Wunder über Wunder

Also ich kann überhaupt nichts dazu sagen, ob die Lohnforderungen der GDL berechtigt sind oder nicht – obwohl die Forderung nach 30% mehr nicht gerade geeignet ist, den Vorwurf der Erpressung schon im Ansatz zu widerlegen.

Aber ich darf mich wundern, worüber sich nach Meinung der FTD der Chef der GDL wundert: Der hat voll und ganz darauf gesetzt, mit seinem Streik Urlauber, Pendler und Güterverkehr zu treffen, und sieht sich plötzlich – oh Wunder – dem Gegenwind derer ausgesetzt, die sich von Urlaubern und Pendlern Stimmen und von Güterversendern Steuern (und vielleicht auch Parteispenden…) versprechen. Aber es gibt ja auch die anderen, die darauf setzen, dass Geschenke so lange ankommen, wie der Kreis der Nutzer ebenso begrenzt ist wie der Kreis der Zahler umfassend.

Politik hier wie da. Sire, geben sie Wettbewerbsfreiheit.

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5 Kommentare zu “Wunder über Wunder”

  1. Buenavista
    9.08.2007 | 6:08

    “Der hat voll und ganz darauf gesetzt, mit seinem Streik Urlauber, Pendler und Güterverkehr zu treffen…”

    Tut mir leid, aber das ist einfach Unsinn. Was hätte er davon, das zu wollen? Er will die Bahn zum Einlenken und Vorlegen eines besseren Angebots bewegen.

    Aber welcher WIRKSAME Lokführerstreik würde NICHT Urlauber, Pendler und Güterverkehr treffen?

    Jeder Streik trifft wenigstens mittelbar auch Unbeteiligte.

    Er mag die letzten Tage ungeschickt agiert und sich manche Sympathien verscherzt habe. Aber spätestens wenn längere Zeit gestreikt wird, ist das egal. Erfahrungsgemäß wendet sich der Zorn der Betroffenen dann doch stets gegen die Streikenden und nicht gegen die sturen Arbeitgeber.

    Nur für Gabriel gilt mal wieder Dieter Nuhr.

  2. 9.08.2007 | 6:09

    Ich möchte hier nur auf folgenden Beitrag von Köppnick verweisen – er hat IMO nämlich recht mit seiner Beobachtung, dass der “Lokführerstreik” keine “normale” Tarifauseinandersetzung mehr ist, sondern ein Musterbeispiel der Multidimensionalität von Gerechtigkeitskonflikten:
    http://kwakuananse.twoday.net/stories/4145681/

    Er hat natürlich auch Recht mit seiner Beobachtung, wie schlecht informiert und vorbereitet manche Journalisten ihre Arbeit machen. (Am Beispiel des “Spiegels”, der den verfälschenden Aussagen in einem Interview mit Mehdorn widersprechen könnte – es aber nicht macht.)

  3. Dirk
    9.08.2007 | 10:02

    Dein erster und letzter Satz beschreiben das exakt das Problem, das bei der Bewertung dieses Konfliktes besteht.

    Die ökonomische Lösung, Marktlöhne zu zahlen, taugt nicht. Die Bahn ist ein Monopolunternehmen und ist somit bei der Nachfrage nach ausgebildeten Lokführer konkurrenzlos.

    Gut, wenn die meistens einfachere, ökonomische Antwort nicht funktioniert, vielleicht eine, die auf liberalen Prinzipien beruht. Eigentumsschutz, Vertragsfreiheit, etc. Leider ist die Bahn aber mehr als ein Monopolunternehmen, sie ist ein Staatsmonopolunternehmen. So kommt man also auch nicht zu einer Lösung.

    Ergo, traue ich mir keine Bewertung zu. Allerdings sieht man an diesem Beispiel, dass bei staatlichem Handeln elementare (Konflikt-)Lösungsalgorithmen nicht greifen und damit vieles erschweren.

  4. 9.08.2007 | 20:38

    @Buenavista

    Möchtest du wirklich von mir eine Einführung in Gewerkschaftsstrategie? Selbstverständlich zielt die bei so gut wie allen Konflikten von monopolistischen Dienstleistern mit öffentlichem Auftrag darauf ab, möglichst direkt die Bürger zu treffen, um über diesen Umweg Druck auf die Politik zu erzeugen. Insofern gibt es keinen Widerspruch zwischen dem von dir genannten Ziel und meiner Erkenntnis.

    Deswegen streikte die GDL heute im Nahverkehr zwischen 8 und 10, nicht aber zwischen 5 und 7 oder 11 und 13 Uhr. Und deswegen ist ein Streik bei der Müllabfuhr, den ich letztes Jahr in BaWü erleben durfte, so beliebt bei der Operngewerkschaft. Die Einnahmenverluste der Arbeit”geber” sind in beiden Fällen nämlich nicht sehr hoch, was auch wieder typisch für diese Konstellation ist.

    Das diese Strategie nicht immer aufgeht, ist eine andere Sache. In BaWü ging es tatsächlich schief, da fehlte den Gewerkschaftern das passende der Öffentlichkeit als solches zu verkaufende Feindbild. Aber die Bahn und Herr Mehdorn haben nicht gerade das beste Image im Land, und allein die Tatsache, dass es viele Stimmen gibt, die ein Einlenken von Mehdorn fordern, zeigt, dass die GDL da tatsächlich eine Chance wittert.

  5. 10.08.2007 | 22:13

    Nebenbei: Der Druckerstreik lief bei “meiner” Zeitung auc sehr geschickt. Die streikten nämlich so, dass immer noch eine Zeitung erschien. Und einigen wird diese Notausgabe gar nicht aufgefallen sein. Denn es war kein dünnen Blättchen, sondern eine Gesamtausgabe. Alle Regionalausgaben erscheien in einer Zeitung. So erfuhr ich mal was vom Odenwald, was ansonsten nur dort steht.

    Die Folge aber war, dass der Verleger alle Abos bedienen konnte und keine Ausfälle hatte. Nur wir Schreiberlinge liefen Gefahr in Leere zu schreiben, weil in der Sammelausgabe natürlich nicht so viel Platz wie sonst war.

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