Moral Hazard bei Partyspielchen

Lange Zeit feierten die Finanzmärkte eine nette Party. Und wie das auf den besonders lustigen Partys so ist, werden dort Drogen aller Art gereicht. Die wichtigste Droge für die Party auf den Finanzmärkten dieser Welt ist die üppig vorhandene Liquidität, die in den vergangenen Jahren von hochgelobten Notenbankern wie Herrn Greenspan verteilt wurde. Kennzeichen waren niedrige Zinsen, Folge ein intensives Suchen nach hohen Renditen für das viele Kapital.

Wie das bei Partys aber so ist: Sie gehen irgendwann einmal zu Ende. In der Wirtschaft spätestens dann, wenn die Herden, die eben noch Preise für bestimmte Formen der Geldanlage in die Höhe getrieben haben, wie beim berühmten “Fußballspiel der Tiere” auf dem Absatz kehrt machen und in die andere Richtung rennen. Am nächsten Morgen sorgen die vorher verabreichten Drogen dann für die Katerstimmung: Nicht nur, dass plötzlich das eigene Vermögen um zweistellige Prozentzahlen geschrumpft ist, die Gegenfinanzierung ist auch noch um ähnliche Größen teuerer geworden. So muss man sich in einer Müllpresse vorkommen.

Wenn man Wolfgang Münchau folgen möchte – und ich finde, so fern läge das nicht -, ist das Gezocke der WestLB-Händler, das die Bank einen erklecklichen dreistelligen Millionenbetrag kostete, ein Zeichen dafür, dass die Gastgeber der Party bereits im Schlafanzug in der Tür stehen. Wie damals beim Crash der New Economy – man reizt die immer selben Mechanismen so lange aus, bis sie einem um die Ohren fliegen.

Das ist der zyklische Gang der Märkte. Wer mit ihm rechnet und sich weder von Goldgräberstimmungen noch von Panik anstecken lässt, kann ihm gelassen entgegensehen. Man muss nicht jedes Flaschendrehen mitspielen. Was aber, wenn auf der Party der mächtigste Mann der Stadt auftaucht und den Leuten zuruft: “Macht, was ihr wollt und wozu ihr Lust habt – wenn’s schief geht, zahle ich die Zeche!”? Wahrscheinlich würde unsere Fantasie nicht ausreichen, um sich auszumalen, was unsere Partygäste dann alles anstellen werden. Besser ist nur noch Freibier. Dass der mächtigste Mann der Stadt sich die Knete, die er hier als Sicherheit so großzügig ausgelobt hat, von jedem einzelnen Bürger erstatten lässt, muss unsere freierfreudige Runde ja nicht stören.

Eins wissen wir aber: Der mächtigste Mann der Stadt wird beim Kehraus nicht zögern, sich über das ausschweifende Verhalten der Partygäste mit gebührender moralischer Entrüstung zu empören.

Und da ich von meinen Blog-Kollegen immer dafür gescholten werde, zu kryptisch zu formulieren bzw. (das sagen sie aber nicht laut) zu abstrus zu denken, werde ich dann doch noch einen kleinen Schlüssel hinterlassen: Ih-Kah-Bee.

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2 Kommentare zu “Moral Hazard bei Partyspielchen”

  1. 1.08.2007 | 21:17

    Diesmal klärte sich die Angelegenheit eigentlich schon beim »mächtigsten« Mann der Stadt« auf ;-)

    Aber dass gerade bei der WestLB die Anteilseigner nicht besser aufgepasst haben, wundert mich dann doch. Es ist ja nicht das erste Mal, dass da ganz kräftig etwas schiefgeht.

  2. 1.08.2007 | 21:26

    Es gibt ja wohl lt. Münchau eine Untersuchung, nach der gerade die Angestellten von staatlich abgesicherten Banken zu mehr Risiko neigen.

    Aber die WestLB ist da wirklich unerreicht. Vielleicht ein Beispiel für die These, dass auch Unternehmen eine Art “Seele” haben.

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