Noch was zu SPON: Schmeißt sie raus!

Wir haben es ja schon zigmal erlebt: Bei “Spiegel Online” haben Überschrift und “Teaser” manchmal nur annähernd etwas mit dem Text darunter zu tun. Die Vermutung liegt nahe, dass nicht die Autoren für diese Teile des Beitrags zuständig sind. Warum aber lassen sie es geschehen, dass die Aussage ihrer Texte so sehr verfälscht wird, selbst auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen?

Neuestes Beispiel: Die erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftkandidaten der “Demokraten” in den USA. SPON teast:

Favoritin Hillary Clinton machte dabei keine besonders gute Figur.

Im Text finden wir dazu nichts, nur den bekannten Hinweis, dass die Haltung zum Irak-Krieg Clintons schwache Stelle sei. Das hat mit der Figur, die sie in der Debatte angeblich gemacht oder nicht gemacht hat, erstmal rein gar nichts zu tun.

Bei FAZ.net hat auch einer ferngesehen, und der kommt zu dem Schluss:

Hillary Clinton ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden.

Und weiter:

Im Zweikampf zwischen Clinton und Obama sahen Experten die Senatorin in Führung. „Clinton zeigte sich kompetent und sicher“, resümmiert der Politologe Costas Panagopoulos von der Fordham University. „Die große Überraschung war Obama, der nicht sehr klar war und sich oft wiederholte.“

Der Kommunikationswissenschaftler Charlton McIlwain von der New York University vermutet, der sonst so charismatische Redner Obama habe seine Fähigkeiten in der zeitlich eng begrenzten TV-Debatte nicht zur Geltung bringen können. „Clinton erschien sympathischer, sie hat mehr gelächelt.“ In parteiinternen Umfragen vor der Debatte lag Hillary vor Obama und Edwards an der Spitze.

Also SPON, es gibt einen einfachen Tipp, das Niveau eurer Publikation zu heben: Schmeißt die Typen, die gerade die Teaser verfassen, einfach raus, und lasst das besser die Autoren selbst erledigen.

Ähnliche Beiträge


5 Kommentare zu “Noch was zu SPON: Schmeißt sie raus!”

  1. Tim Jansen
    27.04.2007 | 17:41

    Alternative: stellt mich ein! Mein Traumjob ist es, Schlagzeilen für Boulevardzeitungen zu schreiben. Zwar würde ich die Bild bevorzugen (was kann sich der Schlagzeilenautor mehr wünschen als dass seine Schlagzeilen 5 cm hoch und 30 cm breit gedruckt werden?), aber der Spiegel wäre ein netter Einstieg.

    Arbeitsprobe für diesen Artikel:

    FRAU CLINTON K.O., DIESER MAN GEWINNT
    Bald amerikanscher Präsident?

    Passendes Foto: Obama mit geballter Faust, Hillary Clinton klein irgendwo in der Ecke

  2. Hardy
    27.04.2007 | 19:35

    Viel zu lang für Bild.
    CLINTON K.O. – OBAMA SIEGT!
    Bald US-Präsident?
    Ansonsten gute Idee, auch mit Obamas Foto, aber von Hillary eventuell ein Bild was nach der Praktikantinnen-Affaire gemacht wurde. Da gibt es doch einige mit sehr zerknirschtem Gesichtsausdruck.

  3. Tim Jansen
    27.04.2007 | 23:14

    Nee, das geht so nicht.

    1. Verwirrt das den Leser, der sich wundert, warum Clinton auf einmal eine Frau ist. Daher muss man klarstellen, dass es die Frau von Clinton ist

    2. Obama kennt kein Mensch. Wenn man 100 Bild-Leser fragt, wer Obama ist, antworten wahrscheinlich 60% “ein gesuchter Terrorist”.

    3. Wen interessiert der US-Vorwahlkampf? Man muss irgendwas aufregenderes finden, was sich in die Schlagzeile hineininterpretieren lässt. Da im Artikel von einem “Zweikampf” die Rede ist, würde ich einen physischen Schlagabtausch wählen.

    Zugegeben, meine Schlagzeile ist auch lange nicht perfekt. Vor allem “gewinnt” ist schlecht. “Schlägt” ist besser, da unklarer. Aber das lässt sich schlecht mit dem “K.O.” verbinden.

    Ich brauche halt noch etwas Übung…

  4. Buenavista
    28.04.2007 | 20:25

    Da ich die ganze Debatte gesehen habe, frage ich mich auch, auf welcher Veranstaltung der Redakteur war.

    Ich mag Hillary nicht wirklich, aber sie kam smart und tough rüber, während Obama kleine Schwachstellen hatte. Edwards zog sich gut aus der Affäre. Sogar Biden, sonst eher der Dampfplauderer der Demokraten, konnte auf seinem starken Gebiet der Außenpolitik punkten.

    Die Macht ist (bisher) mit Hillary. Trotz aller Angreifbarkeit haben die Republikaner nur mit Giuliani eine Chance, der Rest ist jetzt schon Fischfutter.

  5. 28.04.2007 | 21:50

    Aber kann Giuliani bei den Vorwahlen die Mehrheit der Basis unter sich vereinigen? Er hat die Feuerwehrgewerkschaft gegen sich und seine Scheidung, die Unterstützung der “civil unions” und dieses Video machen ihn doch eigentlich untragbar für das wichtige Segment des Moral-Values-Elektorat. Sobald die ersten Kandidaten Negative Ads starten könnte das ausreichen um Giuliani das Genick zu brechen…

    Wie schnell so eine Demontage geht sieht man ja derzeit bei John McCain. Ich war noch vor einem Jahr so gut wie sicher, dass der Mann ganz locker ins Weiße Haus einziehen würde.

Bad Behavior has blocked 1041 access attempts in the last 7 days.