8. Juli 2007
Rückschritt
Warum kann Nadal Federer gefährlich werden? Zum Zeitpunkt, an dem ich das hier blogge, fängt gerade der fünfte Satz des diesjährigen Wimbledon-Finales an.
Warum eigentlich? Ist Federer nicht der beste Spieler aller Zeiten, zudem auf Rasen? Beherrscht er nicht gerade auf diesem Untergrund das Spiel so wie kein zweiter? Elegant, instinktiv, mit grandiosem Aufschlag und solidem Volley-Spiel gesegnet, zudem noch mit einem Händchen sondergleichen und krachenden Vor- und Rückhandschlägen?
Das ist er. Oder besser: Er war es. Letztes Jahr. Dieses Jahr lässt ihn mal der Schlag im Stich, mal jener. Heute scheint es vor allem die Vorhand zu sein, die mehr Fehler als Gewinnschläge erzeugt.
Dieses Jahr aber ist auch sein Gegner besser. Nadal kombiniert Härte und Präzision wie vor ihm kein anderer. Er ist der legitime Nachfolger von Björn Borg, der als Grundlinienspieler auf jedem Belag erfolgreich war. Nadal spielt nicht so effizient wie Federer, aber er investiert mehr.
Es ist ein wenig wie Ali gegen Frazier. Witz und Eleganz gegen Kraft und Dynamik.
Allerdings muss man eins dazu sagen: Seit den Zeiten eines Sampras oder McEnroe hat sich einiges verändert. Man hat sich bemüht, das Spiel langsamer zu machen. Durch die Art der Bälle, durch den Rasen, der gesät wurde. Weil man meinte, dass das Publikum der Überlegenheit der Serve-and-Volley-Spezialisten überdrüssig sei. Aber die ganze Aktion hat nur dazu geführt, bestimmte Spieler-Typen aussterben zu lassen. Kein Serve-and-Volley-Spieler wird unter den gegebenen Bedingungen Wimbledon gewinnen können. Aber der Rest gewinnt auch woanders. Für das Tennis ist das ein Rückschritt.
Verfasst von Rayson um 18:37 Uhr in der Kategorie Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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