Von Dummen und Heuchlern

Zu Eva Herman möchte ich gar nicht viel schreiben. So, wie ich sie aus der NDR-Talkshow selbst als auch aus ihren in der Presse veröffentlichten Äußerungen kenne, scheint mir das, was sie sagen möchte, mangels intellektuellen Niveaus keiner Antwort würdig zu sein.

Nun hat diese Frau also ihre persönliche Frauenmissionierung mit einer lobenden Erwähnung der Nazi-Familienpolitik gekrönt. Decken wir den Mantel des Schweigens über so viel Peinlichkeit, ehe uns noch ein Blondinenwitz rausrutscht.

Nun lese ich, dass die grüne Chefmoralistin und Quotenempörte eine Distanzierung, nein, eine Entschuldigung verlangt:

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sagte, Hermans Aussagen seien „eine dreiste und gefährliche Geschichtsverfälschung“. Sie forderte die 48-Jährige auf, sich von ihnen zu distanzieren und sich zu entschuldigen.

Dazu denke ich erstens:
Wer dummes Gerede als “gefährlich” adelt, ist offensichtlich selbst nicht viel klüger.

Und zweitens denke ich:
Was nützt eine erzwungene Entschuldigung (bei wem eigentlich?), wenn der Kopf, aus dem die wirren Gedanken stammen, dadurch nicht klüger wird?

Der Roth’sche Ruf nach Entschuldigung ist natürlich pure Heuchelei, dummes (un)politisches Symbolgeplänkel. Dient er doch dem alleinigen Zweck, sich selbst in eine Position des moralisch Guten zu stellen, in dem man den Gerufenen als böse kennzeichnet.

Erbärmlich. Lächerlich. Langweilig. Claudia Roth.

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63 Kommentare zu “Von Dummen und Heuchlern”

  1. 10.09.2007 | 14:24

    Eine wirklich elegante Volte von der peinlichen Eva zur penetranten Claudia ;-)

  2. 10.09.2007 | 14:33

    Das war aber auch eine einfache Vorlage.

  3. stefanolix
    10.09.2007 | 14:43

    Und wer befreit uns nun von den Einlassungen dieser Frau Roth?

  4. 10.09.2007 | 14:49

    @stefanolix

    Drück den Finger doch nicht in die Wunde. ;-)

  5. R.A.
    10.09.2007 | 15:20

    Die Aussagen der Herman sind zwar politisch peinlich, ich sehe aber keine “Geschichtsverfälschung”.

    Auch die Roth wird wohl nicht bestreiten können, daß die Nazis großen Bohei um den Mutterkult getrieben haben.

    Ansonsten finde ich den Vorfall für viel zu unbedeutend, um einen Rausschmiß zu rechtfertigen.

  6. 10.09.2007 | 15:27

    @R.A.

    Es ist aber durchaus etwas geschichtsblind, den Mutterkult der Nazis als positiv zu preisen und ihn damit quasi losgelöst von der völkischen Nazi-Ideologie zu betrachten.

  7. Libero
    10.09.2007 | 15:44

    @Boche @R.A.

    Da war auch viel Sein und Schein dabei. Gerade während des Krieges haben viele Frauen berufliche Positionen erreicht, die sie für die später heimkehrenden Kriegsgefangenen verlassen mußten.

  8. twex
    10.09.2007 | 15:44

    Ich habe aus dem mickrigen, aus dem Kontext gerissenen Zitat Hermans, das uns jetzt medial um die Ohren gehauen wurde, gar nicht schließen können, daß sie nun gerade den Mutterkult der Nazis gemeint hat, und nicht vielmehr jenes gesunde Empfinden für die Natürlichkeit der Familie, welches eben im Volk zu dieser Zeit immer noch vorhanden war.

  9. 10.09.2007 | 15:45

    @twex

    Keine Ahnung, was das sein soll: “gesundes Empfinden für die Natürlichkeit der Familie”.

  10. FAB.
    10.09.2007 | 15:46

    Gibt es den mittlerweile irgendwo eine verläßliche Quelle, aus der ich entnehmen kann, was die inkriminierte Blondine eigentlich wörtlich gesagt hat?
    Es scheint mir ein sehr wesentlicher Unterschied zu sein, ob jemand tatsächlich die Familienpolitik der NS-Regierung lobt oder ob er meint, daß Entnazifizierung vielleicht nicht unbedingt bedeuten sollte, mit den Mutterkreuzen auch gleich die bürgerliche Familie abzuschaffen.
    Ersters wäre schon sehr dumm, wenn nicht skandalös, letzteres schlicht korrekt.

  11. 10.09.2007 | 15:51

    @FAB

    Ich weiß nicht, was du als verlässlich betrachtest. Hier in der FAZ gibt es aber zumindest einen als wörtliches Zitat markierten Satz, der meines Erachtens recht eindeutig ist.

  12. FAB.
    10.09.2007 | 16:02

    Aha…

    „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, daß Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die Achtundsechziger abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft. Und dazu gehören Werte, die uns auch vor dem Dritten Reich zusammengehalten haben und uns ja auch das Überleben gesichert haben. Familie nämlich.“

    Hm hm hm. Schwurbelig. Aber doch eigentlich eher die zweite Variante, oder? NS-Apologie kann ich dem jedenfalls nicht entnehmen. Oder habe ich da gerade eine Verständnisblockade?

  13. 10.09.2007 | 16:09

    Was ist das eigentlich für ein Menschenbild? Scheiße, die fiesen ‘68er haben das Volk korrumpiert. Aber das Volk hat sich doch offenbar willig korrumpieren lassen, oder hat nur der Terror der RAF das Volk zur Aufgabe der Familienwerte geführt. Und die Nazis, die haben zwar auch korrumpiert, und da hat man sich auch fies korrumpieren lassen, aber eben auf anderen Gebieten nicht, da wurden traditionelle Werte hochgehalten und die Familie gewertschätzt, DAS war schon gute und tolle Volkserziehung. DAS wenigstens hammse richtig gemacht, die miesen Arschlöcher. Aha.

  14. 10.09.2007 | 16:15

    Gerade ein paar Kontakprobleme mit dem Server gehabt.

  15. R.A.
    10.09.2007 | 16:23

    Wenn das von FAB gebrachte Zitat nun der Stein des Anstosses war, dann verstehe ich den Skandal nicht.

  16. 10.09.2007 | 16:28

    Der Rausschmiß ist peinlich. Und Thea Dorns Kommentar im Spiegel noch schlimmer.

    Es ist das gute Recht von Frau Hermann als emanzipierte Frau sich für ein traditionelles Rollenbild zu entscheiden. Wenn alle Frauen sich für ein bestimmtes als fortschrittliches angesehenes Rollenbild entscheiden müsste, wären sie wohl kaum frei und unabhängig.

  17. 10.09.2007 | 16:30

    Im Gegenteil: Der Rausschmiss zeigt nur wie wenig frei und unabhängig und wie angepasst Frauen heute sein müssen.

  18. 10.09.2007 | 16:37

    @R.A.

    Wie ich versucht habe auszudrücken, sehe ich auch keinen Skandal. Höchstens den, dass eine intellektuell überforderte, dafür umso öffentlichkeitssüchtigere Dame öffentlich-rechtlich auftreten darf.

    @Dirk

    Wofür sich Frau Herman persönlich entscheidet, ist vielleicht nicht das Thema, oder?

  19. 10.09.2007 | 16:41

    Wäre Frau Hermann wirklich wegen ihres Eintretens für traditionelle Frauenrollen rausgeschmissen worden, dann hätte dies schon viel früher erfolgen können. Das Problem war wohl eher, daß sie aus irgendwelchen Gründen nicht darum herum kam, ein vorbildliches Familienbild ausgerechnet im Dritten Reich auszumachen anstatt im 19. Jahrhundert oder der Bundesrepublik vor ‘68. Alles war eben nicht schlecht. Es gab fast jedes Jahr Erdbeeren.

  20. 10.09.2007 | 16:42

    @David

    Der Server hatte wohl tatsächlich eben ein paar Hänger. Aber jetzt scheint es wieder zu laufen.

  21. Libero
    10.09.2007 | 16:55

    Also wenn ich den weiblichen Unschärfefilter nehme, dann meinte die Frau Herman folgendes.

    Die Familie gab es schon vor dem dritten Reich. Im dritten Reich wurde die Familie hochgejubelt. Die 68-iger haben den Wert Familie als Wert der Nazi angegriffen, obwohl es den Wert Familie bereits vor dem dritten Reich gegeben hat. Mutterschaft wurde zwar im dritten Reich propagiert, aber familiäre Werte gab es mit und ohne die Nazis.

    Ich denke, das hat sie so ungefähr gemeint.

  22. 10.09.2007 | 16:57

    @Libero

    “hochgejubelt” trifft es eben wohl nicht. Sie sprach von Förderung. Und das klingt durchaus, als wollte sie das lobend erwähnen.

  23. 10.09.2007 | 17:01

    Aber vielleicht geht es tatsächlich in diese Richtung. Damit wäre das Reich des bedenklichen vielleicht tatsächlich verlassen, denn die zugrundeliegende Idee wäre wohl, ungefähr, daß der ‘Niedergang der Familie’ allein durch die Angst, das sei Nazi-Scheiße bewirkt worden sei. Man wäre also nur noch im Reich des absurden.

  24. Libero
    10.09.2007 | 17:06

    @Boche

    ja manche Frauen haben eine sehr unglückliche Art sich auszudrücken. Die Frau Herman sollte Mikrophone lieber meiden. Vor allem dann, wenn Sie frei spricht. Bücher schreiben sollte sie lieber auch nicht.

    Davon abgesehen glaube ich, daß ihre Wahrnehmung falsch ist. Die Veränderung der familiären Werte hat wenig mit den 68-zigern oder den Nazis zutun.

  25. 10.09.2007 | 17:11

    @Libero

    Das ist eine wohl treffende Zusammenfassung dessen, was man zu dieser Affäre sagen kann.

  26. stefanolix
    10.09.2007 | 17:23

    Nachdem sie ein Buch über das Prinzip “Arche Noah” geschrieben hatte, dachte sie “Nach mir die Sintflut” (via) …

  27. Libero
    10.09.2007 | 17:33

    @Boche

    Apocalypso
    > Klar, die 68er sind an allem schuld, sind sozusagen unser Unglück. Aber wer sind sie eigentlich”
    http://debatte.welt.de/weblogs/148/apocalypso/35826/fragen+die+das+leben+stellt+4

    Also ich kenne einen echten damals aktiven 68-ziger. Der ist ein fürsorglicher Vater und Großvater, hat Familie, zwei Mädchen, inzwischen selbst mit Familie

    Die damals studiert haben, waren doch nicht alles Hedonisten, die Werte stürmten.

    Menschen ohne Kinder und Familie hat es immer gegeben. Beethoven, Brahms, Wilhelm Busch, Gottfried Keller, Droste Hülshoff usw usw. Das waren doch deswegen keine Hedonisten. Die waren sogar mit Menschen befreundet, die in Familien mit Kinder lebten.

  28. 10.09.2007 | 21:51

    Die FAZ ist vom 10. September. Das “Hamburger Abendblatt” berichtete am 7. September von der Buchvorstellung:

    In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.

    Meines Erachtens ist dieser Artikel auch die Quelle. Darauf bezog sich gestern SpOn.

    Zum Rauswurf: Ich vermute, dass die ÖR-Anstalten sich über freie Mitarbeiter ärgern, die den Ruhm, den sie bei ihnen aufbauten als Reputation ausnutzen (Kerners Werbung für eine Fluglinie, Beckmann für Versicherungen). Denn wer freier Mitarbeiter ist und wer Festangestellter, das unterscheidet der Zuschauer nicht. Eva Herman ist “die von der Tagesschau” und das ist für wiele ein Beleg für Seriösität.

    Allerdings frage ich mich auch, warum ich mit meinen Rundfunkgebühren Fernsehberühmtheiten hochzupäpple, die dann ihre von mir mitermöglichte Popularität ummünzen und den Gewinn dann aber privatisieren. Ohne Gebühren keinen ÖR-Rundfunk, ohne ÖR-Rundfunk keinen Ruhm für Thomas Gottschalk und somit auch keine Grundlage für seine Haribo- und Post-Werbespots.

    Warum verschaffen wir mit quasi Steuergeldern Privatleuten eine Bombenkarriere?

  29. 10.09.2007 | 23:48

    Warum zahlen wir überhaupt für diese Veranstaltung, wenn wir gar nicht daran interessiert sind?

    Im Zusammenhang mit den ÖR nach dem “Warum” zu fragen, ist relativ sinnlos.

  30. FAB.
    11.09.2007 | 8:51

    @ Marc
    Das ist das “Original”? Nun ja. Wiedergabe in indirekter Rede ist halt gut geeignet, eine Aussage genau um die Nuancen zu verschieben, die aus einer Blödigkeit einen Skandal machen können – oder sollen. Manche hört auch, was sie hören will und gerade gebrauchen kann. Welche Ausrichtung hat den das HA so?

  31. 11.09.2007 | 8:56

    Das Hamburger Abendblatt ist eher konservativ, CDU-lastig.

  32. 11.09.2007 | 9:43

    Wie die „Bild am Sonntag“ auf Anfrage von FOCUS Online mitteilte, stammt das Zitat von einem Band, das bei RTL vorliege. Direkt bei dem Privatsender war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

    QUELLE

    Der Urheber des Zitats ist also die ZEITUNG, was das ganze schon ein wenig kritisch macht. Denn für ein Übermaß an gut recherchierter Berichterstattung ist das Blatt ja nun wirklich nicht bekannt. Eigentlich seltsam, dass RTL – wenn ihnen das Band tatsächlich vorliegt – es bis heute nicht ausgestrahlt hat.

  33. twex
    11.09.2007 | 12:53

    “Welche Ausrichtung hat den das HA so?”

    Springer.

  34. scipio
    11.09.2007 | 14:54

    Das Schlimmste an dieser Affäre ist die altbekannte Heuchelei des NDR.”Wir verlangen von unseren Moderatoren ein bestimmtes Maß an Seriosität.” Ein schöner Satz, wenn er denn die Wahrheit wiedergeben würde. Es wäre nämlich zu erinnern an die völlig unbehelligt gebliebenen Moderatoren:
    1. Herrn C.T., der seiner Geliebten jahrelang den Koks nicht nur finanzierte, sondern auch als Dealer besorgte.
    2. Herrn J.R., der in der BILD über seine mörderische Potenz und über einen One night stand mit einer Schlagermieze berichtete:” Sie war eine Granate im Bett.”
    3. Den Tagesthemenhost Herrn U.W., der in einer Talkshow über Kuba bemerkte:”Das Gesundheitssystem ist bestens. Man sollte auch mal positiv und nicht immer nur über verletzte Menschenrechte berichten.” (Und das in Gegenwart eines gefolterten Kuba-Dissidenten.)
    Das wäre also die vom NDR geforderte, vorbildliche Seriosität.

    Ich schätze mal, wenn die Herren Fürst und Korn nicht rumgemäkelt hätten, wäre die gute Eva noch heute in Amt und Würden.

  35. 11.09.2007 | 14:57

    Vielleicht will sich der Sender auch nur einfach bessern? ;-)

  36. 11.09.2007 | 16:13

    Ein Zitat in indirekter Rede muss nicht falsch oder zurechtgeschoben sein. Ich schreibe auf meinen Terminen schon brav mit, aber manchmal kommt ein Satz einfach zu lang oder zu umständlich. Dann kann ich den nicht mehr wortgetreu mitschreiben und für mich als Zitat kennzeichnen, dann schreibe ich die gefallenen Worte in einem eigenen Satz auf. Oder der Satz fällt erst, wenn man den Block gerade weggepackt hat.

    Gesagt wurde das dann schon, aber halt nicht wortwörtlich.

    Ich habe auch eher das Gefühl, dass die beim Abendblatt die Brisanz verpeilt haben.

  37. scipio
    11.09.2007 | 17:37

    @Marc

    Die gesprochenen oder gefühlten Sätze sind doch irrelevant. Wen interessiert schon, was in Wirklichkeit gesagt wurde? Wenn sich die Großinquisitoren der PC melden, ist es aus. Ein halbes Dutzend Politiker aus dem Betroffenheitslager, der Zentralrat, die Springer-Presse und die anderen Organe des gesunden Journalistenempfindens, das haut den stärksten N…, Mist, beinahe hätte ich auch so ein Igitt- Wort losgelassen. Da sieht man mal, was einem so passieren kann.

  38. R.A.
    11.09.2007 | 17:39

    @Marc:
    Könnte aber auch sein, daß der Satz wortwörtlich genommen und im Kontext gar nicht so brisant war.

    Und da die Sache so schnell zum großen Medienhype wurde, und es offenbar nicht möglich war, sich bei RTL noch mal das Original anzuschauen, kann die HA eine eventuell mißverständliche Zusammenfassung gar nicht mehr vernünftig korrigieren.

  39. R.A.
    11.09.2007 | 18:17

    Mal eine ganz andere Frage in diesem Zusammenhang:
    Gab es überhaupt eine nennenswerte “Familienpolitik” der Nazis?

    Die haben große Reden geschwungen und schnulzige Muttertagsgedichte gemacht und Mutterkreuze verteilt.

    Echte “Familienpolitik” wurde m. W. gar nicht betrieben.

  40. 11.09.2007 | 18:17

    Wenn sich die Großinquisitoren der PC melden, ist es aus. Ein halbes Dutzend Politiker aus dem Betroffenheitslager, der Zentralrat, die Springer-Presse und die anderen Organe des gesunden Journalistenempfindens, das haut den stärksten N…, Mist, beinahe hätte ich auch so ein Igitt- Wort losgelassen. Da sieht man mal, was einem so passieren kann.

    Du weißt aber auch, dass das Recht sich aufzuführen wie ein Vollhorst nicht bedeutet, dass man davon auch Gebrauch machen muss, oder? Auch wenn das vielleicht heuchlerisch klingt.

    Wenn du das N-Wort benutzen willst (egal ob du jetzt Neger, Nigger, Narkoleptiker meintest), dann solltest du das tun dürfen, ohne dass der Staat dir dafür ein Verfahren an den Hals hängen kann. Aber wenn dein Arbeitgeber befürchtet, dass der Imageschaden an ihm hängen bleibt, dann hat er das gute Recht dich vor die Tür zu setzen. Und jeder Bürger hätte das Recht das Ganze ziemlich daneben zu finden und wütende Briefe über dich zu schreiben. Ich sehe da keinen Widerspruch.

    Total überzogene Political Correctness geht mir ja auch auf den Zwirn, aber das man die Konsequenzen abwegt bevor man Begriffe mit bestimmten Konnotationen, das haut nun sicher nicht den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel.

  41. 11.09.2007 | 18:20

    Echte “Familienpolitik” wurde m. W. gar nicht betrieben.

    Das wäre für ein angebliches “Volk ohne Raum” ja auch irgendwie unsinnig gewesen, oder?

  42. 11.09.2007 | 18:28

    @Björn

    Machen wir uns nichts vor: Das Zitat war nur willkommener Anlass, den PC allerdings zu einem einigermaßen unstrittigen machen konnte. PC führt hier also dazu, aus Dummheit (oder manchmal auch nur aus eigentlich geringfügiger Ungeschicklichkeit – siehe Fall Jenninger) ein Delikt zu machen, und die gute Claudia zeigt nur, dass sie diese PC-Regeln verinnerlicht hat.

    Dem NDR hat es einfach gestunken, dass eine Frau, die über ihn populär wurde, ihren Ruhm dazu nutzte, polarisierende Thesen zu verbreiten, die, wenn es sich bei der Autorin um die vielbeschworene Lieschen Müller gehandelt hätte, keinen noch mehr beschworenen Hund hinter dem nicht minder häufig beschworenen Ofen hervorgelockt hätte.

    Deswegen haben die Bosse dort auf eine Chance gewittert, und das Dummchen hat sie ihnen auf dem Silbertablett serviert. Kein Raum für Mitleid.

  43. scipio
    11.09.2007 | 18:46

    @ Björn

    Unsinn Björn, ich habe ja gerade deswegen weiter oben kommentiert, daß sich der NDR bei anderen Vorfällen in der Vergangenheit weit weniger oder gar nicht um sein Image gesorgt hat. Und es haben auch keine besorgten Bürger irgendwelche Briefe geschrieben, sondern es gab politische Pressionen Es geht im Fall Herman um das immer stattfindende Procedere, wenn ein politisch unkorrekter Nazivergleich gezogen wurde, nicht mehr und nicht weniger.Und wie dieses Procedere abläuft kann man ja an Deinem Kommentar erkennen, vielleicht wollte ich ja N aseweis schreiben.

  44. 11.09.2007 | 19:26

    Und wie dieses Procedere abläuft kann man ja an Deinem Kommentar erkennen, vielleicht wollte ich ja N aseweis schreiben.

    Vielleicht wolltest du das. Aber du kennst schon das Prinzip dessen was der Amerikaner als educated guess bezeichnet, oder?

    Ich zitiere dich mal kurz:

    das haut den stärksten N…, Mist, beinahe hätte ich auch so ein Igitt- Wort losgelassen

    Mal gucken. Du schreibst von der PC-Polizei (ich paraphrasiere), erwähnst dass das N-Wort ein Igitt-Wort wäre und beginnst “das haut den stärksten N…”

    In Anbetracht der Tatsache, dass “Neger” politisch negativ konnotiert ist, als “Igitt-Wort” gilt und es den Spruch gibt “das haut den stärksten Neger um/ vom Schlitten/ aus der Weltraumkapsel” habe ich mir da einen educated guess geleistet.

    So wie ich bei der Aussagen “Der Bundeskanzler Schröder war ein A…och” auch erstmal nicht auf Aschermittwoch tippen würde.

    Wenn du damit beweisen wolltest, dass Leute wie ich dir da was unterstellen, einfach weil mir deine Meinung nicht gefällt ohne zu wissen was du eigentlich sagen wolltest, dann ist dir das natürlich geglückt.

    Aber wenn du wirklich glaubst, dass wir in Deutschland so politisch korrekt sind, dass dich das Igitt-Wort “Naseweis” in Teufels Küche bringt, dann solltest du wegen der Paranoia mal mit jemandem reden. ;)

  45. 11.09.2007 | 22:17

    @scipio: Du hast aber Susan Stahke vergessen. Die flog als Tagesschausprecherin, weil sie sich als “Blauer Engel” hatte fotografieren lassen.

    Aber das ist auch egal. Überall wird mit zweierlei Maß gemessen – mache ich schließlich auch. Perfide wird es nur, weil wir Menschen für unsere Handlungen eine Rechtfertigung brauchen. Einmal fürs eigene Gewissen. Und bei Promis wie EH auch für die Öffentlichkeit.

    Hätte EH unbekannt in irgendeiner Redaktion am Schreibtisch gesessen, wäre sie schon längst verabschiedet gewesen.

    Also wartete man einfach mal auf die nächste Gelegenheit.

  46. scipio
    11.09.2007 | 23:01

    @ Björn

    Was Du so alles weißt, educated guess, Konnotation, gar paraphrasieren, da kann ich als schlichtes Arbeiterkind nicht mithalten. Im Gegensatz zu Dir muß ich aber auch nicht so viele Erbsen zählen. Ich hau mir lieber ein paar Negerküsse rein.

  47. 12.09.2007 | 9:11

    Ich hau mir lieber ein paar Negerküsse rein.

    Dicker, gut dass du Negerküsse geschrieben hast. Beim Igitt-Wort “N aseweisküsse” hätte ich mich nämlich fürchterlich entrüsten aufregen müssen.

  48. 12.09.2007 | 9:13

    Sorry, das “entrüsten” war eigentlich durchgestrichen, aber das Blog mag wohl das HTML-Kommando für “strike” nicht so.

    An einen der Blogbosse: Gibt es irgendwo eine Seite wo man vorher nachgucken kann, welche HTML-Codes euer Blog mag?

  49. 12.09.2007 | 9:20

    Test

  50. 12.09.2007 | 9:22

    Mein strike mag unser Blog. Deins nicht. Keine Ahnung warum. Warten wir mal, was unser Obertechnikboss meint.

  51. 12.09.2007 | 9:32

    Ah, dann habe ich vielleicht ‘ne Ahnung woran es liegt:

    strike
    strike

    Wenn er das Untere mag, dann muss ich “strike” ausschreiben und nicht bloß “s” verwenden. (Irgendwo hatte ich mal gelernt, dass man im Zweifelsfalle immer “s” statt “strike” nutzen solle, darum schrieb ich’s nicht aus.)

  52. 12.09.2007 | 9:33

    s als Code kannte ich gar nicht.

  53. 12.09.2007 | 10:03

    Gibt es wohl beides. strike ist HTML 2.0, s HTML 4.0

    Aber deswegen haben wir doch diese nette Leiste über unserem Kommentarfeld – ok, JS muss dazu eingeschaltet sein…

  54. stefanolix
    12.09.2007 | 10:04

    Björn: Die Idee mit dem »s« stimmt nicht. Streng genommen ist »strike« seit XHTML (in der »strict«-Version) verboten. Solche Auszeichnungen sollen mit CSS vorgenommen werden. Siehe auch: Trennung von Inhalt und Form.

  55. 12.09.2007 | 10:11

    Das fehlte mir noch, dass ein Kommentator in unseren CSS-Dateien rumrührt ;-)

  56. stefanolix
    12.09.2007 | 10:19

    Unser Kommentarmodul wirft sowieso alle Tags und Attribute raus, die es nicht kennt oder die nicht erwünscht sind. Der Hinweis bezog sich eher auf neue Dokumente für den privaten Gebrauch.

  57. FAB.
    13.09.2007 | 10:10

    Als Nachtrag (wieder on topic) noch ein Zitat, das einen noch wenig beachteten Aspekt anspricht:

    Was in der heißlaufenden Diskussion um Hermans Frauenbild untergeht, ja womöglich gerade verschleiert werden soll: Während das „Eva“- bzw. das neuformulierte „Arche Noah“-Prinzip maximal (!) auf eine Wiederbelebung jenes Frauenbildes setzen, das in den sechziger Jahren aktuell war, hat die NS-Familienpolitik vieles von dem vorexerziert, was maßgeblich zur von der Leyenschen Propaganda gehört: eine unverhohlene Gebäroffensive (die freilich eine weitgehend allseitige ist) gepaart mit der Maxime „Frauen in die Produktion“. In kaum einem anderen Land war – noch vor Kriegsbeginn – eine so hohe Frauenerwerbsquote erreicht wie in Deutschland.

    Bereits im „Eva-Prinzip“ hatte Herman in aller Ausführlichkeit auf jene „Lufthoheit über Kinderbetten“ hingewiesen, die durch den NS-Staat per Einflußnahme auf den vormals privaten Bereich von Mutterschaft und Kindespflege angestrebt wurde. Die Kinder früh unter staatliche Kontrolle zu bringen, die Mütter (ideologisch entsprechend angefüttert) für Belange der Wirtschaft zu verheizen: Es ist Krippenministerin von der Leyen, die heute ein verdächtig ähnliches Programm fährt.

  58. stefanolix
    13.09.2007 | 10:28

    @FAB: Würdest Du Dich mit den heutigen Kindergärten und der Früherziehung ein wenig auskennen, dann würdest Du solche Zitate nicht unkommentiert hier einfügen.

    Die Propaganda der Nazis ist in keiner Weise mit der aktuellen Diskussion um die demographische Entwicklung zu vergleichen. Damals wollten die Nazis mit einer »Volk-ohne-Raum«-Propaganda das Volk darauf vorbereiten, möglichst große Teile Europas für die »auserwählte Rasse« zu erobern.

    Eine wirkliche Propaganda des Familienministeriums für mehr Geburten kann ich nicht erkennen und sie wäre auch wenig erfolgversprechend. Man kann weder die Entwicklung der Gesellschaft noch die Entwicklung der Medizin zurückdrehen. Deshalb bleibt dem Staat nur die Möglichkeit, einigermaßen akzeptable Rahmenbedingungen zu schaffen.

    In den bürgerlichen und alternativen Stadtteilen Dresdens gibt es momentan so viele Kinder, dass die Spielplätze übervoll sind. Es gibt so viele Schwangere, dass hier schon Tempo-30-Zonen eingerichtet werden müssen ;-) Aber all das hat nichts mit der Propaganda irgendeiner Familienministerin zu tun. Es ist die »Nachholphase« einer geburtenschwachen Zeit und es liegt am Zuzug junger Leute.

  59. 13.09.2007 | 10:33

    Tempo 30 von Schwangeren zu verlangen (gar noch zu Fuß?), ist aber unmenschlich. ;-)

    Ansonsten gebe ich dir aber Recht. Der Vergleich, der im Zitat gezogen wird, ist sicher unsinnig und überzogen. Wobei man der Obermutti der Nation schon ein klein wenig Volkserziehungsfantasien unterstellen kann. Nicht ohne Grund wird von ihr (mit unserem Geld) ein bestimmtes Modell gefördert, ein anderes nicht.

  60. stefanolix
    13.09.2007 | 10:43

    Hinter diesem Modell steckt wohl eher die Idee, dass die Kinder besser auf die Schule vorbereitet werden sollen (Stichworte: »Wissensgesellschaft«, »lebenslanges Lernen«, internationaler Wettbewerb, Erkenntnisse der Hirnforschung über die Entwicklung der Kinder, Kindergärten in anderen Industriestaaten). Ich würde Frau v. d. Leyen (von ihrer Biographie her gesehen) am ehesten solche Absichten unterstellen. Leider fehlt mir jetzt gerade die Zeit, darüber ausführlicher zu schreiben.

  61. FAB.
    13.09.2007 | 17:25

    @ stefanolix
    Da nehme ich nun die

    Chance, einfach mal Ideen jeder Art und Güte in die Runde zu werfen

    wahr … und das Kommentieren klappt ja auch so.

    Scherz beiseite: so abwegig finde ich den obigen Hinweis auf gewisse Parallelen nicht, zumal ja auch weniger auf die offensichtlich nicht identischen Endziele als auf die Methoden abgehoben wird und auf den beidemale gegebenen Umstand der, teils zwangsweisen, Instrumentalisierung von Menschen durch den Staat.

  62. R.A.
    13.09.2007 | 17:47

    @stefanolix:
    > In den bürgerlichen
    > und alternativen
    > Stadtteilen
    > Dresdens gibt es
    > momentan so
    > viele Kinder, dass
    > die Spielplätze
    > übervoll sind.
    Das ist ein vorübergehendes Phänomen, wenn eine Wohngegend für eine bestimmte Altersschicht attraktiv wird.

    In 10 Jahren schreit dann alles nach Schulerweiterungen, in 20 Jahren kannst Du alles wieder abreißen incl. der Spielplätze und das Viertel vergreist.

    An der Geburtenrate im deutschen Schnitt hat sich nichts geändert.

  63. 10.10.2007 | 9:05

    [...] In der Diskussion zum Artikel “Von Dummen und Heuchlern” (10. September 2007) wurde mehrfach die Frage gestellt, was denn nun Eva Herman genau gesagt habe. Dann wurden mehrere Agenturmeldungen seziert und so ausgelegt, wie es dem jeweiligen Kommentator genehm war. [...]

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