Haut und Uniform

Meine Schwiegermutter, die als Flakhelferin am zweiten Weltkrieg beteiligt war, erzählte von ihrer damaligen Angst, von Russen oder Schwarzen in Kriegsgefangenschaft genommen zu werden. Dann kam es:

Ich hatte ja noch nie einen gesehen, einen Schwarzen, meine ich. Und da kam er, auf einem Motorrad, an uns vorbeigefahren. Wir zitterten vor Angst, als er abstieg. Aber er gab nur meiner Kameradin einen Kuß, steckte ihr einen Riegel Schokolade zu, lächelte breit mit einem Mund voller weißer Zähne, stieg wieder auf sein Motorrad und brauste davon.

Da habe ich angefangen, nachzudenken. Und später habe ich dann verstanden, dass wir nicht vor den Menschen mit der schwarzen Haut hätten Angst haben sollen, sondern vor denen in den schwarzen Uniformen!

Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass nicht die Herkunft, sondern das Handeln einen schlechten Menschen macht.

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12 Kommentare zu “Haut und Uniform”

  1. 25.09.2007 | 15:03

    Schöne Geschichte, weil sie so gut ausgegangen ist.

    Wie wäre die aus ihr gezogene Moral, wenn ihre Bekannte von russischen Soldaten vergewaltigt worden wäre?

  2. 25.09.2007 | 15:41

    Na, dass alle Russen brutale Vergewaltiger sind. Was denn sonst?

    Ernsthafter: Ist es nicht schön, dass es im Leben auch Geschichten gibt, die gut ausgehen? Und sollte man diese nicht weitererzählen?

  3. 25.09.2007 | 16:01

    Doch, sicher. Das Fazit war mir nur zu leicht.

  4. 25.09.2007 | 16:04

    Es ist das Fazit, das meine Schwiegermutter aus den von der Situation angeregten Gedanken gezogen hat. Und das die innere Welt einer jungen, naiven Frau verändert hat, die letzten Reste NS-Verblendung getilgt möglicherweise gar.

  5. 25.09.2007 | 16:21

    Das will ich ja gar nicht kleinreden.

  6. Libero
    25.09.2007 | 16:50

    @Boche
    wenn du russisch sprachst wie mein Großvater und mein Vater, sind dir solche Erlebnisse meisten erspart geblieben. Mein Großvater hatte Töchter und das Anwesen liegt abseits der Ortschaft
    @Karsten
    Ist es nicht schön, dass es im Leben auch Geschichten gibt, die gut ausgehen? Und sollte man diese nicht weitererzählen?
    Du hast recht!

    Es ist so eine Sehnsucht in der deutschen Seele nach der Katastrophe und dem Pferdefuß.

  7. Jan
    25.09.2007 | 16:52

    Ein wirklich schöne Geschichte … Ein gutmütiger amerikanischer Soldat und eine junge Flakhelferin, die trotz Indoktrination und Nazi-Propaganda immer noch in der Lage war, eigenständig zu denken.

    Danke fürs Weitererzählen :-)

  8. 25.09.2007 | 18:18

    Nichts gegen Grossmütter: Aber es gab Leute, die wussten, dass von den Schwarzberockten tödliche Gefahr ausging, ohne dass ein “Schwarzer” – heisst das korrekt nicht “Afro-Amerikaner”? – sie wachgeküsst hat.

  9. 25.09.2007 | 18:24

    @M.M.:
    Ja. Und?

  10. Libero
    25.09.2007 | 18:38

    @.M.M.

    Wenn die Schwiegermutter von Karsten sich an diese Zeit zurückerinnert, wird sie sich wahrscheinlich erinnern, das sie es ahnte oder sogar wußte, aber es verdrängte. Wissen oder Ahnen ist das eine, aktiv diesen Menschen ins Gesicht zu sagen, was man von ihnen hielt, ist das andere. Das haben viele mit ihrem Leben bezahlt. Manche unmittelbar vor Kriegsende.

  11. Zebulon
    25.09.2007 | 21:17

    Alles relativ…. In meinem Heimatort wurden 1945 zwei junge Frauen von zwei Schwarzen vergewaltigt. Kann sein, daß ich damit den Pferdefuß gefunden habe, aber erwähnen wollte ich es.

  12. 25.09.2007 | 21:38

    @Zebulon:
    Ganz im Gegenteil. Du hast meine These bestätigt, danke Dir dafür.

    Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass nicht die Herkunft, sondern das Handeln einen schlechten Menschen macht.

    Oder einen guten.

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