20. August 2007
Problem erkannt, Problem verschärft
Bei der FTD gibt es einen interessanten Gastkommentar von Brad DeLong, der sich mit der aus seiner Sicht vorwiegend segensreichen Tätigkeit der Investmentbanker beschäftigt. Mir selbst gefiel aber eher der Hinweis zum Schluss:
Die Finanzwelt hat Interesse an stabilen Monopolen und Oligopolen mit hohen Gewinnspannen, während die Öffentlichkeit Interesse an konkurrierenden Märkten mit niedrigen Gewinnspannen hat.
Das ist ein Konflikt, der mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Das, was ich als funktionierenden Markt mit viel Wettbewerb wahrnehme, wird in der herrschenden Finanzwelt, die auch die Terminologie der einschlägigen Wirtschaftsmagazine bestimmt, als “Markt mit Konsolidierungsbedarf” empfunden. Die Frage ist da immer: Wer hat diesen Bedarf eigentlich? Die Nachfrager wohl kaum. Die Aktionäre der Anbieter? Schon eher. Die Investmentbanker, die an den Deals verdienen? Ganz sicher. Hier haben wir also wieder den alten Konflikt: “Die Wirtschaft” (in der plattesten ihrer möglichen, dafür aber um so gebräuchlicheren Definition) hat kein Interesse an Marktwirtschaft. Für sowas haben sich die Neoliberalen den Staat, seine Gesetzgebung und die Kartellbehörden vorgestellt.
Brad DeLong sagt nun: Ok, wenn diese Institutionen nicht mehr funktionieren, halb so wild. Wir haben ja noch die progressive Einkommensbesteuerung. Und spätestens da komme ich nicht mehr mit. Wie kann man die negativen Folgen mangelnden Wettbewerbs, also zu hohe Preise, zu wenig Innovation, zu wenig Vielfalt oder schlicht: zu wenig Wahlfreiheit, mit einer gesamtwirtschaftlichen Einkommensumverteilung lösen wollen? Mal vorausgesetzt, die progressive Besteuerung wirke so wie beabsichtigt und habe keine anderen negativen Folgewirkungen, was man beides mit einigen Gründen bezweifeln muss.
Aber im Prinzip ist es unmaßgeblich, wie gut die Drogen sind, die wir zur Verfügung haben: Man sollte bei den Problemen anfangen.
Verfasst von Rayson um 20:58 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)
14 Kommentare