13. September 2007
Virtualisierung
Wir sind ja einseitige Berichterstattung längst gewohnt. Auch daran, dass z.B. SPON-Titel und -Aufmacher oft das Gegenteil von dem behaupten, was im eigentlichen Text steht. Jetzt aber ist von zwei Neuerungen zu berichten:
Der SPON-Schreiber Marc Pitzke, ein spezieller Freund unseres Kollegen Zettel, hat einen Artikel verfasst, in dem er auflistet, welche Unternehmen vom Irak-Krieg profitieren. Man ahnt zwar, in welche Richtung dieser Hase wieder mal läuft, aber gut, warum eigentlich auch nicht? Aber jetzt Einzug der ersten Neuerung: Eine mitten im Text plazierte Überschrift “Die alte Cheney-Connection”. Und schon wabert Korruptionsgeruch durch die Zeilen. Einziges Problem: Der Text selbst erwähnt davon gar nichts; es wird nicht deutlich, wo diese “Connection” besteht, wer dazu gehört und was die aufgezählten Firmen (besser, wenn es sich um Böses handelt: Konzerne) mit ihr zu tun haben. Es ist einfach nur ein im Raum schwebender Einwurf. Keine Ahnung, ob im Text mal mehr stand und als Bezug dazu nur diese einsame Zwischenüberschrift übrig geblieben ist, oder ob es einfach nur darum geht, dem eiligen Leser eine Meinung als Fakt unterzujubeln. Interessant ist es allemal.
Neuerung Nr. 2 aber hat alle Eigenschaften, den Journalismus von lästigen Zwängen ein- für allemal zu befreien: die Erfindung von Aussagen. Wenn es stimmt, was hier in der FTD steht, dann ist nicht nur ein Zitat des Unions-Politikers Bosbach verfälscht wiedergegeben, es ist sogar das eigentliche Reizwort noch frei dazu erfunden worden.
Noch lachen wir über Second Life…
Nachschlag:
Zettel hat in den Kommentaren auf Pitzkes Quelle hingewiesen, die dieser in gewohnter jounalistischer Qualität weitgehend unverändert übernommen hat. Auch da findet sich nichts über “Cheney”, was eine meiner beiden o.g. Erklärungen weniger wahrscheinlich macht.
Verfasst von Rayson um 15:42 Uhr in der Kategorie Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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