Liga erfolgreiche Mannschaft durch ein Sammelsurium von angeblich besseren, dann hinzugekauften Spielern zu ersetzen. So hat der KSC nur da ergänzt, wo der Trainer eine Lücke ausgemacht hat.

Nochwas zur Bayern-Klasse: Zu sehen, wie Ribéry sich selbst den Ball mit der Hacke vorlegt, ist allein schon ein Premiere-Abo bzw. ein Stadion-Ticket wert. Aber auch ein Zé Roberto steht für eine enge Freundschaft mit dem Spielgerät. Und dass Schweinsteiger einen Doppelpass mit der Hacke spielt, würde ich auf die gute Klinsmann/Löw-Schule zurückführen…

Arme Hertha: Der beste Neueinkauf für Monate flachgelegt. Armer Lucio: Wochen nach der Aussicht auf viel Geld in ständiger Angst vor dem Karriere-Ende. Der Berliner Hysterie tut das gut, aber der menschliche Preis ist zu hoch.

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8 Kommentare zu “Bundesliga-Notizen, 9. Spieltag”

  1. 7.10.2007 | 19:40

    Ich weiß deswegen noch nicht einmal, ob ich mir für das Ende der Saison diese Tabelle wünschen sollte. Denn dann hätte der KSC Geld, mit dem er Unsinn anstellen könnte.

    Denkst du nicht dass der KSC 2007 aus den Fehlern des KSC 2000 gelernt hat, was Selbstüberschätzung und Fehlwirtschaft betrifft?

  2. 7.10.2007 | 20:13

    Ach Björn, hoffen tue ich es sicher, aber bei dem kurzlebigen Geschäft wäre ich mir da alles andere als sicher.

  3. 7.10.2007 | 20:51

    Hah, jetzt kann ich auch mal den Oberlehrer spielen. Du glaubst jawohl nicht, dass ich mir diese Gelegenheit nehmen lasse.

    Der KSC steht nicht vor der Frage Hajnal zu verkaufen oder zu halten. Sein Problem ist komplexer, es ist ein “Optimales Stopp-problem”. Er steht vor der Frage WANN er Hajnal verkaufen soll (möglicherweise nie.). Berechnet man nun die Opportunitätskosten Hajnal beim KSC zu halten, muss man alle Alternativen in Betracht ziehen. Auch die, ihn erst in ein zwei Jahren zu einem möglicherweise noch größerem Betrag zu transferieren. Aussicht auf letzteres kann zu einen erheblichen Geldbetrag wert sein.

    Anders herum: Wenn der KSC Hajnal verkauft, verliert er nicht nur einen guten Spieler, sondern auch die Möglichkeit ihn nachher teurer zu verkaufen.

    (siehe auch McDonald/Siegel: http://links.jstor.org/sici?sici=0033-5533(198611)101%3A4%3C707%3ATVOWTI%3E2.0.CO%3B2-3)

  4. 7.10.2007 | 21:21

    @Dirk

    Danke. Mir kam es vor allem darauf an, überhaupt die Opportunitätskosten ins Spiel zu bringen. Und da weiß ich aus Erfahrung, dass das manchen Leser überfordert…

  5. 7.10.2007 | 21:43

    Schon klar, der Begriff ist ja im Beitrag ziemlich nebensächlich. Wollte mir aber die Gelegenheit nicht nehmen. (-:

  6. 8.10.2007 | 12:27

    Anders herum: Wenn der KSC Hajnal verkauft, verliert er nicht nur einen guten Spieler, sondern auch die Möglichkeit ihn nachher teurer zu verkaufen.

    Wobei man aber auch nicht jene Unbekannte ignorieren darf, die ich mal spontan Van-der-Vaart-Vaktor taufe: Fall Hajnal sich irgendwann seines Marktwerts bewusst wird und bemerkt, dass ein etwas renommierterer Verein als der KSC (nichts gegen deine Euro-Fighter, Rayson) Interesse an ihm hat, dann kann es passieren, dass er spontan eine beeindruckende Unlust in einigen Spielen beweist oder in wichtigen internationalen Spielen “krank” (*hust-hust*) ist, so dass er im Zweifelsfall eben doch für den größeren Verein spielen kann und möglicherweise Unruhe ins Team bringt.

    Würde man zwar immer noch die höhere Geldsumme für ihn bekommen können, wäre aber im schlimmsten Fall sehr plötzlich auf einer wichtigen Position geschwächt.

  7. 8.10.2007 | 18:50

    Wobei man aber auch nicht jene Unbekannte ignorieren darf, die ich mal spontan

    Natürlich. Die Opportunitätskosten einer Handlung X berechnet man, in dem man den – bei Unsicherheit gewichteten – Nutzen der BESTMÖGLICHEN durch X verhinderten Alternative ermittelt.

    Aktuell wird diese Problematik übrigens beim Klimaschutz. Es wird so getan, als gäbe es nur zwei Alternativen: Katastrophe oder Investition in Klimaschutz. Dann kommt der Ökonom Stern daher, vergleicht Kosten und Nutzen dieser beiden Alternativen und schlussfolgert, wir müssten Handeln. Dabei zeigt er nur, dass auch nicht jeder Ökonom den Begriff der Opportunitätskosten verstanden hat. Denn die Alternativen sind vielfältiger. Z.B. könnte man warten und in einigen Jahren auf Basis besserer Information bei besserer Technologie investieren. Dass er diese Möglichkeit gar nicht in Betracht zieht, sagt eine Menge aus.

  8. 8.10.2007 | 19:15

    Vielleicht noch etwas mehr OT als meine bisherigen Kommentare: Durch diesen Beitrag fällt mir ein interessanter Zusammenhang zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen auf.

    Der Begriff “Opportunitätskosten” ist eng verwandt mit der Wahl eines bestimmten Referenzpunktes (Referenzpunkt 1: Hajnal beim KSC, Referenzpunkt 2: Hajnal verkauft, Marktwert auf dem Konto des KSC). Und die ökonomische Entscheidung sollte unabhängig von dieser Wahl sein, weil sich der eine Zustand leicht (=kostenlos) in den anderen transformieren lässt: Hajnal lässt sich verkaufen, oder – falls bereits verkauft – zum Marktpreis wieder erwerben.

    Ähnlich sieht es bei der Frage aus, welche Auswirkungen etwa eine Mehrwertsteuererhöhung hat. Konjungiert man die Auswirkungen durch, muss man sich festlegen ob die Steuer von den Unternehmen oder den Konsumenten bezahlt wird. Man muss sich für eine Perspektive entscheiden. Da es aber Unternehmen und Konsumenten egal ist, wer den Scheck an das Finanzamt ausstellt, (kurz der eine Zustand kostenlos in den anderen transformierbar ist) sollte auch das Ergebnis der Betrachtung unabhängig von der Wahl der Perspektive sein.

    Abstrakt: Man will das “Ding an sich” betrachten, das sich aber so nicht fassen lässt. Erst durch Wahl einer – von vielen möglichen – Perspektive wird es “festgenagelt”. Dann aber muss das Ergebnis unabhängig von der Wahl Perspektive sein.

    Richtig krass wird dieses “Phänomen” dann bei der Relativitätstheorie, bei man die Gleichwertigkeit einer bestimmten Klasse von Perspektiven postuliert. Und dann, damit bestimmte Ergebnisse (Lichtgeschwindigkeit) unabhängig von der Wahl der Perspektive sind, notwendigerweise die entsprechenden Resultate erhält (z.B. Zwillingsparadoxon).

    Sorry für den Unfug.

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