Der Teppich wölbt sich schon verdächtig

Aber der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt kehrt weiterhin munter den hässlichen braunen Dreck darunter:

Nach den Ausschreitungen gegen acht Inder in Mügeln sieht er die Bewohner der sächsischen Kleinstadt als Opfer einer hysterischen Debatte.

Es sei unerträglich, “wenn ein ganzer Ort oder ein ganzer Landstrich stigmatisiert wird”, sagte Milbradt, der von “hysterischen Debatten und “stereotypen Betroffenheitsadressen” in der öffentlichen Auseinandersetzung sprach.

Mehr zum Nachlesen bei n-tv: “Hetzjagd auf Mügeln”

Laut Staatsanwaltschaft ereignete sich der Übergriff vor einem fremdenfeindlichen Hintergrund, wurde aber nicht von Rechtsextremen organisiert. Die Zusammenrottung des Mobs vor der Pizzeria, in die die Inder in der Nacht zum 19. August flüchteten, sei jedoch geprägt gewesen von “fremdenfeindlichen Äußerungen Einzelner aus der Menschenmenge”. Die Rede ist von Rufen wie “Ausländer raus” und “Deutschland den Deutschen”. Bei der Auseinandersetzung waren 14 Menschen verletzt worden, darunter alle Inder und zwei Polizisten.

Offensichtlich ist die Welt für Milbradt so lange “in Ordnung”, solange ein rassistisch motivierter Mob nicht zentral von der NPD oder den “freien Kameradschaften” organisiert worden ist.
Ja, und wenn wir ganz fest die Augen zumachen, dann verschwinden diese hässlichen Rassisten ganz von allein!

Ähnliche Beiträge


15 Kommentare zu “Der Teppich wölbt sich schon verdächtig”

  1. twex
    17.09.2007 | 9:02

    Many political words are similarly abused. The word Fascism has now no meaning except in so far as it signifies “something not desirable.” The words democracy, socialism, freedom, patriotic, realistic, justice have each of them several different meanings which cannot be reconciled with one another. In the case of a word like democracy, not only is there no agreed definition, but the attempt to make one is resisted from all sides. It is almost universally felt that when we call a country democratic we are praising it: consequently the defenders of every kind of regime claim that it is a democracy, and fear that they might have to stop using that word if it were tied down to any one meaning. Words of this kind are often used in a consciously dishonest way. That is, the person who uses them has his own private definition, but allows his hearer to think he means something quite different.

    Das Wort ‘Rassismus’ hätte George Orwell auch in seine Aufzählung aufnehmen können. Es wird hier überall definitionsfrei als Pejoration gebraucht.

  2. DDH
    17.09.2007 | 12:32

    Milbradt hat den Henry-Nitzsche-Flügel am Hals und FDP-Chef Zastrow den Gotthard-Deuse-Flügel. In Sachsen wird die NPD bald überflüssig!

  3. Frank
    17.09.2007 | 17:20

    Ausnahsweise muß ich mal einem Politiker ausdrücklich zustimmen…

    http://www.wiedenroth-karikatur.de/KariAblage0807/PK070831_Rechtsextremismus.jpg

  4. stefanolix
    17.09.2007 | 22:50

    @DDH: Welcher Henry-Nitzsche-Flügel? Herr Nitzsche ist im Dezember 2006 aus der CDU ausgetreten und, soweit mir bekannt ist, inzwischen fraktionsloser MdB.

  5. 18.09.2007 | 0:42

    @twex

    Sorry, hat wohl lange keiner in die Mod-Schleife geschaut…

    Aber kannst du dir Rassismus “nicht-pejorativ” vorstellen?

  6. 18.09.2007 | 17:15

    @twex: Zwar gehört “Rassismus” auch zu den universell verwendbaren ideologischen “Totschlagworten”, aber Fall Mügeln ist der Rassismus nur dann zu übersehen, wenn man krampfhaft wegsieht. Als Definition für “Rassismus” ziehe ich der Einfachheit halber die der “Wikipedia” heran Rassismus. Sie trifft auf den “Mob” in Mügeln zu, das zeigen die skandierten Parolen.

    Ein Satz aus der Definition ist für den Fall Mügeln besonders wichtig:

    Die Menschen werden nicht oder nur nachrangig als Individuen beurteilt und behandelt, sondern als Stellvertreter pseudoverwandtschaftlicher Gruppen.

    In Mügeln ging es nicht gegen “die Inder vom Stoffe-Stand auf dem Markt” oder “die Inder von der Pizzaria”, nicht einmal gegen “die Inder”, sondern gegen ein paar Menschen, die das Pech hatten, als “Stellvertreter” für die “pseudoverwandtschaftliche Gruppe” “Ausländer” gejagt, verprügelt und niedergestochen zu werden. (“Ausländer” definiert als jemand, der sich in Aussehen und Benehmen vom “gefühlten Durchschnittsdeutschen” unterscheidet, unabhängig von Staatsangehörigkeit und Intergrationsgrad.)
    Selbst wenn es stimmt, dass zuerst ein Inder handgreiflich wurde, spricht die Eskalation für rassistisches Denken bei den am Mob Beteiligten. Die Wahrnehmung war offensichtlich nicht die, dass die “der da” handgreiflich wurde, sondern “einer von diesen da” – ein (vermeindliches) Kollektiv, nicht ein einzelnen Mensch.

  7. twex
    18.09.2007 | 19:24

    Aber kannst du dir Rassismus “nicht-pejorativ” vorstellen?

    Was ich mir eigentlich unter Rassismus vorstellen würde nicht. Aber die Definition von Wikipedia, obwohl seltsam und unhistorisch, finde ich sittlich neutral. Es gibt Rassen, sie haben Merkmale und sie bilden (üblicherweise) kulturelle Kollektive.

    Sie trifft auf den “Mob” in Mügeln zu, das zeigen die skandierten Parolen.

    Nein, eben nicht. Die Parolen waren fremdenfeindlich, aber nicht rassistisch. Sie hätten sich ebensogut gegen Franzosen richten können.

    In Mügeln ging es nicht gegen “die Inder vom Stoffe-Stand auf dem Markt” oder “die Inder von der Pizzaria”

    Gab es denn noch andere? Soweit ich das mitbekommen hatte, waren die Inder doch tatsächlich alle in einer Clique.

    Selbst wenn es stimmt, dass zuerst ein Inder handgreiflich wurde, spricht die Eskalation für rassistisches Denken bei den am Mob Beteiligten. Die Wahrnehmung war offensichtlich nicht die, dass die “der da” handgreiflich wurde, sondern “einer von diesen da” – ein (vermeindliches) Kollektiv, nicht ein einzelnen Mensch.

    Ich kann eben nichts Negatives daran finden, Rassen als ein Kollektiv wahrzunehmen. Es ist lediglich verwerflich, einigen Rassen einen prinzipiell höheren Wert zuzusprechen als anderen. Aber selbst wenn wir den Ruf “Ausländer raus” als Plädoyer für Rassentrennung auffassen, ist das nicht gegeben. Denn der Anlaß für die Randale gegen eine Gruppe war eben, daß der Gruppe ein Verbrechen zur Last gelegt wurde, nicht die Minderwertigkeit ihrer Rasse.

  8. DDH
    18.09.2007 | 21:40

    @stefanolix: Trotzdem ist der Haselnußflügel in der sächsischen Union stärker verankert als in jedem anderen Landesverband! Und auch in der Landtagsfraktion, wie gelegentliche Stimmen für NPD-Vorschläge gezeigt haben, wo diese die Zahl der NPD-Fraktionsmitglieder überstiegen.

  9. stefanolix
    18.09.2007 | 23:21

    Ich habe keinen Grund, die CDU in Sachsen zu verteidigen. Ich möchte trotzdem auf die Stärke der Haselnuss-Fraktionen in Hessen und Bayern hinweisen. Meiner Meinung nach sind die schwarz-braun Angehauchten dort wesentlich stärker als in Sachsen vertreten. Und richtigen Rassismus erlebe ich vor allem, wenn ich etwas ältere rheinische oder schwäbische Spießbürger über Türken oder Araber herziehen höre. Diese Leute haben schon sein Jahren verinnerlicht, was “PI” heute vom Stapel lässt.

    Was die ominösen Stimmen im Landtag betrifft: Man hat darüber bisher keine genauen Informationen. Es gehört wohl zu den typischen Spielchen der Scheinpolitik, den eigenen Chefs mal zu zeigen, was eine Harke ist.

    Ich habe eigentlich auch keine Lust mehr, eine differenzierte Meinung zu den Mügelner Ereignissen zu posten.

    Vor einigen Wochen wurde ein »sächsischer Korruptionsskandal« durch die Medien gezerrt. Davon ist kein Quäntchen an Substanz übrig geblieben: es bleibt nur das totale Versagen einiger Verfassungsschutz-Mitarbeiter, die sich völlig blödsinnige Informationen ausgedacht haben. Aber manche Zeitungen haben daraus mindestens den Untergang der (sächsischen) Demokratie in Korruption und Prostitution gemacht.

    Auch den »Skandal von Mügeln« sollte man auf vernünftige Weise einordnen. Es gibt nichts unter den Teppich zu kehren. Es gilt aber auch, den eigentlich wichtigen Punkt hervorzuheben: Die Polizei hat nach einer Bierzelt-Schlägerei das Gebäude mit den Indern geschützt und wurde bei diesem Einsatz von einer Horde Betrunkener mehr als eine Stunde lang mit Gegenständen angegriffen und beworfen.

    Was Betrunkene weit nach Mitternacht für Unsinn brüllen können, dürfte hier jedem bekannt sein. Ich will diese Leute nicht verteidigen. Mich widert solches Verhalten an. Ich würde die Meldungen allerdings auch nicht mehr allzu ernst nehmen. Seit ich gesehen habe, wie die Medien den »Verfassungsschutz-Skandal« aufgebauscht haben, widern mich die Ergüsse bestimmter Journalisten genauso an, wie die betrunken skandierten »Ausländer raus«-Parolen von Mügeln.

  10. 19.09.2007 | 0:09

    @stephanolix: Du hast recht, der Rassismus ist in vielen Gegenden im “Westen” mindestens genau so tief verwurzelt wie in den bekannten “braunen Flecken” der ehemaligen DDR. Mit deiner Verteidigung der besoffen randalierenden Mügelner Bürger bin ich nicht einverstanden – denn: auch aus einem alkolisierten Hirn kommt nichts, was nicht schon drin war. Manchmal wirk Alkohol glatt als “Wahrheitsdroge”. Er hebt lediglich die Hemmungen auf, die sich ein halbwegs zivilisierter Mensch in Gesellschaft auferlegt. Poetisch gesagt: Alkohol wäscht die Schminke der bürgerlichen Anständigkeit ab.
    @twex: der “Wikipedia”-Artikel ist nicht “sittlich neutral”, den er stellt klar heraus, dass “Menschenrassen” ein kultrells Konstrukt sind, die Merkmale, anhand derer “Rassen” üblicherweise unterschieden werden, willkürlich aus einer großer Zahl genetisch disponierten Merkmale ausgewählt wurden, und das so konstruierte “Rassen” nicht mit kulturelle Kollektiven übereinstimmen.

    Die Parolen hätten sich nicht ebensogut gegen Franzosen richten können – denn gegen “weiße” Franzosen hätten die Schläger schwerlich z. B. anti-türkische Parolen gegrölt. Entscheidend war meiner Ansicht nach, dass die Inder sofort als “rassisch Fremde” identifizierbar waren.
    Wobei ich jede Form der Fremdenfeindlichkeit, die auf eine “unveränderliche”, quasi “naturgegebene” angebliche Eigenschaft des “Fremden” verweist, rassistisch genannt werden kann. (Auch die einstige “Deutsch-Französischen Erbfeindschaft” war im Grunde rassistisch, weil die “Feindschaft im Blute lag”.) Treffender könnte man von “Kulturalismus” reden, aber das versteht dann wieder niemand.

    Ich finde es grundsätzlich falsch, einen Menschen per Geburt die Schublade eines “Kollektivs” zu sperren – egal, ob das Kollektiv “Rasse”, “Kultur”, “Religion” oder “Nation” heißt. Kein Mensch ist darauf festgelegt. Es sei denn, er handelt aktiv (und freiwillig) als Mitglied eines Kollektivs – z. B. eines Schlägermobs.

    “Denn der Anlaß für die Randale gegen eine Gruppe war eben, daß der Gruppe ein Verbrechen zur Last gelegt wurde, nicht die Minderwertigkeit ihrer Rasse.” Es geht darum, dass die “Gruppe” nur deshalb als “Gruppe” wahrgenommen wurde, weil das Merkmal “Inder” in den Vordergrund trat. Übrigens braucht ein Rassist nicht von der “Minderwertigkeit” des “Andersartigen” überzeugt sein. Es reicht aus, dass er “denen da” bestimmte unangenehme Dinge unterstellt. (Der “Rasseantisemitismus” funktioniert nach diesem Schema.)

  11. 19.09.2007 | 0:15

    Um noch mal auf die Überschrift meines Beitrags zurückzukommen:
    Der “braune Dreck”, der unter den Teppich gekehrt wird, ist die hässliche Tatsache, dass Rassismus (und Fremdenfeindlichkeit, übersteigerter Nationalismus, Hass auf Aussenseiter) nicht an den Rändern der Gesellschaft liegen, sondern mittendrin, in den Köpfen ganz “normaler” Menschen, und dass sie längst die politischen Diskurse (mit-)bestimmen. Und zwar nicht nur in der sächsischen Provinz.

  12. 19.09.2007 | 0:21

    Tun sie das, Martin?

    (Gibbs-Tonfall bitte wieder mitdenken…)

  13. 19.09.2007 | 11:19

    Mönsch, Ray, ich kenne NCIS nicht. Wann stellt dieser Mr. Gibbs denn nun immer diese bedeutungsschwangere Frage? Ich würde mal tippen, wenn Behauptungen als Fakt aufgestellt werden, die er nicht als ausreichend bewiesen betrachtet – richtig?

  14. 19.09.2007 | 13:42

    @Karsten

    Das wäre eine von zwei Möglichkeiten. Wobei das in der Serie öfters vorkommt, ohne dass diese Reaktion erfolgt. Die Behauptung muss dazu wohl noch besonders schlaumeierisch daherkommen.

    Die zweite Möglichkeit: Etwas ist so offensichtlich, dass der Verweis darauf als überflüssig angesehen werden kann.

    Ich nehme mir natürlich die Freiheit, mit dem Tonfall lediglich Zweifel auszudrücken, ohne dass das Kriterium des Schlaumeierns erfüllt sein muss ;-)

  15. R.A.
    19.09.2007 | 16:30

    @MartinM:
    > Der “braune Dreck”,

    > nicht an den Rändern der
    > Gesellschaft liegen,

    > längst die politischen
    > Diskurse (mit-)bestimmen.

    Ich könnte inhaltlich da zustimmen – und trotzdem scheint mir die Formulierung falsch.

    Richtig ist, daß auch bei “normalen Menschen” Abwehr-Reflexe und Denken in Freund-Feind-Schemata häufig vorkommen.
    So häufig, daß ich das eben noch nicht “brauner Dreck” nennen würde, auch wenn vereinzelt irgendwelche Parolen gegröhlt werden.

    So wie sich die ganze Mügeln-Geschichte inzwischen darstellt, hätte das recht ähnlich auf Mallorca zwischen einer Gruppe besoffener Engländer und Holländer abspielen können – incl. deftiger Stammtisch-Beleidigungen.

    Und deswegen habe ich auch Probleme mit dem “längst … mitbestimmen”. Das suggeriert ja, hier wäre etwas neu dazugekommen, wäre ein gefährlicher Trend zu beobachten.

    Da würde ich aber eher sagen: Auch wenn bedauerlicherweise sehr viele Menschen in vielen Gegenden dieses Landes noch nicht so freundlich, tolerant, friedlich und vorurteilsfrei sind, wie wir uns das für eine ideale Gesellschaft wünschen würden – einen Trend zum Schlechteren sehe ich nicht, und Mügeln ist auf jeden Fall kein Indiz dafür.

Bad Behavior has blocked 1041 access attempts in the last 7 days.