Zur Öko-Bilanz von Live Earth: Lese-Tipps für Torsten Engel

Wohl dadurch, dass ich mittlerweile dauerhaft der neoliberalen Kälte ausgesetzt bin, weine ich nicht mehr so oft. Aber gerade kamen mir mal wieder die Tränen, nämlich als ich den Kommentar “Live Earth hat sich gelohnt” im Deutschlandradio gehört habe (als mp3 verfügbar).

Herr Torsten Engel, der Sie diese undistanzierte Lobudelei verfasst haben, hier mal zwei Anregungen, was an dieser bigotten Kommerz-Scheiße zu kritisieren gewesen wäre:

Öko-Bilanz # 1 (aus den Kommentaren bei Statler & Waldorf) :

Tomorrow’s Live Earth concerts all over the world are part of Al Gore’s plan to save, well, the Earth. But they could end up generating more carbon dioxide than was produced by all of Afghanistan in 2006.

Öko-Bilanz # 2 (aus der mit weiteren Links angereicherten Verdammung dieses Ereignisses bei Mad Minerva):

“The total carbon footprint of the event, taking into account the artists’ and spectators’ travel to the concert, and the energy consumption on the day, is likely to be at least 31,500 tonnes of carbon emissions, according to John Buckley of Carbonfootprint.com, who specialises in such calculations. Throw in the television audience and it comes to a staggering 74,500 tonnes. In comparison, the average Briton produces ten tonnes in a year.”

Das zu ignorieren und dieses Ereignis zu feiern, finde ich in der Tat zum Heulen.

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25 Kommentare zu “Zur Öko-Bilanz von Live Earth: Lese-Tipps für Torsten Engel”

  1. Karl Moritz Tellerrand
    8.07.2007 | 16:23

    Es ist ziemlich selbstgefällig, auch ein bisschen dämlich und in jeder Hinsicht typisch für die Unfähigkeit unserer Gesellschaft, langfristig zu denken, dass die ganzen Schlauberger jetzt die Ökobilanz von Life Earth “ausrechnen” und dann munter auf Al Gore einprügeln.

    Schon mal daran gedacht, dass die zusätzliche Aufmerksamkeit, die das Event dem Thema einbringt, auf lange Sicht dazu führen wird, dass ein Vielfaches dieser Kohlendioxidmenge wieder eingespart wird?

    Und was Afghanistan betrifft: Stecken da unsere Militäroperationen mit in der Rechnung, oder ist das bloß die CO2-Produktion der größtenteils mittellosen afghanischen Staatsbürger?

  2. 8.07.2007 | 16:30

    Schon mal daran gedacht, dass die zusätzliche Aufmerksamkeit, die das Event dem Thema einbringt, auf lange Sicht dazu führen wird, dass ein Vielfaches dieser Kohlendioxidmenge wieder eingespart wird?

    Welche zusätzliche Aufmerksamkeit denn? Das Thema hat doch schon ein Aufmerksamkeitsmaximum erreicht. Die einzige Aufmerksamkeit, die erzeugt wird, ist die für die Musiker.

    Und Al-Gore-Kritikern Selbstgefälligkeit vorzuwerfen… das hat was.

  3. 8.07.2007 | 16:34

    Schon mal daran gedacht, dass die zusätzliche Aufmerksamkeit, die das Event dem Thema einbringt, auf lange Sicht dazu führen wird, dass ein Vielfaches dieser Kohlendioxidmenge wieder eingespart wird?

    Schon mal dran gedacht, dass das nichts weiter als eine reine Schutzbehauptung sein könnte, die sich nicht durch den Hauch eines Beweises untermauern lässt?

    Schon mal dran gedacht, dass gerade diejenigen selbstgefällig sein könnten, die anderen einen überhöhten CO2-Ausstoß vorwerfen, diesen aber für die eigenen, natürlich hehreren und wichtigeren Ziele, billigend jederzeit in Kauf nehmen?

  4. 8.07.2007 | 16:41

    Ich bewundere Euch für Eure Kraft. Ich habe sie nicht mehr. Es macht einfach keinen Spass mehr gegen diese ganzen Träumer und möchtegern Weltlenker, bzw.möchtegern Weltverbesserer anzureden.
    Erst reden sie von der Schädlichkeit von CO2, dann sind sie gegen Atomkraft (die CO2 vermeidet), dann stoßen sie CO2 für ihre Konzerte aus, dann rechtfertigen sie dies auch noch…
    und so geht es ja nicht nur beim Klima so. Das ist so bei ALLEN deutschen Politikthemen. Komplett bescheuert. Die letzten Wochen werde ich mich im Internet noch einmal richtig abtörnen. Dann ist Schluss, dann widme ich mich voll und ganz meinem eigenen Glück und erfreue mich den Kräften des Marktes, die garantiert alle und jeden einholen werden.

  5. 8.07.2007 | 16:42

    Schon mal daran gedacht, dass die zusätzliche Aufmerksamkeit, die das Event dem Thema einbringt, auf lange Sicht dazu führen wird, dass ein Vielfaches dieser Kohlendioxidmenge wieder eingespart wird?

    Mainstream-Popkultur funktioniert andersrum: Das Thema hat eine derart breite Öffentlichkeitswirksamkeit erreicht, dass es für Künstler “sicher” ist sich hier zu engagieren, ohne dass man Angst vor irgendwelchen Reperkussionen haben muss. (Vgl. auch: Konzerte für Afrika.) Sobald so ein Mega-Ereignis gestartet wird, kann man sicher sein, dass das Thema in der Öffentlichkeit so stark wahr genommen wird, dass so ein Mega-Ereignis gar nicht mehr nötig wäre um darauf aufmerksam zu machen. (Man beachte auch wie jetzt jeder Fernsehsender auf den Bandwagon aufspringt.)

    Das gleiche kann man auch in anderen popkulturellen Bereichen beobachten: Ich glaube, dass Bush inzwischen in den USA tatsächlich unpopulär ist (und das nicht nur eine Wahrnehmungsstörung deutscher Medien ist), weil sich inzwischen Künstler wie Eminem, Pink oder Avril Lavigne – also die Musterbeispiele für musikalischen Mainstream – “trauen” ihn oder den Irakkrieg in ihren Texten zu attackieren, ohne dass sie Verkaufsverluste befürchten müssen. (Auch hier: Man vergleiche im Gegenzug die Kritik die sich die Dixie Chicks damit vor ein paar Jahren einfingen.)

    Der Mainstream der Popkultur – und das war das “Live Earth” – ist bei sowas nie Trendsetter sondern immer nur ein Gradmesser dafür wie weit so ein Thema ohnehin schon akzeptiert ist.

  6. 8.07.2007 | 16:42

    Ich habe inzwischen ein Al-Gore-Heiligenbildchen über meinem Bett hängen, weil ich jetzt klimafromm bin und Ihr noch nicht, Ihr Klimasünder.

  7. 8.07.2007 | 16:48

    Aber ich dachte Al Gore wäre der Antichrist weil er 2000 Bush zur Präsidentschaft verholfen hat indem er Ralph Nader die wichtigen Stimmen weggenomm… oh, halt… das ging anders…

    Abgesehen davon: Jemand der Apple-Produkte nutzt und bewirbt kann kein guter Mensch sein. (Und wehe jetzt antwortet hier jemand mit dieser Werbekampagne.)

  8. 8.07.2007 | 16:59

    @Björn

    Bis auf das Wort “Reperkussionen”, das ich nur wegen des Jazzstandards “Expecting Repercussions” (übrigens sehr, sehr cool neulich vom Matthias Vogt Trio mit Dania König interpretiert) mal toleriere, hast du den Hammer auf den Nagel getroffen.

    (Ich liebe schiefe Redewendungen).

  9. Karl Moritz Tellerrand
    8.07.2007 | 17:12

    Welche zusätzliche Aufmerksamkeit denn? Das Thema hat doch schon ein Aufmerksamkeitsmaximum erreicht.

    Ach so ja, natürlich. Die Zeitungen schreiben über nichts anderes mehr, jede Woche demonstrieren hunderttausende für mehr Klimaschutz, Politiker beschließen verzweifelt alle denkbaren Maßnahmen, Kohlekraftwerke werden stillgelegt, alle Tankstellen bieten alternative Treibstoffe an, die Leute fliegen nicht mehr in den Urlaub, und alle meine Bekannten haben ihre Autos abgeschafft und Ihre Häuser neu isolieren lassen.

    Du hast natürlich recht. Mehr Aufmerksamkeit geht wirklich nicht mehr…

    Ironiefrei @ Björn: Bis zu einem gewissen Grad hast Du schon recht – das Engagement der Mainstream-Kultur wird nur dadurch möglich, dass das Thema eine gewisse aufmerksamkeitsökonomische Schwelle überschritten hat. Das heißt aber natürlich nicht, dass durch dieses Engagement nichts mehr zu erreichen wäre. Da werden enorm viele Leute sensibilisiert, die auf dem normalen Weg über Medien und Politik überhaupt nicht zu erreichen sind. Und diese unpolitische Masse ist es, die in einer Demokratie letztlich den Ausschlag gibt.

    Konkreter Beleg: Nach Life Aid 1985 damals ist das Spendenaufkommen ja auch ganz erheblich gestiegen.

  10. 8.07.2007 | 17:19

    Daß die Bereitschaft, wegen einer theoretischen Bedrohung vorsorglich Selbstmord zu begehen, wenig ausgeprägt ist, vermag alleine noch nicht mangelnde Aufmerksamkeit für die theoretische Bedrohung zu belegen.

  11. 8.07.2007 | 17:22

    @David

    Dafür liebe ich dich.

  12. 8.07.2007 | 17:27

    Suppenkasper,

    Die Zeitungen schreiben über nichts anderes mehr,

    Ist das jetzt ironisch gemeint? (Wenn ja, dann widerspreche ich Dir.)

    jede Woche demonstrieren hunderttausende für mehr Klimaschutz,

    na gut, zwischen Heiligendamm und Live Earth lagen wieviel… zwei Wochen?

    Politiker beschließen verzweifelt alle denkbaren Maßnahmen,

    Nö. Aber jetzt, nach Live Earth und den schulfunkartigen Filmen, die in den Pausen gezeigt wurden, denken die Politiker um und handeln, oder wie?

    Kohlekraftwerke werden stillgelegt,

    Überall auf der Welt werden AKW gebaut und Kohlkraftwerke stillgelegt. Nur Deutschland macht es andersherum. Aber was hat das mit Al Gore zu tun?

    alle Tankstellen bieten alternative Treibstoffe an,

    Und das werden sie tun, wen Shakira sie nochmal darum bittet???

    die Leute fliegen nicht mehr in den Urlaub,

    Für Urlaub haben die keine Zeit und kein Geld mehr. Ist beides für irgendwelche Konzerte draufgegangen. Der Flug dahin muss ja auch irgendwie finanziert werden. Oder ist Shakira mit ‘nem Balsaholzfloß nach Hamburg gekommen?

    und alle meine Bekannten haben ihre Autos abgeschafft und Ihre Häuser neu isolieren lassen.

    Und das wird jetzt alles passieren? Kann es sein, dass Du auch daran glaubst, dass Knut der Eisbär die kleinen Kinder bringt?

    [Notiz für die nächste ZK-Sitzung: Kommentarfreischaltung nur nach Personalausweiskontrolle anregen]

  13. 8.07.2007 | 17:39

    Konkreter Beleg: Nach Life Aid 1985 damals ist das Spendenaufkommen ja auch ganz erheblich gestiegen.

    Die Ablasshandlungen haben zugenommen. Das finde ich klasse. Sind auch die Agrarmärkte inzwischen geöffnet worden?

  14. 8.07.2007 | 17:41

    @Marian

    [Notiz für die nächste ZK-Sitzung: Kommentarfreischaltung nur nach Personalausweiskontrolle anregen]

    So lange du dich weigerst, Schäuble als Co-Autoren aufzunehmen, wird das wohl nix…

  15. Karl Moritz Tellerrand
    8.07.2007 | 17:52

    Lieber Marian, das alles wird selbstverständlich nicht jetzt gleich alles und nur wegen Life Earth passieren. Aber das Problem auch solchen Leuten näherzubringen, die vielleicht eher auf Sting oder Shakira als auf Angela Merkel oder Mojib Latif hören, ist sicherlich kein falscher Schritt. Bei der Reduktion von Treibhausgasen würde es ja beispielsweise viel helfen, wenn in gewissen Kreisen ein niedriger Treibstoffverbrauch ähnlich cool wäre wie eine hohe PS-Zahl.

    Dass ich gleich Thema der nächsten ZK-Sitzung werden soll, halte ich im Übrigen für zu viel der Ehre, zumal ich hoffe, dass Deine Notiz vor allem Deinem ausgeprägten liberalen Sinn für Humor entspringt…

  16. 8.07.2007 | 18:11

    [...] Naja, vielleicht etwas übertrieben und wenn, dann wirkt es erst einmal indirekt: Den ganzen Tag schon Sonnenschein und es ist angenehm warm. Vermute mal, das liegt an der vielen warmen Luft die sowohl bei den BLOGs wie auch bei Statler rund um das Konzert produziert wird – reicht ja fast für ein Aufwindkraftwerk [...]

  17. 8.07.2007 | 18:53

    [...] Wesley Clark Link to Article al gore Zur Öko-Bilanz von Live Earth: Lese-Tipps für Torsten Engel » Posted at B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade on Sunday, July 08, 2007 Wohl dadurch, dass ich mittlerweile dauerhaft der neoliberalen Kälte ausgesetzt bin, weine ich nicht mehr so oft … ) : Tomorrow’s Live Earth concerts all over the world are part of Al Gore’s plan to save, well, the Earth View Entire Article » [...]

  18. nils
    8.07.2007 | 19:10

    Beitraege dieser Art finde ich nett zu lesen, allein mir fehlt die Botschaft.
    Zu den Fakten:
    Der CO2 Ausstoss des Konzertes entsprach also dem was 7500 Briten in einem Jahr produzieren. Mit anderen Worten: Eine quantite negligeable.
    (Polemik an)
    Nach den Life Aid Konzerten haben sich auch nicht viele hingestellt und gesagt, dass es effektiver sei die Kosten des Konzerts direkt zu spenden.
    Wer mag den beim naechsten Aufmarsch von Rechtsradikalen diesen empfehlen, man solle doch lieber ein paar Menschen mit dunkler Hautfarbe zusammenschlagen, dass sei effektiver?
    (Polemik aus)

  19. 8.07.2007 | 19:30

    @nils

    Nach den Life Aid Konzerten haben sich auch nicht viele hingestellt und gesagt, dass es effektiver sei die Kosten des Konzerts direkt zu spenden.
    Wer mag den beim naechsten Aufmarsch von Rechtsradikalen diesen empfehlen, man solle doch lieber ein paar Menschen mit dunkler Hautfarbe zusammenschlagen, dass sei effektiver?

    Oh Schreck, wie sehr kann man Analogien noch vergewaltigen?

    Spende für Zwecke des Live-Aids-Konzerts = Zusammenschlagen von Schwarzen?

    Mal ganz, ganz abgesehen davon, dass hier die Ziele wohl etwas divergieren dürften.. Es riecht. Und zwar nach einer Stigmatisierung des Anderen. Ich = gut, andere = böse, das ist die Botschaft, und sie verlangt nach Ritualen.

  20. nils
    8.07.2007 | 20:46

    @Rayson
    Es war als zwei voneinander unabhaengige Beispiele gemeint.
    Das mit der Stigmatisierung habe ich nicht verstanden.
    Mir ist nur weiterhin aufgefallen, dass durch diesen Beitrag die Veranstaltung mehr Glaubwuerdigkeit unterstellt wird als sie verdient hat.

  21. 9.07.2007 | 17:46

    Abgesehen davon: Jemand der Apple-Produkte nutzt und bewirbt kann kein guter Mensch sein.

    Danke. Vielen Dank. Endlich mal jemand, der gegen diese Sinn-und-funktionslose-Gadgets-zu-fantasiepreisen-produzierende Firma etwas schreibt…

    Ansonsten zum Thema Klima einfach mal hier schauen…

  22. 9.07.2007 | 17:52

    @nils

    Es war als zwei voneinander unabhaengige Beispiele gemeint.

    Die aber in ihrer Logik nichts miteinander gemein haben.

  23. R.A.
    9.07.2007 | 18:06

    Ich weiß, daß Al Gore eine Schande für Apple ist.

    Aber wenn ihr das jetzt zum Anlaß nehmt, die beste Computermarke von allen so diffamieren, dann gibt das hier einen ordentlichen Glaubenskrieg.

    GRRRRR!

  24. 9.07.2007 | 18:10
  25. stefanolix
    9.07.2007 | 19:01

    @R.A.: Wir müssen da als Mac-Nutzer keinen Glaubenskrieg führen. Wer seine Rechner professionell nutzt, hat keine Zeit, aus seinem Betriebssystem eine Religion zu machen. Der muss effektiv arbeiten und er sucht sich dafür am Markt jeweils ein geeignetes Werkzeug aus. Ich arbeite mit dem Mac und mit Linux-Rechnern, habe aber manchmal auch mit Unix oder Windows zu tun.

    Hier kommt gerade aus dem MacBook eine wunderschöne Klaviersonate und ich sitze beim Kommentieren am Linux-Rechner. Das ist friedliche Koexistenz der Systeme ;-)

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