14. September 2007
Alle Jahre wieder
“Alle Jahre wieder” – das ist eigentlich eine Unterkategorie der Unpolitik.
Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich mich darüber geärgert, was die angeblich liberalen Abgeordneten im Europaparlament in Sachen Softwarepatente für ein armeseliges Bild abgaben. Mittlerweile ist der Ärger einem resignierten Verstehen gewichen: Anscheinend besteht zumindest der aus Deutschland entsendete Teil aus Unpolitikern reinsten Wassers, die von Liberalismus keine, von den tausend Tricks, am schnellsten Parteikarriere zu mache, dafür aber besonders viel Ahnung haben.
Zum Covergirl wurde ich an anderer Stelle ja schon einmal deutlich. Vor fast genau einem Jahr brachte dieses einen ihrer wie üblich originellen, also gerne auch absurden Vorschläge unter die Menschen, nämlich ein Bündnis von FDP und Grünen. Auch B.L.O.G.ger Dirk Meister, der damals das Nötige dazu sagte, hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass FDP-Vorstandsmitglied und Europarlamentsabgeordneter Jorgo Chatzimarkakis (”Chatzi”) jetzt noch einen oben draufsetzen könnte: Ihm schwebt jetzt sogar eine Fusion von FDP und Grünen vor.
Nun könnte einem dazu als erstes das einfallen, was Kollege DDH eingefallen ist, dem ich hier auch überhaupt nicht widersprechen will.
Ich würde nur gerne etwas persönlicher werden. Wenn wir uns die Lebensläufe beider genannter Personen, also Koch-Mehrins und Chatzis anschauen, welche Parallelen fallen uns dann ins Auge? Studium. Friedrich-Naumann-Stipendiat, nebenbei schon Politik, Schwerpunkt Europa, dann “Unternehmensberatung” (Lobbyarbeit) im EU-Umfeld, schließlich EU-Abegordnete(r). Da brutzelt eine eigene Schicht im vorgegebenen, hierarchisch-etatistischen Saft – wer daraus Liberales erwartet, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Aber Buzzwords und Eigen-PR, das haben sie drauf. Wie soll man unter diesen vielen Vorständen denn auch noch auffallen können, wo doch eh schon niemand von den hiesigen Medien die Entstehung der Gesetze verfolgt, die vom Bundestag abgenickt werden dürfen?
Unternehmen fusionieren ja auch immer wieder, das muss also eine gute Sache sein. Der “Stern” kommt dann auch gleich mit “kühne Vision” – das hat man damals bei Schrempps doller Idee auch gesagt. Hoffentlich hat die FDP noch genug Geld in der Parteikasse. Hat Chatzi vielleicht schon eine Investmentbank beauftragt? Und schauen sich die Grünen wegen einer befürchteten feindlichen Übernahme bereits nach “Weißen Rittern” um und bereiten “Giftpillen” vor? Vorsicht, liebe Ökos, wenn in nächster Zeit viele Leute eintreten, die Schlips und Aktenköfferchen tragen und garantiert bei allen Abstimmungen präsent sind.
Im Grunde aber sind doch SPD und Union viel weiter. Die koalieren wenigstens schon. Und einen Parteinamen hätte ich auch: Christlich-sozialsozialdemokratische Partei, CS²P.
Aber wer weiß: Vielleicht fasziniert Chatzi ja auch das Jonglieren mit den Farben. Was erhält man, wenn man Blau und Gelb mischt? Eben. Als Argument der Unpolitik geht das locker durch.
Verfasst von Rayson um 10:24 Uhr in der Kategorie Politik, Rochus (Trackback)
5 Kommentare