25. Juni 2007
Broder und der Börne-Preis
Mit Henryk M. Broder bin ich weiß Gott oft nicht einer Meinung. Wenn ich seine Polemiken lese, dann sehe ich zwar meistens einiges Wahres und manch angebrachte Kritik, aber daneben auch viel Paranoides, manchmal geradezu Hetzerisches und Gefährliches. Vermutlich bin ich in diesem Blog der Quoten-Dhimmi, denn ich vermag den Islam nicht als etwas überwiegend Schlechtes sehen und halte die Aufregung über den “Islamofaschismus”, wie sie auch Broder fördert und vorantreibt, für völlig überzogen und eine Beleidigung für die vielen friedliebenden Muslime, die auch in unserem Land leben.
Trotzdem aber ist Broder eine wichtige Figur, auch in meinen Augen. Es ist wichtig, dass jemand die Ängste und das Gefühl der Bedrohung, das viele unserer Mitbürger gegenüber dem Islam empfinden, offen und auch durchaus scharf anspricht, ohne dabei aber für ein alternatives System zu stehen, das hierzulande schon einmal katastrophale Folgen hatte. Ich denke, diese Mitmenschen haben Unrecht, und auch Broder hat Unrecht – aber wäre er nicht, wer würde dann die Diskussion in dieser Art führen und beleben? Es ist ja nicht nur so, dass die “einfachen Leute”, denen Broder mit der Kritik an Islam und Kapitulation aus dem Herzen spricht, sich in ihm wiederfinden und von seinen Worten vertreten fühlen. Sondern durch Broder gibt es auch für die, die anderer Meinung sind, eine Möglichkeit, zu antworten und sich mit dieser Meinung auseinanderzusetzen. Im wohlgefälligen Einheitsbrei, den die übrige “große” Publizistik sonst bei diesen Themen darstellt, würden viele Menschen sich weder vertreten noch verstanden, aber eben auch nicht beantwortet sehen.
Allein das macht einen Hendryk Henryk (danke, Rayson) Broder wertvoll auf dem Markt der Meinungen in dieser Republik. Im Gegensatz zu gewissen Bloggern, die in der Blogosphäre oft mit ihm zusammen genannt werden, die aber weder seine Differenzierungsfähigkeit noch seine Begabung zum Disput haben – und vor allem eine noch wesentlich extremere Meinung vertreten, die dann wohl wieder nur wenige unserer Mitbürger direkt teilen würden.
Verfasst von Karsten um 16:49 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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