3. September 2007
Sinnlos?
Ahnung von Entwicklungshilfe habe ich nicht wirklich, das muss ich ja zugeben. Ein paar Vermutungen meine ich aber schon, anstellen zu können – ich lasse mich da auch gerne widerlegen.
So nehme ich beispielsweise an, dass bei einem Brunnenbau in, sagen wir, Burkina Faso stets hunderte ungelernter Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die bereit sind, tatkräftig mit anzupacken, um zu helfen, dass ihr Dorf künftig sauberes und ständig verfügbares Trinkwasser hat. Was doch meistens fehlen dürfte, sind Ingenieure, die den Brunnen planen können, und gut ausgebildete Brunnenbautechniker, die mit den Materialien und herangeschafften Einzelteilen zu arbeiten vermögen.
Ähnlich stelle ich es mir auch bei der Verteilung von Lebensmitteln vor – Helfer, die LKW abladen, dürfte es selbst in sehr armen Gebieten und bei Hungersnöten in großer Zahl geben. Was dort eher nötig ist, sind wohl erfahrene Kraftfahrer, Logistikfachleute und (leider auch) Soldaten oder Polizisten, die die Sicherheit vor Rebellen und Räubern garantieren.
Und in einem Krankenhaus… nun ja, da braucht man natürlich Ärzte, Krankenschwestern und vielleicht noch Pharmazeuten. Die paar Menschen, die die einfachen Tätigkeiten unter Anleitung ausüben, kann man sicherlich (wir ahnen es) auch vor Ort rekrutieren.
Warum also fördert unsere Regierung nun freiwillige Entwicklungshelfer in Gestalt von jungen Menschen, die gerade eben mal die Schule hinter sich gebracht und weder einen Beruf erlernt noch besondere Kenntnisse über fremde Sprachen und Kulturen haben? Hat das wirklich damit zu tun, dass man da fremden Nationen helfen will – oder liegen die Gründe nicht doch mehr im hiesigen begraben? Mit Straßenjungen Fußball spielen könnten die Hiwis, berichtet die TAZ, vielleicht auch Bäume pflanzen oder jungen Afrikanern erklären, “welcher Teil des Gesichts sich ‘mouth’ nennt”. Jetzt mal ganz unabhängig von der Frage, wie die jungen Deutschen das den jungen Afrikanern erläutern sollen, wenn diese keine lokale Stammessprache und jene kein Englisch sprechen: ist das nützlich genug, dass der deutsche Staat ca. 580 Euro pro Kopf und Monat, pro Jahr insgesamt also ca. 70 Millionen Euro, ausgeben sollte, um 10.000 deutsche Jugendliche ins Ausland zu schaffen?
Gäbe es einen wirklichen, echten Nutzen dieser freiwilligen Helfer, so müsste man ja auch davon ausgehen, dass die Hilfsorganisationen bereit wären, für die Helfer zu bezahlen. Und das müssten ja nicht mal die 580 Euro sein – aber vielleicht die Hälfte, oder auch nur ein Viertel dieser Summe? Aber nein, die Hilfsorganisationen denken ebenso sinnvoll wie betriebswirtschaftlich und akzeptieren diese relativ nutzlosen Hilfskräfte zwar (kopieren können sie ja bestimmt…), wollen aber keinen Cent für ihren Einsatz bezahlen. Was ja auch nur vernünftig ist – die Spendengelder besorgter Bürger sollten ja auch lieber dafür verwendet werden, einen Brunnen in Afrika zu errichten, als einem noch so sozial engagierten jungen Menschen aus meist “besserem Hause”, der erst mal keinen Bock auf Wirtschaft und Kapitalismus hat, sein Jahr Abenteuerurlaub im Ausland zu finanzieren.
Warum aber nun finanziert unsere Regierung dieses Programm? Mir kommt da das Wort “Arbeitslosenstatistik” in den Sinn. Und besonders die Redewendung “Jugendliche ohne Ausbildungsplatz”. Und wenn es das nicht ist – was dann? Dazu Cordula Müller von der “weltweiten initiative für soziales engagement” (wise): “Wir sehen Freiwilligendienste als Sozialisationsinstanzen für bürgerschaftliches Engagement”. Ach so.
Verfasst von Karsten um 23:52 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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