Werttheorien

Welchen Wert hat menschliche Arbeit? Den, den der Markt ihr anhand von Angebot und Nachfrage zuweist, sagen viele, die hier schreiben und kommentieren. Das kann ich bis zu einem gewissen Maße nachvollziehen, habe aber immer wieder die These verteidigt, dass man die Menschen davor schützen muss, durch Angebot und Nachfrage in die Armut geworfen zu werden.

Welchen Wert haben Butter und Milch? Den, den der Markt ihnen anhand von Angebot und Nachfrage zuweist, würde auch ich sagen. Kollege Zettel aber befürwortet hier eine andere Ermittlung des “wahren Werts” dieser Waren:

Wenn wir Glück haben, dann zahlen wir für ein Pfund Butter, für einen Liter Milch vielleicht bald das, was diese Produkte wert sind; dh die Produktionskosten plus einen angemessenen Gewinn für Produzenten und Händler.

Ganz schön marxistisch für einen Antikommunisten, mein lieber Zettel. Wobei ich nun von Boche (der immer für solche Fragen gut ist und mir damit schon oft schwer zu denken gegeben hat, ernstlich danke dafür!) die Frage erwarten würde, was denn in diesem Zusammenhang nun “angemessen” bedeutet.

Also zurück zu meiner Ausgangsfrage – nämlich der, was menschliche Arbeit wert ist. Ich könnte (quasi mit Zettel) sagen: “Die Lebenshaltungskosten plus einen angemessenen Aufschlag für weiteren Konsum und Rücklagen”. Tu’ ich aber nicht – weil ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass der Markt am Besten den Wert der menschlichen Arbeit festlegen kann.

Nur ein Mensch ist eben mehr wert als das, was die Arbeitskraft vieler Menschen augenblicklich wert zu sein scheint. Das gilt für Bauern, aber auch für Küchenhilfen, Reinigungskräfte und landwirtschaftliche Helfer. Und das ist das Problem.

Soli

Der Staat verwendet gerne positiv besetzte Begriffe, damit er die Ausbeutung deiner Untertanen rechtfertigen kann. Das schönste Beispiel ist der sogenannte “Solidaritätszuschlag” zur Einkommen- und Körperschaftsteuer. Wie die Sektsteuer den Untergang der kaiserlichen Flotte überlebt hat, überlebt auch der Solidaritätszuschlag den “Aufbau Ost”. Die Opfergabe, an die sich Gott Staat einmal gewöhnt hat, gibt er nie mehr her.

Vertrauen ist gut

Wir hatten hier schon öfters das Thema, ob und wie weit man angeblichen oder tatsächlichen Experten glauben kann, gerade auch auf dem Feld der Ökonomie. Arnold Kling von EconLog bietet hierzu eine Gebrauchsanweisung.

Gestaltungsmissbrauch

Nicht viele kennen ihn, aber relevant ist er schon, der § 42 Abgabenordnung:

§ 42 Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten

(1) Durch Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts kann das Steuergesetz nicht umgangen werden. Liegt ein Missbrauch vor, so entsteht der Steueranspruch so, wie er bei einer den wirtschaftlichen Vorgängen angemessenen rechtlichen Gestaltung entsteht.

(2) Absatz 1 ist anwendbar, wenn seine Anwendbarkeit gesetzlich nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist.

Er ist die letzte Waffe gegen alle Arten von reinen Steuertricks. Der Knackepunkt liegt natürlich im Wort “Missbrauch” und in dem Begriff “einer den wirtschaftlichen Vorgängen angemessenen rechtlichen Gestaltung”. Unbestimmte Rechtsbegriffe, die jeweils zu konkretisieren sind. Kann ein Rechtsstaat hier wirklich die Beweislastumkehr verlangen? Ich meine: Nein. Und die Union sieht es ausnahmsweise wohl genau so.

Als Nachtrag noch Raysons persönliche Maxime: Tu nichts nur aus steuerlichen Gründen. Die Gefahr, dass dabei vor lauter Hass das Denken aussetzt, ist enorm hoch.

Einfach

Dass unsere Politiker keine Ahnung von den Themen haben, die sie maßgeblich durch Gesetze beeinflussen wollen, wissen wir ja inzwischen. Um so klarer sollte die Ablehnung sein, was das und das betrifft.

Unternehmer in der Berufsklägerbranche

Sie sind ein Dorn im Fleisch, die Berufskläger vom Schlage eines Karl-Walter Freitag.

Doch in wessen Fleisch eigentlich? In dem der Minderheitsaktionäre, denen sie oft deutlich höhere Abfindungen sichern können? Oder nicht doch etwa in dem von Management und Mehrheitseignern?

Ich würde sagen: Das können Unternehmer im besten hayekschen Sinn sein, wenn sie dafür sorgen, dass Informationen offengelegt werden, die wegen ihrer ungleichen Verteilung sonst – schlag nach bei Akerlof und seinen “Zitronen” – zu wenig optimalen Ergebnissen beitragen würden. Im Ergebnis profitiert davon der Markt. Die Prämie dafür sei diesen Unternehmern als Pionierentgelt gegönnt.

Neutral bewerten würde ich die “Berufskläger” immer dann, wenn nicht die Offenlegung von Information, wie sie z.B. in einem Gerichtsverfahren stattfindet, ihr Ziel ist, sondern die Bildung eines Kartells mit Management und/oder Mehrheitseigner. Auch dann nehmen sie den Minderheitsaktionären nichts weg, sondern bedienen sich nur an der Prämie, die Management bzw. Mehrheitseigner wegen ihrer besseren Informationen einstreichen. Beides wäre gleich verwerflich, und ich sehe keinen Sinn darin, die einen bestrafen zu wollen, die anderen aber nicht, was aber die neuere Gesetzeslage fordert. Eher im Gegenteil: Allein durch ihre Existenz dürften die Berufskläger die zu erwartenden Windfall-Profits von Management und Mehrheitseignern reduzieren und den Anreiz zu solchen Betrugsmanövern verringern.

Alles eure Schuld!

Es gibt doch diese Geschichte, wo ein Kind in klirrender Kälte, dem seine Mutter vergessen hat, Handschuhe anzuziehen, sich trotzig denkt: “Daran ist sie selbst schuld, wenn mir jetzt die Hände abfrieren.”

Daran musste ich denken, als ich heute dieses las:

Dass die Unternehmen über einen Mangel an Fachkräften klagen, bezeichnete Buntenbach als „unerträglich“. Wenn es tatsächlich einen Fachkräftemangel gäbe, hätten die Firmen ihn selbst verschuldet, weil sie zu wenig in Aus- und Weiterbildung investiert hätten. „Aus dieser Verpflichtung dürfen wir Wirtschaft und Politik angesichts von immer noch 3,7 Millionen Arbeitslosen und gut 200.000 unversorgter Altbewerber um eine Lehrstelle nicht entlassen“, sagte sie.

Ich bin geneigt, der guten Frau in der Analyse teilweise zuzustimmen. Zu viele Unternehmen haben in ihrem Drang, Kosten zu senken, Bildung und Ausbildung als besonders geeignete Sparmaßnahme entdeckt. Denn man kann nach guter Trittbrettfahrermanier gewinnen, wenn man selbst nicht ausbildet, sondern sich die von anderen Ausgebildeten gegen ein geringes Plus einkauft. Bildung, und das spräche zumindest tendenziell für staatliches Engagement, entpuppt sich hier als “öffentliches Gut”. Mein Lieblingsklub muss das gerade schmerzlich erfahren: Seine im eigenen Internat halb-groß gewordenen Jungprofis werden in Scharen von anderen Vereinen abgeworben. Fairerweise muss man da allerdings sagen: Nicht immer zum Schaden des Vereins… (mehr…)

Ponto

Heute vor 30 Jahren wurde Jürgen Ponto von der RAF ermordet. Dazu drei Links:

Zwei Wochen später und nach heftigen Diskussionen innerhalb der RAF über die Ursachen des Fehlschlags gingen bei mehreren Zeitungen Schreiben ein – anders als alle anderen Erklärungen der RAF sind sie handschriftlich unterzeichnet – von “Susanne Albrecht – aus einem Kommando der RAF”:

“Zu Ponto und den Schüssen, die ihn jetzt in Oberursel trafen, sagen wir, dass uns nicht klar genug war, dass diese Typen, die in der Dritten Welt Kriege auslösen und Völker ausrotten, vor der Gewalt, wenn sie ihnen im eigenen Haus gegenüber tritt, fassungslos stehen.”

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Gedanken zum Sinn (2)

Mittlerweile bin ich schon ein gutes Stück weitergekommen in Hans-Werner Sinns Anleitung zur Rettung unseres Vaterlandes. Ich habe mich von ihm überzeugen lassen, dass eine Gewerkschaft, die mit den Mitteln des Flächentarifvertrags und des Kündigungsschutzes ausgestattet ist, eigentlich nichts anderes ist als ein durch Gesetze eingerichtetes und geschütztes Kartell – denn auf dem Arbeitsmarkt erfüllen Gewerkschaften schließlich genau diese Funktion. Ja, sie halten die Löhne Preise deutlich höher, als sie sein würden, wenn sie gemäß Angebot und Nachfrage bestimmt würden – und sorgen damit dafür, dass in vielen Fällen Unternehmen pleite gehen (oder gar nicht erst entstehen), weil sie ihre Produkte/Dienstleistungen nicht zu den Preisen anbieten können, die der Markt hergibt.

Das ist alles sehr logisch. Interessant ist aber Sinns doppelter Lösungsansatz:

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Zweitliga-Wette

Ich möchte die Kollegen MomoRules, Eisealuf und Statler gern zu einer kleinen Wette herausfordern:

Verliert der 1. FC Köln eines der Spiele am 1., 2. oder 10. Spieltag, so werde ich hier auf dem Blog einen Glückwunsch für den jeweiligen Gegner mit gut sichtbarem Vereinswappen und einem Link auf die jeweilige Vereinsseite posten. Gewinnt der FC, erscheint ein entsprechender Post auf dem jeweils anderen Blog.

Haben wir eine Wette?

ABC-Schütze

Kennt Ihr eigentlich schon das ABC des Neoliberalismus? (gefunden bei Pickings: Neoliberalismus lässt sich nicht schönschreiben)

Da bedanke ich mich als ABC-Schütze des Neoliberalismus ganz herzlich!

(Rayson, wo bleiben eigentlich die INSM-Überweisungen? Oder zahlen die bar?)

Schlamperei und Sprache

Gestern diese Meldung, die zweite deutsche Geisel sei “wohlauf” (woraus beim DLF spät am Abend ein “den Umständen entsprechend wohlauf” wurde – immer noch scheiße, aber wenigstens in die richtige Richtung leicht korrigiert) – und heute das:

Denn eigentlich war Ulrich Mühe ein Theatermann, der sein Handwerk in Leipzig und Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, gelernt hatte, wo er 1979 sein erstes Engagement erhielt und in einem Ibsen Stück debütierte.

Das heutige Chemnitz, soso. Ich frage mich, was jemand, der, sagen wir, 1992 geboren wurde, dabei denkt, wenn er diese Formulierung liest…

Gefährliche Gedanken

Die Zeit der Inquisition ist nicht vorbei, und es geht nicht nur um den christlichen Glauben: Es gibt ganz einfach Aussagen, die in einem gegebenen politischen Umfeld geächtet werden. Und zwar ungeachtet ihrer empirischen Evidenz. Steven Pinker erzählt davon.

(via Marginal Revolution)

Was zum Wachstum

Michael Burda, US-Import und Nummer 26 im deutschen VWL-Ranking, zeichnet ein positives Bild der deutschen Entwicklung.
(via Marginal Revolution)

Er tut das nicht ohne Witz. Meine Lieblingszitate:

Against the backdrop of previous expansions, it is intellectually challenging not to attribute a large part of the dramatic drop in German joblessness to the Hartz reforms implemented 2-3 years ago.

To me, the facts are fairly unconvertible in their support for a supply-side interpretation of the recovery. Naturally, many journalists, labour unionists and policymakers in Germany will want to read the tea-leaves differently; no one can deny them this right, just as one shouldn’t ban creationism or even saying that the world is flat.

Von wegen Ruhetag.

Angeblich war ja heute Ruhetag bei der Tour de Farce. Von wegen. Um deutlich zu machen, was ich an dem ganzen Spektakel nicht verstehe, möchte ich die Jungs auf zwei Rädern mit den überwiegend weiblichen Drogenabhängigen vergleichen, die interessanterweise nicht im Sportteil, sondern in der Rubrik “Leute heute” oder “Deutschland und die Welt” oder so auftauchen. Ich schwöre, ich muss die Namen von den Tussen Damen jedesmal erst wieder nachschlagen… (mehr…)

Freiheitskämpfer

Die armen, unterdrückten Palästinenser in ihrem Freiheitskampfe schießen dieses Mal daneben.

Gedanken zum Sinn (1)

Normalerweise brauche ich nur wenige Stunden, maximal zwei Tage, um ein Buch zu lesen – es ist schon nett, wenn man gelernt hat, “quer” zu lesen, ein kleiner Kniff, der wirklich gut funktioniert. Es gibt aber Bücher, bei denen das nicht funktioniert. Das sind vor allem die Bücher, in denen einem jede Seite wieder mit gut fundierten, klugen Argumenten begegnet, die mit Daten und Fakten belegt unheimlich dicht argumentieren – und bei denen man Zeile für Zeile darauf hofft und wartet, sie widerlegen zu können.

Wie man in der Spalte rechts lesen kann, lese ich im Augenblick “Ist Deutschland noch zu retten?” von Hans-Werner Sinn. Ich bin noch nicht einmal zu einem Viertel durch die Lektüre gekommen, und schon jetzt habe ich Magenschmerzen. Denn das, was Sinn schreibt, ist für mich gleichzeitig sehr überzeugend und völlig inakzeptabel. Sehr überzeugend, weil er die Probleme, die unsere Volkswirtschaft im Rahmen von EU und Globalisierung zu bewältigen hat, eindrücklich beschreibt, weil er die üblichen Argumente für Konjunkturprogramme und Heile-Welt-Getue eindrucksvoll widerlegt. Völlig inakzeptabel, weil sein erster Lösungsvorschlag einer Katastrophe gleichkommt: Wir müssen, so Sinn, die Löhne in diesem Land im Schnitt um 15% kürzen. Natürlich nicht für die am Besten ausgebildeten Arbeitnehmer; deren (hohe) Löhne können fast unverändert bleiben oder sogar weiter steigen. Dafür aber müssen die Löhne für schlecht ausgebildete Arbeiter (vulgo auch “Arme” genannt) sogar um 30% gekürzt werden, wenn wir uns wettbewerbsfähig halten wollen. Im Mittelfeld kommen dann die 15% zum Tragen.

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Kein Glückwunsch für Herrn Islam. Oder: Wie man Phobien besser nicht bekämpfen sollte…

Der Islam ist ja heutzutage schlimmen Anfeindungen ausgesetzt.
Als wäre mit Taliban, Hamas, Steinigungen, Aufhängen von Homosexuellen, kulturellem Stillstand, Terrorplanungen in Moscheen und der Frage, warum praktisch alle heute im größeren Umfang tätigen Terroristen Moslems sind (während selbstverständlich nicht alle Moslems Terroristen sind), nicht schon genug Angriffsfläche gegeben, kommen auch noch solche “Verteidiger” des rechten Glaubens als Problem hinzu.
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Siehe da

Karsten hat es immer behauptet, und jetzt habe ich sogar einen Beweis: Es gibt offensichtlich sehr, sehr vernünftige Soziologen. Zum Beispiel Wolfgang Sofsky: Was er zur “Verteidigung des Privaten” gegen Wohlfahrts- und Überwachungsstaat zu sagen hat, kann man in der FAS nachlesen.

Konflikt

Meine Liebste meint, das “Gib Gates keine Chance”-T-Shirt sei kindisch und mir nicht angemessen. Frauen…

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