8. September 2007
Liberalismus, melancholisch
Der Liberalismus unterscheidet sich von anderen Weltanschauungen dadurch, dass er keine endgültigen Ziele propagiert, sondern nur die Wahrung einer Bedingung. Menschen, die sich eine Weltanschauung als eierlegende Wollmilchsau wünschen, empfinden diese, der Natur der Sache nach als Abwehrhaltung daherkommende Grundhaltung als unbefriedigend, weil sie “das Positive” vermissen, das konkurrierende Weltanschauungen als Heilsversprechen in der Regel in ihrem Programm haben.
Sie können mit diesem Vakuum dann nicht leben und missverstehen es als Negation. Dabei will jedes Vakuum nur gefüllt werden, und der Liberalismus ist daher nichts weiter als eine Einladung an individuelle oder freiwillig kollektive Initiativen, sich der von ihm bewusst unbeantwortet gelassenen Fragen anzunehmen.
Allerdings begegne ich manchmal auch Liberalen/Libertären, die sich nach Kräften bemühen, einen so falsch verstandenen Liberalismus auch selbst zu leben, indem sie sich blind zeigen für alle anderen Arten von Fragestellungen und menschlicher Interaktion. Traurig, wenn man eine Weltanschauung nicht lediglich als gerade passenden Teil seiner selbst begreift, sondern in ihr ganz und gar untergehen muss.
Verfasst von Rayson um 19:05 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen (Trackback)
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